HINTERGRUND
Die Herzen der Fans waren bereits gewonnen, da hatte James den Rasen in Gladbach nicht einmal betreten. Bei der Verkündung der Aufstellung unter großem Applaus von den Rängen begrüßt, bedachte man ihn während dem Finale mit Sprechchören und allein die Tatsache, den Torschützenkönig der WM 2014 im Verein zu haben, brachte die Zuschauer reihenweise ins Schwärmen.
Dass James in Madrid unter Zinedine Zidane eine Rolle als Ergänzungsspieler fristete, war ihm in seinem ersten Einsatz für Bayern nicht anzumerken. In der ersten Partie gegen Hoffenheim zunächst draußen, war der Kolumbianer gegen Bremen überall zwischen den Strafräumen zu finden, machte Tempo und brachte sich selbst in Abschlusspositionen, suchte aber auch stets den besser positionierten Mitspieler.
Es ist daher kein Wunder, dass nahezu alle Vorstöße über ihn liefen, und der 26-Jährige die Tore von Müller und Bernat einleitete. "Ich habe ein richtig gutes Gefühl, auch wenn ich erst ein paar Tage bei Bayern München bin", lautet das erfreuliche Fazit des Offensivspielers, dessen Erfolgsquote derzeit wohl nicht besser sein könnte. "Ich freue mich über den ersten Titel mit Bayern, möchte aber noch viele andere mit dem Klub holen", blickt James bereits voraus in die nächsten beiden Jahre.
Harmonierendes Mittelfeld aus Tolisso und Thiago
Aber zunächst einmal alles auf Anfang. Beim Vorbereitungsturnier der Telekom zeigte sich der deutsche Rekordmeister in einer bestechenden Frühform. Während sich Bremen zuvor im Elfmeterschießen durchgesetzt hatte, spielten Bayern und Hoffenheim in der zweiten Partie des Tages ebenfalls um den Einzug ins Finale. Mit dabei der von Olympique Lyon gekommene Corentin Tolisso, der ebenso wie James in Gladbach sein Debüt feierte.
Im 4-2-3-1 bildete der Franzose mit Thiago die Doppelsechs der Bayern und musste sich, wie nicht anders zu erwarten, zunächst an seine neuen Teamkollegen gewöhnen. Bereits nach sieben Minuten machte Tolisso jedoch auf sich aufmerksam und setzte mit einem langen Ball auf der linken Außenbahn Bernat in Szene. Gemeinsam mit Ribery ließ dieser die Gegenspieler stehen und seine präzise Flanke auf den langen Pfosten landete schließlich bei Lewandowski, der den Ball mit einem Seitfallzieher im Tor unterbrachte.
Insgesamt zeigte Tolisso eine engagierte, solide Leistung und offenbarte einige erste Ansätze, auf die sich Bayern demnächst freuen kann. Um ein Haar wäre der teuerste Transfer der Vereinsgeschichte allerdings des Feldes verwiesen worden, als ihn der Schiedsrichter zunächst mit Gelb verwarnte und sich der Franzose anschließend bei Szalai für dessen Grätsche rächte.
Müller zeigt sich von James-Transfer unbeeindruckt
Neben den Debütanten standen allen voran ein bereits abgeschriebener Leistungsträger und ein weiterer französischer Nachwuchsspieler im Fokus. In den Tagen nach dem Transfer von James wurde insbesondere Thomas Müller als größter Verlierer gesehen. Diese Befürchtungen scheinen ihn jedoch nicht zu berühren, denn mit einer starken Leistung überschattete der 27-Jährige die Premiere der beiden Neuzugänge.
Während Müller durch die Mitte kam, musste James auf die rechte Seite ausweichen. Der Einsatz des einen Spielers muss den des anderen dementsprechend nicht zwingend ausschließen. Die Folge: In beiden Spielen verpasste Müller keine Minute, im Anschluss nannte ihn der Trainer "schlicht und einfach den besten Mann auf dem Platz".
Der stellvertretende Kapitän war während des gesamten Turniers präsent und konnte sich im Finale mit seinem ansehnlichen Tor zum 1:0 und der anschließenden Vorlage zum 2:0 dafür belohnen. "Mich freut es grundsätzlich, wenn ich auf dem Platz stehe und wir erfolgreich sind. Wenn ich dann noch ein Tor schieße und eins vorbereite, dann freut es mich natürlich besonders. Ich schaue aber nicht, dass ich mehr glänze als meine Mitspieler, das ist nicht mein Ansinnen", stellt Müller seine eigene Situation unter die Interessen des Teams.
Dass er sogar auf 3:0 hätte erhöhen können, aus elf Metern jedoch am Torwart scheiterte, war angesichts dieser Leistung zu verschmerzen: "Natürlich ärgert mich das, aber das Thema sollte jetzt mal durch sein. Heute kann ich gut damit leben, das war eine Nebengeschichte."
Coman in bestechender Frühform
In einer ausgezeichneten Form präsentierte sich auch Kingsley Coman. Nachdem der Franzose zuletzt mit einigen Verletzungen zu kämpfen hatte, wird die neue Saison für ihn eine richtungsweisende sein. Wie als wolle er zeigen, dass ihm die Verantwortlichen zurecht vertrauen, war ihm die Motivation und die Freude am Samstag deutlich anzusehen.
Immer wieder nutzte der 21-Jährige sein hohes Tempo, um Gegenspieler stehen zu lassen und Hereingaben in den Strafraum zu schlagen. Obwohl diese stellenweise zu ungenau waren, wird sich Coman durch seine gute Verfassung in der Vorbereitung dennoch eine positive Bemerkung in den Notizbüchern des Trainers verdient haben.
Ohne die abgestellten Nationalspieler und die verletzten Robben, Boateng und Neuer ließen sich somit erste kleine Erkenntnisse ziehen. Während der Asienreise, bei der man sich mit den internationalen Größen Arsenal, Milan, Chelsea und Inter misst, können sich die Neuzugänge an ihr neues Umfeld gewöhnen und das gute Bild aus den Testspielen verfestigen. Danach steht ein weiteres Vorbereitungsturnier mit Atletico, Liverpool und Napoli auf dem Programm, bevor mit dem nationalen Supercup am 5. August der erste offizielle Titel der Saison gewonnen werden kann.
