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Borussia Dortmund: Tuchel und das große Fragezeichen


HINTERGRUND

Es wäre eine große Überraschung, sollte der BVB nach dem Finale im DFB-Pokal gegen Eintracht Frankfurt am Samstag (20.30 Uhr im LIVETICKER) verkünden, dass Thomas Tuchel auch in der kommenden Saison Trainer von Borussia Dortmund bleibt. Zwar pochte Tuchels Berater Olaf Meinking Anfang der Woche auf die Einhaltung des Vertrages bis 2018, doch das dürfte nicht viel heißen. Natürlich möchte Tuchel als Vertragspartner nicht selber seinen gültigen Kontrakt kündigen - und auf eine Abfindung verzichten. 

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Konzentrieren wir uns auf die rein sportliche Beurteilung des aktuellen Trainers. Dabei sollte man nicht vergessen, dass Borussia Dortmund 2014/15 - in der letzten Saison unter Jürgen Klopp - lange Zeit im Abstiegskampf steckte und sogar Tabellenschlusslicht war. Tuchel übernahm diese Mannschaft und wurde mit 78 Punkten bester Vizemeister der Bundesliga-Geschichte. In Meisterschaft und Pokal musste er sich nur der nationalen Dominanz des FC Bayern München beugen. Gewiss war die zweite Saison unter Tuchel durchwachsen, dennoch wurden Stand jetzt alle Ziele erreicht.

Bester BVB-Trainer der Geschichte

Diese besondere Leistung dürfte auch BVB-Boss Hans-Joachim Watzke nicht entgangen sein. Die einzigen Spiele, die Tuchels BVB nach dem furchtbaren Bombenanschlag auf den Mannschaftsbus verlor, waren die beiden Champions-League-Partien gegen AS Monaco. Das spricht für eine eigentlich intakte Beziehung zur jungen Mannschaft.

Fußball ist ein Ergebnissport - diese viel zitierte Weisheit bei bevorstehenden Trainerwechseln trifft beim BVB nicht zu. Tuchel ist gemessen am Punkteschnitt der beste Trainer der Dortmunder Bundesliga-Geschichte: 2,09 Punkte pro Spiel sind ein überragender Schnitt. Zudem überstand er als erster Trainer der Klub-Historie zwei Spielzeiten mit dem BVB, ohne auch nur ein Heimspiel zu verlieren (27 Siege und sieben Unentschieden). Mit dieser Serie kann nur der große Ernst Happel mithalten, der nach Amtsübernahme beim HSV 1981 keines seiner ersten 42 Bundesliga-Heimspiele verlor. 

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Dass Tuchel sogar einen besseren Punkteschnitt hat als die zweifachen "Meistermacher" Jürgen Klopp und Otttmar Hitzfeld (siehe Grafik) hat, ist bemerkenswert. Es zeigt aber auch, dass die Mannschaft unter Tuchel nicht konstant genug ist, um den Serien-Meister aus München ernsthaft zu gefährden.  

Junge Spieler profitieren von Tuchel

Sportlich hätte die Chefetage der Borussia nicht nur einen Grund, an Tuchel festzuhalten. Gerade junge Spieler wie Christian Pulisic, A- und B-Jugendmeister mit dem BVB, oder Neuzugang Ousmane Dembele profitieren von Tuchel. Ein Blick auf die Zahlen der abgelaufenen Saison verdeutlichen dies. Dembele bestritt die meisten Pflichtspiele aller BVB-Akteure (48) und harmonierte vor allem mit Torschützenkönig Pierre-Emerick Aubameyang, dem er elf Tore auflegte, perfekt.

Im Franzosen steckt noch genauso viel Potenzial wie in Pulisic, der in seiner ersten richtigen Saison bei den Profis auf 14 Torbeteiligungen kam. Dieses Potenzial würde Tuchel sicher gerne ein weiteres Jahr voll ausschöpfen. Nicht zu vergessen Raphael Guerreiro, der großartig in die Saison startete und dann durch Verletzungen zurückgeworfen wurde.

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Obwohl Trainer Tuchel sich ein weiteres Jahr beim BVB "sehr gut vorstellen" kann, wird er sich das Ganze genau überlegen. Die Türen stehen ihm offen - ob als möglicher Nachfolger von Arsene Wenger beim FC Arsenal oder als Entwickler bei Bayer 04 Leverkusen. Borussia Dortmund sollte jedoch aufpassen, welchen Verein man mit dem statistisch besten Trainer der Vereinsgeschichte verstärkt. 

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