Real Madrids Transferaktivitäten: Königliche Zurückhaltung

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Die Rekordtransfers tätigen mittlerweile andere: Real Madrid schlägt einen anderen Weg bei der Kaderplanung ein und überrascht.

Wenn etwas wirklich Wichtiges bei Real Madrid passiert, dann gibt es nicht nur eine Pressekonferenz, sondern dann bemüht sich der Chef höchstpersönlich vor das Mikrofon. Präsident Florentino Perez ist immer dann zur Stelle, wenn es entweder einen Trainerwechsel zu verkünden gibt oder, was ihm wohl deutlich besser gefallen dürfte, wenn es darum geht, einen prominenten Neuzugang vorzustellen.

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In diesem Sommer allerdings sieht und hört man den Bau-Unternehmer gar nicht und das lässt zwei Schlüsse, einen erwarteten und einen überraschenden, zu: Die Königlichen haben ihren Trainer nicht gewechselt, was angesichts der Tatsache, dass Zinedine Zidane mit dem Team in der vergangenen Saison das aus Meisterschaft und Champions-League-Titel bestehende Double geholt hat, fast schon logisch ist.

Das Unerwartete ist: Real hat auf dem Transfermarkt bislang die Füße außerordentlich stillgehalten. Das heißt zwar nicht, dass keine neuen Spieler ins Santiago Bernabeu gekommen sind, aber die Mega-Transfers wickelten in den vergangenen Wochen andere Klubs ab. Für Florentino Perez gab es keine Gelegenheit, sich neben einem Superstar ins rechte Licht zu setzen.

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In den letzten 18 Jahren hat Real Madrid nur zweimal auf dem Transfermarkt mehr Geld eingenommen als ausgegeben – und das war in diesem und im vergangenen Jahr. Damit kann dieser Sachverhalt nicht mehr als Zufall abgetan werden, sondern man kann das Ganze als einen Strategiewechsel in der spanischen Hauptstadt verstehen.

In der Vergangenheit ging es bei Real meist nicht ums Geld. Der Präsident nannte seine Wunschspieler und bekam sie – der Preis war nebensächlich und wurde gezahlt. Das war bei Leuten wie Cristiano Ronaldo und Gareth Bale so, die noch im aktuellen Kader stehen. Und das war schon in der Vergangenheit so, als sich der Klub die "Galacticos" mit Luis Figo, David Beckham, Roberto Carlos und dem heutigen Trainer Zinedine Zidane zusammenstellte.

Reals Position der Stärke

In diesem Sommer ging es lange Zeit erstaunlicherweise mehr um mögliche Abgänge als um mögliche Zugänge. Geht Cristiano Ronaldo, weil er wegen der Ermittlungen der spanischen Justiz verärgert ist? Geht Gareth Bale, weil er zurück nach England möchte, nachdem er mit den Königlichen alles erreicht hat? Das waren die Fragen, die die spanischen Medien stellten. Die Antwort auf beide Fragen lautet "Nein" – und deshalb ist auch klar, dass sich Real nicht um hochwertigen Ersatz bemühen muss.

Denn die Zurückhaltung auf dem Transfermarkt hat auch mit der Position der Stärke der Madrilenen zu tun. Sie haben zweimal in Folge die Champions League gewonnen und sich damit zur aktuell stärksten Mannschaft Europas gekrönt. Großen Handlungsbedarf aufgrund sportlicher Schwächen gibt es deshalb nicht. Natürlich: Ein Upgrade auf der Torwartposition für Keylor Navas könnte man gebrauchen und einen Ersatz für die abgewanderten Alvaro Morata und James Rodriguez auch. Das Duo erzielte in der vergangenen Saison immerhin 31 Pflichtspieltore für Real.

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Dani Ceballos ist einer von nur zwei externen Neuen bei Real Madrid

Zum anderen hat der Klub in der jüngsten Vergangenheit gute Erfahrungen mit Ausleihgeschäften von Talenten gemacht. Spieler wie Dani Carvajal (Leverkusen), Marco Asensio (Espanyol), Marcos Llorente (Alaves) und Jesus Vallejo (Frankfurt) reiften bei anderen Vereinen und sind nun bei den Königlichen aktuell echte Alternativen und die Hoffnungen für eine tolle Zukunft. Fünf Leihspieler holte Real im Sommer zurück, dazu kommen mit Theo Hernandez (Atletico Madrid) und Dani Ceballos (Real Betis) zwei externe Neue – und keiner ist älter als 23 Jahre.

Spekulationen um Kylian Mbappe halten an

Inzwischen dürfte man, auch dank des Financial Fair Plays, bei Real etwas genauer auf das Geld achten – und die Investitionen in Talente, die später mit Gewinn weiterverkauft werden können, sind ein neuer Aspekt der Transferstrategie der Königlichen.

Die Neuen werden dann zwar nicht mehr persönlich von Florentino Perez vorgestellt, freuen dürfte sich der Real-Boss aber höchstwahrscheinlich genauso über ein gutes Geschäft, das er abschließt, ohne später im Presseraum des Santiago Bernabeu erscheinen zu müssen.

Und vielleicht darf er ja doch noch in diesem Sommer ran, wenn die Blancos auf einmal mit Kylian Mbappe von der AS Monaco einen neuen Superstar präsentieren, der deutlich mehr als 100 Millionen Euro kosten dürfte. Es wäre ein Transfer, der zwar zu Perez, aber eigentlich nicht mehr zum "neuen" Real Madrid passt.

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