Jurgen Klopp

Jürgen Klopp im Goal-Interview: "Gerede von einem Plan B zeigt mangelndes Verständnis"


EXKLUSIV

Trainer Jürgen Klopp geht beim FC Liverpool in seine zweite volle Saison als Teammanager. Der Ex-Coach von Borussia Dortmund führte den Traditionsverein in der vergangenen Saison zurück in die Champions League und erfüllte damit das Hauptziel an der Anfield Road.

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Es blieb dennoch ein leichtes Gefühl der Unzufriedenheit rund um die Reds, die wie Meister Chelsea und im Gegensatz zur direkten Konkurrenz nicht in internationalen Wettbewerben ran mussten. Liverpool mischte bis zur Halbzeit der Saison im Titelkampf mit, verabschiedete sich dann aber nach mehreren Punktverlusten gegen vermeintlich kleinere Gegner aus eben diesem. Häufig gab es Kritik an einem angeblich fehlenden "Plan B" Klopps für die Duelle mit den weniger namhaften Teams. Im Gespräch mit Goal wies Klopp dies aber deutlich zurück.

"Auch Chelsea ließ Punkte liegen"

Ausführlich erläuterte er die Probleme seiner Mannschaft um den Jahreswechsel. Er führte aus: "Ich würde sagen, dass wir bis zum 31. Dezember voller Selbstvertrauen waren. Da spielten wir gegen Manchester City. Es war ein außergewöhnlicher Kampf. Wir gewannen verdient mit 1:0, aber in dem Spiel hätte alles passieren können. Zwei Tage später mussten wir gegen Sunderland ran. Ein komplett anderes Spiel. Es war ein Unentschieden gegen eine tief verteidigende Mannschaft. Sie brauchten zwei Strafstöße, um einen Punkt zu ergattern. Aber sofort kam bei meinen Spielern anschließend das Gefühl auf: 'Oh mein Gott, vielleicht sind wir nicht gut genug. Wir haben eine gute Gelegenheit vergeudet. Wir hatten die Chance und wir haben sie nicht genutzt.'"

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"Aber das war nur eine Spiel. Jede Mannschaft ließ Punkte liegen, sogar Chelsea", so Klopp weiter: "Okay, nicht zu häufig, denn sie gewannen die Meisterschaft, aber auch das passierte. Es geht allein darum, wie man mit diesen Situationen umgeht. Das ist etwas, an dem wir arbeiten, um stärker zu werden."

Klopp erklärte, was zu Jahresbeginn wirklich das Problem war und wie ihm die Kritik zu dieser Zeit missfiel: "Zwei Sachen störten uns im Januar: Wir hatten nicht genug Vertrauen in uns selbst und wir hatten viele Verletzte, plus Sadio Mane beim Afrika Cup. Dazu kamen eine Menge Spiele. Im Februar zahlten wir den Preis für die hohe Intensität, aber im März kamen wir zurück. Wir gewannen unsere Spiele, aber die Leute sagten: 'Das ist nicht mehr derselbe Fußball, Liverpool hat Probleme.' Das ließ meine Spieler wieder zweifeln. Sie hören das und der ganze Klub hört das. Immer hieß es: 'Oh, schon wieder haben sie keinen Plan B für Spiele gegen tief stehende Gegner und sie können nur auf eine Art und Weise spielen.' Dieses Gerede von einem Plan B zeigt mangelndes Verständnis. In dem Moment, in dem du kein Selbstvertrauen spürst, bist du nicht in der Lage, viele Dinge zu verändern. Das ist dann Unsicherheit."

Jurgen Klopp
Jürgen Klopp (r.) im Gespräch mit Goals Liverpool-Korrespondentin Melissa Reddy

Einmal in Fahrt ergänzte der 50-Jährige: "Mein Job ist es nicht, zu beweisen, dass ich 1000 verschiedene Techniken drauf habe, mit geschlossenen Augen coachen kann, oder was auch immer. Ich muss das Beste für meine Spieler tun, unter Berücksichtigung unserer Fähigkeiten und der Situation, in der wir uns befinden. Wenn ich dann diese Dinge sehe oder lese, dann weiß ich zu 100 Prozent, dass ich nicht zuhören werde. Alle anderen tun das aber und so müssen wir es ausblenden und uns auf unseren Weg fokussieren. Es ist wichtig, dass die Spieler wissen, dass allein meine Kritik wichtig ist. Nicht, weil ich ich derjenige bin, der alles weiß. Sondern weil ich derjenige bin, dem sie zuhören sollen."

Klopp betonte, wie wichtig es sei, Spieler zu entwickeln und sich dabei nicht von außen verrückt machen zu lassen. "Ich gebe die Richtung vor, gemeinsam mit meinem Team. Welchen Sinn ergibt es also, auf Leute zu hören, die im ganzen Prozess nicht involviert sind?", fragte er: "Ich werde das Beispiel Arjen Robben nennen. Egal, was die ganze Welt über ihn sagt oder denkt – er liefert ab. Einmal verpasst er das einfache Zuspiel und alle maulen: 'Wieso schießt er da?' Nächstes Mal passt er wieder nicht und schießt den Ball ins Tor. Dann sagen alle: 'Oh, ja. Gute Idee, von dort zu schießen.' Robben ist das egal. Er weiß, wie die Mannschaft von seinen Fähigkeiten profitiert. Die Regel ist: Es ist besser, wenn elf Spieler gemeinsam etwas verkehrt machen, als wenn jeder Spieler macht, was er will."

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