HINTERGRUND
Mit Spielern aus Frankreich hat der 1. FC Köln seine Erfahrungen gemacht. Besonders Lilian Laslandes und Anthony Modeste sind den Anhängern in der Domstadt noch im Gedächtnis – aber nur einer in bester Erinnerung. Während Laslandes 2002 für ein halbes Jahr als Leihgabe aus Sunderland derart unterirdisch kickte, dass er den Spitznamen "Laslandesliga" verpasst bekam, war die Modeste-Story eine echte Erfolgsgeschichte: Der Angreifer schoss in 68 Bundesliga-Duellen für den FC 40 Tore und brachte der Vereinskasse mit seinem Wechsel für 29 Millionen Euro nach China eine Rekordsumme ein.
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Nun versucht sich seit Mitte Januar mit Vincent Koziello ein weiterer Franzose in Köln. Für drei Millionen Euro kam der Mittelfeldspieler von OGC Nizza – und die Frage ist nun, ob er eher ein Laslandes oder ein Modeste ist. Ein Zwischenfazit ist nach drei Wochen noch nicht möglich, denn Koziello wurde von FC-Coach Stefan Ruthenbeck in den drei Partien seit dem Wechsel konsequent 90 Minuten lang auf der Bank gelassen.
Ruthenbeck: Koziello fehlt "die Wucht"
"Das braucht vielleicht alles noch ein bisschen", sagte Ruthenbeck nach dem 2:3 gegen Dortmund am Freitag und erklärte: "Die Partie war wild und sehr körperlich, da haben Spieler wie Salih Özcan und Marco Höger mehr Wucht." Dass überhaupt die Frage nach Koziello gestellt wurde, zeigt, dass allmählich die Köln-typische Unruhe aufkommt. Denn den Anhängern wurden viele schöne Dinge über Koziello erzählt – und nun wollen sie endlich sehen, ob der 22-Jährige auch die Erwartungen erfüllen kann.
Einen U21-Nationalspieler aus Frankreich für drei Millionen Euro von einem Klub aus der oberen Tabellenhälfte der Ligue 1 loseisen zu können und ihn dann auch noch davon zu überzeugen, dass er beim aktuellen Schlusslicht der Bundesliga in den kommenden viereinhalb Jahren besser als an der Cote d'Azur aufgehoben ist, sieht auf den ersten Blick wie ein echter Coup aus. Möglich gemacht hat das Kölns neuer sportlicher Leiter Armin Veh. "Wir waren überzeugt und begeistert von dem, was der FC gemacht hat", sagte Koziellos Vater Stanislas bei transfermarkt.de.
Die Perspektive in Köln lautet zwar Abstiegskampf und vielleicht sogar 2. Liga, doch in Nizza standen die Sterne für den Mittelfeldmann zuletzt bei Trainer Lucien Favre auch nicht gut. Der Coach stellte das System, das in den vorangegangenen Spielzeiten einen vierten und einen dritten Platz gebracht hatte, um und damit fiel Koziellos Platz im defensiven Mittelfeld neben Jean Michael Seri weg. "Wir hatten eigentlich schon im Sommer gesagt, dass die Zeit in Nizza so langsam zu Ende geht", sagte sein Berater Guido Nickolay.

Nach viereinhalb Jahren verließ Koziello nun den Klub, bei dem er seinen Durchbruch schaffte, um etwas Neues zu wagen. Warum dann aber ausgerechnet Köln, wenn es auch Angebote aus Spanien, Italien und Frankreich gab? "Der FC hat sich sehr um mich bemüht. Ich habe mich sofort sehr wohl gefühlt", gab Koziello zu Protokoll. Er hatte sich vor der Unterschrift den 2:1-Derbysieg des FC gegen Gladbach live im Stadion angesehen und war allem Anschein nach beeindruckt von der Atmosphäre, die in der Arena herrschte.
Koziello würde mit Köln auch in die 2. Liga gehen
Koziello ist ein zentraler Mittelfeldspieler, der mit seinen 1,68 Meter und angeblich nur 55 Kilogramm, wie sein neuer Trainer schon anmerkte, nicht unbedingt wuchtig daherkommt. Zweikämpfe scheut er zwar nicht, aber das Spielerische ist eher sein bevorzugtes Element. Mit seiner Übersicht und Passsicherheit glänzte er in Nizza – und das wird er auch nicht in seiner Zeit auf der Ersatzbank verlernt haben. Ob er allerdings eine sofortige Verstärkung im Kampf um den Klassenerhalt ist, bei dem Einsatz, Willen und vielleicht auch Wucht gefordert sind, wird sich zeigen.
Als Zwischenstation sieht Koziello Köln jedenfalls nicht, selbst wenn es für das Team in die 2. Liga gehen sollte. "Sollte der Unfall 2. Liga passieren, wird Vincent versuchen, mitzuhelfen, diesen Schaden wieder wettzumachen", berichtete sein Berater Nickolay. In Köln warten die Fans nun darauf, dass Koziello schon bald auch in der Bundesliga alles gibt, um zu verhindern, dass dieser "Schaden" eintritt. Vielleicht ist es ja schon am Wochenende in Frankfurt mit der Premiere soweit – und die FC-Anhänger bekommen einen ersten Anhaltspunkt, ob Vincent Koziello eher in die Fußstapfen eines Lilian Laslandes oder eines Anthony Modeste tritt.


