Trainer Oliver Glasner steht offenbar nach seiner öffentlichen und in aller Deutlichkeit geäußerten Kritik an der vergangenen Transferperiode beim VfL Wolfsburg vor der Entlassung. Das berichtet der kicker am Freitag. Demnach sei das Tischtuch zwischen der Vereinsführung und dem 46-Jährigen nun zerschnitten.
Glasner hatte am Donnerstag und am Freitag die Führungsriege um Geschäftsführer Jörg Schmadtke dahingehend kritisiert, dass Versprechen in puncto Transfers nicht eingehalten worden seien. Demnach sei kein Offensivspieler mit "Tempo und Tiefgang" bis zur Schließung des Transferfensters Anfang Oktober zu den Wölfen gestoßen.
Glasner über ausbleibende Transfer: "Das ist schade"
Dabei habe man sich vereinsintern darüber "monatelang unterhalten", wie Glasner bei Sky erklärte: "Das ist schade." Gänzlich untätig blieb der VfL jedoch bezüglich offensiver Verstärkungen nicht. Neben dem noch jungen polnischen Nachwuchsstürmer Bartosz Bialek (18), der fünf Millionen Euro kostete und seitdem gerade einmal eine einzige Minute in der Bundesliga auf dem Platz stand, verpflichtete Wolfsburg außerdem Maximilian Philipp auf Leihbasis von Dinamo Moskau.
Zufrieden ist Glasner angesichts der Wolfsburger Torungefährlichkeit (nur fünf Treffer in sechs BL-Spielen) dennoch nicht. "Klar ist, dass wir und auch ich andere Ideen hatten, die wir nicht realisieren konnten", zürnte der Österreicher am Freitag in einer Gesprächsrunde mit Journalisten: "Wir haben unser Transferziel in der Offensive nicht erreicht. Und was wir über Monate besprochen haben, habe ich in dem Interview verlautbart. Ich stehe zu dem, was ich gesagt habe."
Schmadtke reagierte auf die öffentlich geäußerte Kritik des Trainers, den er 2019 vom LASK losgeeist hatte, zunächst zurückhaltend, machte jedoch deutlich, dass nun Gesprächsbedarf besteht. "Ich finde es nicht gut, ich finde den Zeitpunkt unglücklich. Seine Unzufriedenheit scheint so groß zu sein, dass er sich nun geäußert hat", erklärte der 56-Jährige dem kicker noch etwas nüchtern.
VfL-Boss Schmadtke schickt Glasner verbal ins "Phantasialand"
Etwas deutlicher wurde Schmadtke erst in später veröffentlichten Stellungnahmen. Der Bild-Zeitung sagte er angesprochen auf die Glasner-Kritik, dass Menschen "manchmal eben schlechte Phasen" hätten. Dem Sportbuzzer erklärte er, dass die Transfer-Vorstellungen Glasners schlichtweg "nicht realisierbar" gewesen seien: "Das ist ja nicht Phantasialand hier. Man kann nicht Dinge haben wollen, die unrealistisch sind."
Zur Zukunft Glasners wollte sich Schmadtke zunächst nicht äußern. Eine Trennung nach dem Spiel gegen 1899 Hoffenheim am Sonntag unabhängig vom Ausgang sei jedoch "fast schon unumgänglich", wie es der kicker formuliert. Bereits bei Glasners Vorgänger Bruno Labbadia hatten Dissonanzen zwischen dem Trainer und Schmadtke zu einer Trennung am Ende der Saison 2018/19 geführt.
Neben Bayer Leverkusen sind die Wölfe aktuell zwar das einzige noch ungeschlagene Team der Bundesliga. Allerdings liegen sie nach fünf Unentschieden lediglich auf Platz elf der Tabelle und stellen nach Mainz (5), Schalke (3) und Bielefeld (4) eine der unproduktivsten Offensiven der Liga. Hinzu kommt noch das enttäuschende Ausscheiden in der Europa-League-Qualifikation gegen AEK Athen.


