GFX Andre Gomes Barcelona 27062017Getty Images

Andre Gomes - Abschied oder verspäteter Durchbruch?


HINTERGRUND

Als die Hymne der Champions League ertönte, waren die Spieler von Paris Saint-Germain und des FC Barcelona komplett fokussiert. Doch es war das letzte Mal, dass die Akteure von Barca am 14. Februar 2017 diesen Anschein machten. Die eisige Kälte war das Einzige, was die Heimmannschaft beschäftigte. Zu überlegen agierte PSG, Barca kam chancenlos mit 0:4 unter die Räder.

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Symptomatisch war eine Aktion der zweiten Hälfte, als ein 23-Jähriger den Ball im Mittelfeld leichtfertig vertändelte und anschließend auch noch ausrutschte. Es hagelte Pfiffe und Buh-Rufe von der Tribüne. Andre Gomes war der Unglücksrabe.

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Diese Situation war sinnbildlich für den Abend der Blaugrana - und ebenfalls für die Saison des Mittelfeldspielers. Dabei wurde er erst im vergangenen Sommer mit mächtig Vorschusslorbeeren verpflichtet.

"Gomes wird ein wichtiger Spieler in den nächsten Jahren werden“, betonte Luis Enrique vor der Saison gegenüber ESPNFC. Doch nach nur zwölf Monaten steht seine Zukunft in den Sternen. Zuletzt häuften sich die Gerüchte um einen bevorstehenden Wechsel.

Premier League lockte Gomes

Laut diversen Medienberichten bot ein Premier-League-Klub 35 Millionen Euro Ablöse für Gomes‘ Dienste. Sein Berater Jorge Mendes soll das Angebot sogar persönlich an die Verantwortlichen von Barca übermittelt haben. Besonders den beiden Teams aus Manchester und dem FC Chelsea wird ein Interesse nachgesagt.

Goals Barca-Experte Ignasi Oliva glaubt hingegen nicht an einen baldigen Abschied von Gomes: "Er bleibt bis ein Angebot kommt, das man nicht ablehnen kann. Man verpflichtete ihn auf mittel- beziehungsweise langfristige Sicht. Besonders für die Saison 2017/18 soll er ein wichtiger Spieler werden.“

Um der besagte wichtige Spieler zu sein, benötigt er jedoch noch mehr Einsatzzeiten. Seine 47 Pflichtspiele in der vergangenen Saison lesen sich ganz ordentlich, doch kam er dabei lediglich auf circa 60 Prozent der zur Verfügung stehenden Minuten.

Er hatte also wenig Zeit, seine Qualitäten unter Beweis zu stellen. Dass er jedoch einzigartige Fähigkeiten besitzt, sieht auch Oliva so: "Barca mag seine Technik, seine Physis und sein taktisches Verständnis. Natürlich muss er noch seine Gewinnermentalität entwickeln, aber er ist noch jung und kann noch wachsen.“

Andre Gomes Barcelona Unveiling 27072016Getty Images

Im vergangenen Sommer hat Gomes bereits bewiesen, dass ein Gewinnertyp in ihm steckt, als er mit der portugiesischen Nationalmannschaft die Europameisterschaft gewann. Dort spielte er zwar nur in der Gruppenphase eine größere Rolle, doch er weiß, wie sich das Siegen anfühlt.

Obwohl Barcelona offensichtlich weiterhin mit ihm plant, sind die Katalanen hinter einem anderen Mittelfeldstrategen her. Marco Verratti soll das Objekt der Begierde sein. Der 24-Jährige besticht mit einer engen Ballführung, großartiger Übersicht und unbändigem Kampfgeist. Mit PSG feierte er bisher jeweils viermal den Titel in der Meisterschaft, im Pokal, im Ligapokal und im Superpokal.

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Doch für den Italiener müssten die Katalanen wohl tief in die Tasche greifen um ihn aus Paris loszueisen. Oliva glaubt jedoch nicht, dass ein Transfer von Verratti zu Gomes' Abschied führt: "Er wird auch bleiben, falls Verratti oder ein anderer Mittelfeldspieler kommt.  Arda Turan würde den Verein zuerst verlassen. Gomes will in seinem zweiten Jahr zeigen, dass er ein nützlicher Bestandteil des Teams sein kann.“

Flexibilität als Trumpf

Dabei möchte Gomes vor allem seine Vielseitigkeit ausnutzen, kam er doch in der vergangenen Saison auf sieben verschiedenen Positionen zum Einsatz. Seine Stärken sind aber unbestritten im zentralen Mittelfeld, wo er seine Mitspieler am besten in Szene setzen kann.

"Andre hat gigantisches Potenzial. Ich kann und werde es noch 1000-mal sagen, auch wenn er häufig kritisiert wird. Er kann viele Positionen spielen und nutzt erst 30 Prozent seiner Möglichkeiten. Stellt euch vor er nutzt 100 Prozent“, huldigte ihn Ex-Barca-Trainer Enrique gegenüber Football Espana.

Doch ab der neuen Saison hat ein neuer Coach das Zepter im Camp Nou in der Hand. Ernesto Valverde soll aber ebenfalls ein Bewunderer des Portugiesen sein und sein Veto gegen einen vorzeitigen Abgang von Gomes eingelegt haben.

Nun liegt es an Gomes selbst, die Erwartungen des neuen Trainers und des Klubs zu erfüllen. Auftritte wie im Spiel gegen PSG sollen in Zukunft nicht mehr vorkommen - peinliche Ausrutscher und unnötige Ballverluste der Geschichte angehören. Nur dann werden die Anhänger aufhören zu pfeifen und es Gomes ermöglichen, sich in ihre Herzen zu spielen.

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