HINTERGRUND
"Ni hao China" – als die Profis des FC Schalke 04 um kurz nach 18 Uhr Ortszeit den Terminal im Flughafen Shanghai betraten, herrschte große Aufregung unter den rund 400 chinesischen Fans. In der Hoffnung ein Selfie oder Autogramm von den Bundesliga-Kickern zu ergattern, warteten sie teilweise schon seit Stunden auf die Mannschaft. Neben Weltmeister Benedikt Höwedes hat es den asiatischen Fans besonders ein S04-Verteidiger angetan: Strahlemann Atsuto Uchida.
Denn während der stets grinsende Außenverteidiger in Deutschland medial höchstens zu den Randerscheinungen des Kaders von Trainer Domenico Tedesco gehört, ist er in Asien nicht weniger als ein Star. Besonders in seiner japanischen Heimat gibt es einen regelrechten Hype um seine Person. "Er ist der berühmteste Fußballer in Japan", weiß Ryo Hiramatsu von Goal Japan: "Speziell jüngere Frauen lieben ihn, da er ein gutaussehender und cooler Typ ist. Einige seiner Fans interessieren sich gar nicht für Fußball, sondern lieben es einfach, Uchida zuzusehen. Es ist keineswegs übertrieben zu sagen, dass er für Japaner eine Art Popstar ist. Er wird häufig als der japanische David Beckham bezeichnet."
Ähnlich wie der englische Superstar, der seine Karriere inzwischen beendet hat, sah man allerdings auch Uchida in den letzten Monaten häufiger neben als auf dem Rasen. Aufgrund einer komplizierten Patellasehnen-Verletzung im rechten Knie kam er in den letzten 28 Monaten auf lediglich einen Kurzeinsatz in einem Pflichtspiel.
"Never give up, du bist ein Samurai"
"Verletzt zu sein, ist scheiße! Und zwei Jahre zu fehlen, das ist richtig scheiße! Aber ich habe immer an mich geglaubt und gesagt 'Never give up, du bist ein Samurai‘. Mein Ziel ist es, schon bald wieder in der Veltins-Arena zu spielen. Diese Stimmung vermisse ich sehr", gibt sich der Japaner optimistisch.
Nach mehr als zwei Jahren ohne Bundesliga-Fußball scheint nun aber tatsächlich ein Ende der Leidenszeit in Sicht. Denn speziell in den beiden Testspielen in Erkenschwick und Paderborn machte der 29-Jährige einen sehr guten Eindruck. Nicht nur wegen seiner zwei Treffer gegen das Team aus der Westfalenliga erinnerte er in Ansätzen schon wieder an Zeiten, in denen er zusammen mit Jefferson Farfan ein kongeniales Duo auf dem rechten Flügel bildete.
Während man Uchida in der Vergangenheit ausschließlich als rechten Verteidiger in der Viererkette kannte, testete ihn Tedesco zuletzt auch in anderer Rolle: als Flügelspieler im 3-4-3. "Da agiere ich offensiver als sonst. Auf dieser Position muss man Tore schießen oder vorbereiten. Das hat mir gut gefallen. Wir waren insgesamt sehr variabel. In der Defensivbewegung spielen wir zu viert oder fünft hinten", beschreibt er seine Rolle im System.
Spezielle Vorbereitung auf Trainingseinheiten
Seit mehr als einem halben Jahr steht Uchida wieder regelmäßig mit der Mannschaft auf dem Trainingsplatz, um seinem Comeback in der Bundesliga Tag für Tag ein Stück näher zu kommen. Doch um an den Einheiten teilnehmen zu können, investiert der Japaner täglich viel Zeit und Kraft: "Ich habe keinerlei Schmerzen. Meinem Körper geht es gut. Dafür tue ich aber auch sehr viel. Vor jedem Training absolviere ich ein individuelles Programm zur Stabilisation. Das hilft mir sehr."
Eine große Hilfe für den Japaner waren auf Schalke stets auch die Fans, bei denen er seit Jahren einen Sonderstatus besitzt und als Publikumsliebling gefeiert wird. Speziell die langgezogenen "Uchi"-Sprechchöre sind in Gelsenkirchen längst Kult. "Das freut mich und motiviert mich zusätzlich. Ich bin unseren Fans sehr dankbar", erklärt der quirlige Rechtsfuß.
Geht es nach Uchida und den vielen Schalke-Fans, wird er schon bald wieder Bundesliga-Luft atmen. Doch bevor es soweit ist, steht für den Japaner und seine Kollegen erst einmal der Marketing-Trip in Fernost auf dem Programm. In der Nähe seiner Heimat wird der 29-Jährige dort besonders beäugt, egal ob bei den vielen Sponsoren-Terminen oder auf dem Platz während der Testspiele gegen Besiktas und Inter Mailand – und vielleicht schallt ja schon da wieder das langgezogene "Uchi" durchs Stadion.



