ARJEN ROBBEN BAYERN MÜNCHEN GERMAN BUNDESLIGA 08042017Getty Images

FC Bayern: Die perfekte Generalprobe


HINTERGRUND

Als Robert Lewandowski am Samstagabend um kurz nach Neun in der Interviewzone der Allianz Arena aufkreuzte, hatte er seinen braunen Lederrucksack nur über die linke Schulter gehängt. Seinen rechten Arm setzte er keiner Belastung aus, ließ ihn locker nach unten baumeln. "Es tut noch ein bisschen weh. Es ist eine Schulterprellung", sagte er.

Philipp Lahm im Mixed-Zone-Interview

Der Stürmer des FC Bayern hatte nach 68 Minuten im Bundesligatopspiel gegen Borussia Dortmund per Elfmeter zum 4:1-Endstand getroffen. Kurz zuvor war er unfair von Roman Bürki gestoppt worden und kurz darauf unsanft auf dem Rasen aufgeschlagen. Wenig später musste er mit schmerzverzerrtem Gesicht ausgewechselt werden.

Dann aber sagte er endlich die Sätze, die sie alle hören wollten. "Das ist kein großes Problem. Ich wollte kein Risiko gehen. Gegen Real bin ich zu hundert Prozent bereit." Auch weiterer Untersuchungen bedarf es nicht, versicherte Lewandowski. "Wie gesagt: Es ist nicht so schlimm."

Analyse: Bayern München schießt den BVB ab

Nach einer Schrecksekunde für die Bayernfans war rund eine Stunde nach Abpfiff also klar: Die Partie gegen den Vizemeister war die perfekte Generalprobe für das ungleich wichtigere Kräftemessen mit Real Madrid am Mittwoch. 

Das Spiel war unter blauem Himmel und guter Atmosphäre keineswegs wie teilweise befürchtet zu einem besseren Freundschaftsspiel verkommen. Stattdessen duellierten sich die Dauerrivalen der Bundesliga gerade in der ersten Halbzeit mit hohem Tempo und großer Intensität. "Unser Vorsprung hätte nach dem Last-Minute-Sieg von Leipzig auf sieben Punkte schmelzen können, von daher war es sehr wichtig. Es war wirklich ein sehr, sehr gutes Spiel von uns", sagte Kapitän Philipp Lahm. 

Tuchel: "Alles andere hätte mich überrascht"

Die Münchner Südkurve schien dabei schon früh geahnt zu haben, in welche Richtung sich die Partie entwickeln würde. Es waren erst sechs Minuten gespielt, da verhöhnten die Anhänger in Rot die Gäste-Fans aus Dortmund zum ersten Mal und schmetterten den Meistersong des BVB durch die Arena. Zu diesem Zeitpunkt stand es 1:0, nachdem Franck Ribery gleich die erste Offensivaktion der Münchner in ein Tor verwandelt hatte (4.). 

Es folgten die Treffer von Lewandowski per Freistoß (10.), Arjen Robben (49.) und wieder Lewandowski. Raphael Guerreiro hatte den teilweise überforderten Gästen nur kurzzeitig etwas Hoffnung beschert (20.). "Die Aufgabe war so einfach zu schwer", meinte Thomas Tuchel angesichts der verzwickten Personalsituation und erklärte verblüffend offen: "Alles andere als diese Dominanz und dieses Ergebnis hätte mich überrascht. Denn für alles andere hätten wir enorm über uns hinauswachsen müssen. Wir hätten unsere Top-Verfassung gebraucht."

Die Top-Verfassung hatten aber nur die Bayern. Thiago Alcantara spielte im offensiven Mittelfeld zwar nicht ganz so dominant, wie er es in den vergangenen Wochen und Monaten getan hat, er zeigte aber dennoch, dass der FC Bayern derzeit mit ihm ein ganz anderer ist als ohne ihn wie noch unter der Woche bei der 0:1-Pleite in Hoffenheim. Jerome Boateng machte indes nach kleineren Startschwierigkeiten einen guten Job und klärte gegen Pierre-Emerick Aubameyang kurz vor der Linie, während Robben in alte Muster zurückviel und zum unaufhaltsamen Aleinikov mutierte.

"Wenn der Gegner einmal zuckt, ist er weg"

Satte acht Mal schoss Robben aufs Tor und düpierte dabei immer wieder die Dortmunder Verteidiger mit seinem Move. "Man hat ja gesehen, dass Arjen in der ersten Halbzeit auch einmal rechts vorbeigegangen ist und mit rechts geflankt hat. Wenn man ihm also auf der rechten Seite zu viel Raum lässt, läuft er halt dort vorbei". sagte Lahm und schwärmte: "Er hat ein unglaubliches Tempodribbling. Wenn er den Ball annehmen kann und mit Tempo kommt, macht es das für jeden Gegner schwer. Das ist dasselbe wie bei Franck auf der anderen Seite, der auch eine ganz enge Ballführung hat. Wenn der Gegner einmal zuckt, ist er weg. Das sind einfach sehr, sehr gute Spieler. Aber was erzähle ich da eigentlich?"

Mit welch unbändigem Willen Robben, gegen den BVB naturgemäß besonders motiviert, agierte, war ein Spiegelbild der Zielstrebigkeit der Münchner. "Wir haben dem Gegner keine Chance gelassen und schießen mit ein bisschen Glück in der ersten Halbzeit noch mehr Tore", freute sich der Niederländer: "Wir haben wirklich ein sehr gutes und intensives Spiel gemacht. Es ist schön, wenn man gegen so einen guten Gegner so spielt." Auch Trainer Carlo Ancelotti hatte nach einer "sehr guten Leistung" nichts auszusetzen.

"Wir sind bereit", sagte Robben also im Hinblick auf das Duell mit den Königlichen, nachdem Lewandowski kurz zuvor Entwarnung gegeben hatte. Es war die perfekte Generalprobe für den FC Bayern gegen ein Borussia Dortmund das genau so stark war, dass man das Spiel nicht zu ruhig angehen konnte. Genau so stark, dass man eine Menge Selbstvertrauen tanken und sich für Real in Laune schießen konnte. 

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