Marokkos Nationalmannschaft muss gut drei Monate vor ihrem WM-Auftaktspiel einen Trainerwechsel verkraften. Der Verband gab am Donnerstagabend nach wochenlangen Debatten um den Coach die Trennung von Walid Regragui bekannt und ernannte Mohamed Ouahbi zum neuen Chefcoach der "Atlas-Löwen".
AFPDrei Monate vor der WM! Marokko trennt sich von Nationaltrainer Walid Regragui - statt Barcelona-Legende Xavi übernimmt ein Coach mit historischem Titelgewinn
Walid Regragui nicht mehr Marokko-Trainer
Regragui selbst jedoch stellte seine Ablösung nach fast vierjähriger Tätigkeit als Rücktritt dar. "Ich lege mein Amt mit Loyalität, Dankbarkeit und der Gewissheit nieder, meinem Land gedient zu haben", erklärte der 50-Jährige fast zeitgleich mit der Mitteilung seines bisherigen Arbeitgebers in einer TV-Livesendung im marokkanischen Fernsehen. Bereits seit Marokkos Endspielniederlage beim Afrika-Cup zu Jahresbeginn im eigenen Land gegen Senegal war der Ex-Nationalspieler bei den Nordafrikanern umstritten.
Das Endspiel Mitte Januar verlief bekanntlich höchstdramatisch, da die Senegalesen nach einem fragwürdig aberkannten Tor und einem umstrittenen Elfmeterpfiff für Marokko kurz vor Schluss mit Spielabbruch drohten. Nach Unterbrechung wurde die Partie mit Elfmeter für die Marokkaner fortgesetzt, den Real Madrids Brahim Diaz allerdings vergab. So blieb es beim Stand von 0:0 und das Finale ging in die Verlängerung, in der Senegal letztlich das bessere Ende für sich hatte und mit 1:0 gewann.
Getty ImagesWalid Regragui: "Die Mannschaft braucht ein neues Gesicht"
Regragui hatte den Trainer-Posten in Marokko im Sommer 2022 übernommen. Ende des gleichen Jahren führte der frühere Abwehrspieler seine Elf bei der WM-Endrunde in Katar bis ins Halbfinale, letztlich wurden die Marokkaner WM-Vierter.
Gut ein Jahr später verlief der Afrika-Cup 2024 mit dem Achtelfinal-Aus gegen Südafrika jedoch enttäuschend. Beim jüngsten Kontinentalturnier im eigenen Land wurde dann der Titel von Regragui erwartet, den man allerdings knapp verpasste. Dennoch kam die Trennung überraschend, da sich Marokko unter dem 50-Jährigen zu einem Geheimfavoriten für die WM im Sommer weiterentwickelt hatte, die Qualifikation war zudem mit acht Siegen aus acht Spielen sehr souverän gelungen.
"Die Mannschaft braucht ein neues Gesicht, neue Energie und eine neue Perspektive mit einem neuen Trainer", sagte Regragui nun zu seinem Aus.
GettyWird Andres Iniesta Sportdirektor bei Marokko?
Als Nachfolger hatte der marokkanische Verband Medienberichten zufolge unter anderem Barcelona-Legende Xavi im Auge. Der Ex-Barca-Coach, seit seinem Aus bei den Katalanen im Sommer 2024 ohne Trainerjob, sagte jedoch ab.
Mit Mohamed Ouahbi legte man sich nun stattdessen auf eine verbandsinterne Lösung fest. Der 49-Jährige war seit knapp vier Jahren U20-Nationaltrainer Marokkos und führte seine Mannschaft im Herbst vergangenen Jahres zu einem historischen Titelgewinn. Angeführt von den drei hochtalentierten Offensivspielern Yassir Zabiri (Stade Rennes), Othmane Maamma (FC Watford) und Gessime Yassine (Racing Straßburg) gewann Marokko im Oktober erstmals die U20-WM. Dabei hatte Ouahbis Mannschaft mit Siegen gegen Brasilien und Spanien zunächst eine Hammergruppe überstanden, besiegte im Halbfinale dann Frankreichs Auswahl und gab im Finale den Argentiniern mit 2:0 das Nachsehen.
Möglich, dass Ouahbi den einen oder anderen seiner U20-Helden mit zur WM nimmt, die für Marokko am 13. Juni mit dem Hammer-Auftakt gegen Brasilien beginnt. Weitere Gruppengegner des Vize-Afrikameisters sind Schottland und Haiti, die Qualifikation für die K.o.-Phase ist das Minimalziel.
"Ich bin nicht hier, um etwas aufzubauen, denn die Grundlagen sind bereits vorhanden. Ich bin hier, um weiterhin Leistung zu bringen", sagte Ouahbi zu seiner neuen Aufgabe. Medienberichten zufolge soll ihm demnächst ein großer Name als Unterstützung an die Seite gestellt werden: So verhandelt der marokkanische Verband wohl mit Barcelona-Legende Andres Iniesta über eine Anstellung als Sportdirektor von Marokkos Nationalteam.
Bereits im Januar hatte die spanische Zeitung Asüber die entsprechenden Gespräche berichtet. Iniestas Hauptaugenmerk läge bei einem Engagement in Marokko auf der Weiterführung der zuletzt sehr positiven Entwicklung - vor allem mit Blick auf die WM 2030, die die Marokkaner gemeinsam mit Spanien und Portugal ausrichten werden.
Marokkos Gruppenspiele bei der WM 2026:
- 13. Juni: Marokko vs. Brasilien
- 19. Juni: Marokko vs. Schottland
- 24. Juni: Marokko vs. Haiti

