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FC Augsburg

Robert Lewandowski: The pragmatic Finisher

18:00 MESZ 04.04.17
Robert Lewandowski Bayern München FC Augsburg Bundesliga 01042017
Aubameyang ist nach seinem kalkulierten Maskenjubel in aller Munde, dabei war es Lewandowski, der herausragte. Über zwei ganz verschiedene Typen.

Es war am Samstagnachmittag, zwanzig Minuten vor vier, als die beiden Superstürmer der Bundesliga in etwa zeitgleich zum Jubel ansetzten. Der eine, selbsternannter Superheld und Spaßvogel, versteckte sein Gesicht in Gelsenkirchen hinter einer schwarzen Maske mit orangefarbenen Akzenten. Der andere feierte 572 Kilometer südöstlich ungleich sachlicher, deutete mit seinem Zeigefinger in Richtung Franck Ribery, um dessen Vorarbeit zu würdigen. Der eine, das ist Pierre-Emerick Aubameyang von Borussia Dortmund, der andere Robert Lewandowski vom FC Bayern München. Die Angreifer stehen nach dem 26. Spieltag mit jeweils 24 Treffern gleichauf an der Spitze der Torjägerliste.

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Durch seinen Dreierpack beim 6:0-Sieg gegen den FC Augsburg hat Lewandowski mit seinem extrovertierten Widersacher gleichgezogen. Die Schlagzeilen in den Medien bestimmte dennoch Aubameyang, obwohl der Gabuner beim 1:1 des BVB bei Schalke 04 nur einmal traf. 

Allein, dass der BVB noch den Ausgleich kassierte, konterkarierte seine Maskerade geradezu. Dass sich Aubameyangs Jubel schon kurz nach Abpfiff als stumpfe Werbeaktion entpuppen sollte, wohlgemerkt für Aubameyangs persönlichen Ausrüster und nicht für den des Klubs, sorgte für weiteren Gesprächsstoff - und in der Dortmunder Geschäftsstelle am Rheinlanddamm erwartungsgemäß für Ärger.

Aubameyang: Satte Strafe nach Masken-Jubel?

Noch länger sollte Aubameyangs Aktion die Verantwortlichen der Schwarzgelben beschäftigen. Bei Nike rieb sich die Marketingabteilung derweil die Hände, noch am Samstag hatte der Sportartikelhersteller über seine Social-Media-Accounts Werbeclips veröffentlicht, die Aubameyang als "The Masked Finisher" entlarven, als maskierten Vollstrecker.

Aubameyang ist ein bunter Vogel, ein Selbstdarsteller, der polarisiert. Er trägt außergewöhnliche Outfits, fährt maßlos getunte Sportwagen in schrillen Farben und jubelt wahlweise als Batman, Spider-Man oder eben als Masked Finisher. Aubameyang ist auch einer, der ganz gerne mal über die Stränge schlägt, einer, der beim Puma-Klub mit Nike-Logo in den Haaren aufläuft oder kurzerhand per Privatjet nach Mailand fliegt. Aubameyang macht all das mit einem Augenzwinkern, "ich bin wie ein Kind, dass es genießt Fußball zu spielen", sagte er neulich. Das Wichtigste aber ist: Aubameyang kann es sich erlauben, weil seine Leistungen dermaßen gut sind.

Lewandowski dagegen ist ein ganz anderer Typ, ruhiger, nüchterner, erwachsener. Er konzentriert sich allein auf seine Leistungen auf dem Platz, kümmert sich weniger um Bling-Bling, weniger um das Drumherum in der Parallelwelt vieler Profifußballer.

Er jubelte am Samstag dementsprechend in typischer Pose, ohne Maske oder sonstige Gadgets. Und so kam es auch, dass seine nahezu perfekte Leistung in der Nachbetrachtung des vergangenen Spieltags beinahe unterging. Dreimal hatte der polnische Nationalspieler getroffen: mit links, mit rechts, mit dem Kopf. Zwei weitere Tore hatte Lewandowski aufgelegt, das von Thiago sehenswert mit der Hacke. Er hatte wieder einmal bewiesen, dass er im Vergleich mit Aubameyang der komplettere Stürmer ist, weniger berechenbar, noch wichtiger als Mitspieler. All das wäre durchaus der Rede wert gewesen, bloß wollte Lewandowski in den Katakomben der Allianz Arena lieber über die mannschaftliche Leistung als über sich selbst sprechen.

Die unheimliche Quote des Robert Lewandowski

"Wir haben als Team gezeigt, dass wir großen Spaß und große Lust auf Fußball haben", erklärte der 28-Jährige mit ruhiger Stimme, eigentlich auf seinen persönlichen Galaauftritt angesprochen. "Wir sind in guter Form, das soll auch in der Champions League gegen Real Madrid so sein. Wir müssen weiter konsequent spielen, nur so können wir unsere Topform halten in den nächsten Wochen", meinte er weiter. Lewandowski ist eben kein Showman, er ist - um im Bilde zu bleiben - der pragmatische Vollstrecker. 

Im sechsten Heimspiel in Folge hat er jetzt getroffen - so oft in Folge wie kein anderer zuvor in der Allianz Arena. Genau genommen hat Lewandowski sogar unheimliche zwölfmal genetzt in den jüngsten sechs Partien vor eigenem Publikum - und 17-mal in den vergangenen 14 Bundesligaspielen.

Carlo Ancelotti fasste den grandiosen Auftritt des Robert Lewandowski wie folgt zusammen: "Er hat das gemacht, was er normalerweise tut. Er hat drei Tore gemacht und zwei vorbereitet. Was soll ich noch mehr über ihn sagen?" Zwei Feststellungen und eine rhetorische Frage, die nur unterstreichen, wie beständig der Münchner Torjäger längst in seinen Leistungen ist. Leistungen, die vielleicht nur möglich sind, weil sein Kontrahent aus Dortmund nicht minder torhungrig ist.

Aubameyang motiviert Lewandowski

"In der Winterpause hatte ich drei Tore weniger auf dem Konto. Ich habe mir gedacht, dass Aubameyang in der Rückrunde wieder diese Form haben würde. Also wusste ich, dass es schwer wird und dass ich wieder Gas geben muss", erklärte Lewandowski im Mai 2016 gegenüber Goal. Damals hatte er Aubameyang dank 15 zu sieben Treffern in der zweiten Halbserie im Kampf um die Torjägerkanone noch überholt. "Immer wenn ich gesehen habe, dass er ein Tor geschossen hat, ist meine Motivation noch einmal angestiegen. Ich habe die ganze Saison gedacht: Ich muss so viele Tore schießen wie möglich", führte er seinerzeit aus. Und noch immer scheinen ihn Aubameyangs Tore zusätzlich anzuspornen. 

In der laufenden Saison präsentiert sich sein früherer Dortmunder Mannschaftskollege zwar auch nach dem Jahreswechsel eiskalt, nur kann Lewandowski Aubameyangs sieben Treffer in den vergangenen fünf Bundesliga-Spielen mit deren acht noch toppen. "Er ist unheimlich wertvoll für uns - als Anspielstation und als Vollstrecker", schwärmte Jerome Boateng.

Wenn der FC Bayern am Dienstagabend bei 1899 Hoffenheim ran muss, wird Lewandowski erneut versuchen, seinen Torhunger zu stillen. Aubameyang spielt derweil mit dem BVB gegen den HSV, das Fernduell der unterschiedlichen Superstürmer geht damit in die nächste Runde.

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