Fall Aubameyang beim BVB: Stögers böse Vorahnung

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Stöger spricht von guter Stimmung beim BVB und hofft auf eine bessere Chancenverwertung. Der potenzielle Problemlöser wird jedoch erneut zum Problem.


HINTERGRUND

Es brauchte keine hellseherischen Fähigkeiten, um im Vorfeld zu erahnen, wer bei der Pressekonferenz von Borussia Dortmund vor dem Bundesligaspiel bei Hertha BSC im Mittelpunkt stehen würde. Keine Minute war die Medienrunde am Donnerstagvormittag alt, da kam auch die erste Nachfrage zu Pierre-Emerick Aubameyang, dem angeblich wechselwilligen Problemstürmer des BVB.

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"Das", antwortete Trainer Peter Stöger, "war in den letzten Tagen bei uns eigentlich kein Thema mehr. Wir hatten am Montag ein kurzes, gutes Gespräch. Danach wurde normal trainiert. Und wenn sich daran nichts ändert, ist er natürlich ein Thema für Freitag. Wenn er mitfährt, könnte er also auch spielen. Eine Zwangsläufigkeit besteht aber bei niemandem."

Stöger hat dabei ganz konkrete Vorstellungen und Aubameyang sei sich darüber auch im Klaren, erklärte der Coach. "Was ich von ihm erwarte, haben wir durchgesprochen: Nämlich dass er Gas gibt im Training und dass er sich zeigt. Wenn das der Fall ist, wird er auch spielen. Im Grunde entscheidet er selbst, ob er sich für die Mannschaft qualifiziert. Momentan habe ich den Eindruck, dass alles soweit in Ordnung ist." Wenn, ja wenn in den nächsten Stunden nichts dazwischenkomme, werde der Gabuner auch in der Startelf stehen, deutete Stöger an. Die Aussagen des Trainers zeigen auch: Aubameyang ist derzeit alles zuzutrauen. 

Paukenschlag! Aubameyang erneut aus BVB-Kader gestrichen

Und tatsächlich: Was am Vormittag noch kaum jemand ahnte, sollte sich kurz darauf bewahrheiten. Als der Tross des BVB am späten Nachmittag am Dortmunder Flughafen ankam, fehlte Aubameyang. Sportdirektor Michael Zorc teilte mit: "Auba trainiert in Dortmund. Wir haben zurzeit den Eindruck, dass er im Kopf mit anderen Dingen beschäftigt und deshalb nicht voll fokussiert ist."

Auf die Mannschaft habe der inzwischen wochenlang anhaltende Wirbel um den Stürmer jedoch keinen Einfluss, beteuerte Stöger noch am Vormittag. Gleichzeitig war ihm sehr wohl bewusst, dass es den Zuhörern nicht leicht fallen würde, das zu glauben. "Ich habe das Gefühl, dass die Jungs froh sind, wenn er hier ist und ordentlich arbeitet, weil er natürlich eine Qualität hat, die uns weiterhilft. Insofern ist das nicht permanentes Gesprächsthema, auch wenn man es vielleicht nicht glaubt. Wenn ich täglich in den Sozialen Medien und in den Zeitungen lesen würde, würde ich es vielleicht auch nicht glauben. Aber bei uns ist es weitaus ruhiger, als man es vielleicht von außen meinen könnte."

Pierre-Emerick Aubameyang

Abhängigkeit von Aubameyang

Er habe den Eindruck, dass die Stimmung "richtig gut" sei, "dass die Mannschaft Spaß bei der Arbeit hat und trotzdem richtig Zug drin ist". Nach dem unnötigen 0:0 zum Rückrundenauftakt soll im Auswärtsspiel in Berlin am Freitagabend (20.30 Uhr im LIVE-TICKER ) ein Dreier her. Und eigentlich hätte der BVB dafür Aubameyang dringend gebraucht.

Der eigentümliche Top-Stürmer ist rein sportlich Fluch und Segen zugleich für die Borussia. Aubameyang ist wichtig, so wichtig, dass die Dortmunder längst abhängig sind von den Vollstreckerqualitäten ihres Torjägers. Wie sehr das der Fall ist, hat das jüngste Spiel gegen den VfL Wolfsburg einmal mehr gezeigt. Weil neben dem kurzfristig suspendierten Paradiesvogel auch Christian Pulisic sowie Marco Reus und Maximilian Philipp gefehlt hatten, besetzten Andrij Yarmolenko, Alexander Isak und Jadon Sancho die offensivsten drei Positionen und toppten sich gegenseitig im fahrlässigen Vergeben von Großchancen. Während die jungen Isak (18) und Sancho (17) jeweils unglücklich am Pfosten scheiterten, vergab der Ukrainer Yarmolenko gleich mehrere Hochkaräter. 

"Wenn Yarmo einer dieser offensiven Spieler sein möchte, dann muss er in Richtung Endzweck gehen, Torabschlüsse und Vorlagen dabei haben. Das hat er, also sehe ich ihn grundsätzlich positiv", sagte Stöger: "Klar, die Möglichkeiten, die er hatte, kann man auch verwerten. Aber die Basis für die Beurteilung, ob jemand gut unterwegs ist, ist schon, ob er das umsetzen möchte, was wir sehen möchten. Den Eindruck haben wir zumindest." Allein das Wort zumindest lässt allerdings auch erahnen, dass Stöger längst nicht vollends zufrieden ist mit dem Mann, der im vergangenen Sommer für rund 25 Millionen Euro von Dynamo Kiew gekommen war.

Pulisic vor Comeback, Reus kein Thema

Auch deshalb wird sich der 52-Jährige über die mögliche Rückkehr von Pulisic freuen. "Er hat die letzten zwei Trainingseinheiten mitgemacht, er könnte wieder dazukommen", sagte Stöger. Marco Reus sei indes noch kein Thema für das "schwierige Spiel" in der Hauptstadt.

Nach dem Chancenwucher gegen Wolfsburg stellte Stöger die Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor in den Mittelpunkt. Im Defensivbereich habe seine Mannschaft die Räume zuletzt schließlich "sehr, sehr gut" geschlossen. "Aber vorne haben wir gegen Wolfsburg vier, fünf, vielleicht sogar sechs richtig gute Torchancen liegengelassen. Dann ist es schwierig, ein Spiel zu gewinnen", sagte Stöger und schlussfolgerte: "Die Chancenverwertung muss besser werden." Genau da hätte eigentlich Aubameyang ins Spiel kommen sollen. Nun allerdings müssen die Dortmunder erneut ohne ihren wertvollsten Spieler auskommen - und es stellt sich die Frage, ob Aubameyang und der BVB überhaupt nochmal zueinander finden. 

Ein möglicher Abgang wird jedenfalls nicht unwahrscheinlicher, nachdem Aubameyang wie schon am vergangenen Sonntag erneut kurzfristig aus dem Kader gestrichen worden ist. Zuletzt war Aubameyang mit dem FC Arsenal in Verbindung gebracht worden, Gunners-Trainer Arsene Wenger sprach sogar öffentlich über den BVB-Star . Zwar beteuerte Zorc, es gebe keinen Kontakt zu den Londonern, nur haben allein die Entwicklungen am Donnerstag ein weiteres Mal gezeigt, wie schnell es gehen kann im Fußball. Speziell, wenn ein gewisser Pierre-Emerick Aubameyang beteiligt ist. 

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