HINTERGRUND
21 Jahre, 122 Bundesligaspiele, vier Länderspiele, etliche Einätze im Europapokal – schaut man auf die nackten Zahlen, verlief die Karriere von Max Meyer bislang wie im Märchen. Als der gebürtige Oberhausener 2009 zum FC Schalke 04 wechselte, hätte er von solchen Statistiken wohl nicht einmal zu träumen gewagt.
Schalke: Max Meyer lehnt Angebot zur Verlängerung ab
Nach sieben Jahren bei Königsblau scheint es, als sei Meyer trotzdem unzufrieden mit seiner derzeitigen Rolle im Team. Denn ging es auf der Karriereleiter für den talentierten Dribbler bislang fast ausschließlich steil nach oben, erlebte er in der abgelaufenen Saison erstmals einen echten Knick. So stand er in nur 18 von 34 Bundesligaspielen in der Startelf und musste sich nach schwacher Leistung beim Pokal-Aus in München sogar öffentliche Kritik von Trainer Markus Weinzierl gefallen lassen – Tatsachen, mit denen der Spielmacher alles andere als glücklich ist.
Deshalb überrascht es wenig, dass Meyer seinen Sommerurlaub genutzt hat, um über seine Karriereplanung nachzudenken. "Ich habe ein Angebot zur Verlängerung bekommen, aber mit meinem Management entschieden, es nicht anzunehmen", erklärte er am Montag gegenüber der Bild und liebäugelt wohl mit einem Wechsel zu einem europäischen Top-Klub. Als enorm selbstbewusster Profi sieht sich Meyer zu höherem berufen. Ähnlich wie Leroy Sane, Julian Draxler oder Mesut Özil hofft er, außerhalb von Gelsenkirchen auf den nächsten Entwicklungsschritt.
Sane-Weg oder Holtby-Weg?
Auf eben diesen Schritt hofft man auch bei den Knappen seit vielen Monaten vergebens. Denn trotz unbestrittenen Talents, zeigt sich der junge Spielmacher noch sehr inkonstant. Während Spieler wie Sane oder Draxler in ihrer Zeit auf Schalke mit Einzelaktionen regelmäßig den Unterschied machten, gelang es Meyer in den letzten Monaten viel zu selten, dem Spiel seinen Stempel aufzudrücken. Entscheidende Treffer oder geniale Vorlagen? Bei Meyer Fehlanzeige.

Ein langfristiges und laut Christian Heidel auch finanziell "sehr, sehr gutes Angebot" von Königsblau abzulehnen, ist für Meyer deshalb auch ein Risiko. Zwar hat er sich mit seinen Aussagen kurz vor der U21-EM für andere Klubs interessant gemacht, doch klar ist, dass der Offensivmann jetzt liefern muss, um sich tatsächlich für Top-Vereine zu empfehlen. Schließlich denkt er in großen Dimensionen und schloss beispielsweise einen Wechsel zum Liga-Konkurrent VfL Wolfsburg kategorisch aus.
Doch während Sane und Co. im Ausland zu Stars gereift sind, gibt es, was Schalke-Talente angeht, auch mahnende Beispiele, bei denen ein Auslandswechsel eher ein Schritt zurück war - wie bei Lewis Holtby. Als flinker und dribbelstarker Spieler schaffte es der Ex-Nationalspieler - ähnlich wie Meyer - schon in jungen Jahren, sich in der Bundesliga zu etablieren. Nach zahlreichen Einsätzen in der U21 und drei Spielen in der A-Nationalmannschaft wechselte er 2013 schließlich in die Premier League zu Tottenham Hotspur.
Abschied schon diesen Sommer?
Dort blieb der erhoffte Karrieresprung allerdings aus und nach einer Leihe zum FC Fulham wechselte der zentrale Mittelfeldspieler nach nur 1,5 Jahren in England zum Hamburger SV, wo er seit inzwischen drei Jahren gegen den Abstieg kämpft – ein Schritt nach vorn und schließlich zwei Schritte zurück.
Ob Meyer das gleiche Schicksal droht, wie dem Hamburger, oder ob er es Stars wie Özil, Draxler und Sane nachmachen kann, wird sich vielleicht schon in den nächsten Monaten zeigen. Denn nach den ablösefreien Abgängen von Joel Matip und (wohl auch) Sead Kolasinac wird Manager Heidel nicht abgeneigt sein, Meyer schon diesen Sommer ziehen zu lassen, um eine Ablöse zu kassieren. Klar ist nur, dass nach den öffentlichen Aussagen des Spielmachers auch sportliche Taten folgen müssen – egal ob auf Schalke, bei der U21 oder anderswo, denn Max will mehr.
