SC Freiburg v FC Salzburg - UEFA Europa League 2025/26 League Phase MD6Getty Images Sport

"In jedem Spiel einen Aussetzer": Die neue Abwehrhoffnung des BVB hat eine große Baustelle

Es ist letztlich eine Frage der Definition, inwiefern Joane Gadou vom FC Red Bull Salzburg der erste Transfer von Ole Book ist. Der 19-jährige Innenverteidiger wird zwar in der gerade erst begonnenen Amtszeit des Sportdirektors von Borussia Dortmund gekauft. Das steht bereits fest. Doch dass der Transfer, der den BVB 20 Millionen Euro zuzüglich eventueller Bonuszahlungen von fünf Millionen kostet, allein auf Book zurückzuführen ist, stimmt nicht.

  • Für eine solche Betrachtung ist gerade der riesige Pool an jungen, aufstrebenden Talenten viel zu gläsern geworden. Jeder seriöse Top-Klub kennt Gadou schon lange, auch der BVB. Bereits im Sommer 2023 hatte man ein Auge auf ihn geworfen, da lief sein Vertrag im Nachwuchs von Paris Saint-Germain noch zwei Jahre. Ein Jahr später scheiterte Bayer Leverkusen knapp mit einer Verpflichtung. Noch im März nahm ihn Books Vorgänger Sebastian Kehl im Wiener Allianz Stadion in Augenschein.

    Im 1,95 Meter großen Gadou bekommen die Westfalen einen Abwehrspieler, der "in diesem Alter schon weiter ist als es damals Dayot Upamecano war". Dieser Meinung ist Michael Unverdorben, stellvertretender Ressortleiter Sport bei den Salzburger Nachrichten. Im Gespräch mit SPOX sagt er: "Er ist sicher Salzburgs bester Innenverteidiger. Man hat schon immer gewusst, dass er ein großer Transfer werden wird, weil er einfach wirklich unglaublich gute Anlagen und ein riesiges Potenzial hat. Er ist zweikampf- und kopfballstark und bringt alles mit, was ein Verteidiger von internationalem Format braucht."

    Das hatten die Österreicher bereits 2024 in Gadou gesehen. Untypisch hohe zehn Millionen Euro legte man hin, um den damals 17-Jährigen von Paris nach Salzburg zu lotsen. Einzig sein designierter kommender Mitspieler Karim Adeyemi war in diesem Alter teurer - er kostete Salzburg 2018 lediglich 100.000 Euro mehr.

  • Werbung
  • CF Pachuca v FC Salzburg: Group H - FIFA Club World Cup 2025Getty Images Sport

    Joane Gadou hatte bei PSG keine Perspektive

    Gadou wurde in seiner letzten Saison bei PSG U19-Meister, hatte aber keine Perspektive. Zwar trainierte er regelmäßig an der Seite von Stars wie Kylian Mbappe, doch für die Profis reichte es nur zu drei Kadernominierungen. Die Konkurrenz um Marquinhos und Lucas Beraldo sowie später Willian Pacho war schlicht zu riesig.

    Trainer Luis Enrique soll zudem nicht gänzlich von Gadou, den der englische Guardian 2024 in seine Liste der 60 talentiertesten Spieler weltweit aufnahm, überzeugt gewesen sein. In Salzburg war man gänzlich anderer Ansicht, seit Gadous Debüt in der französischen U16-Nationalelf hatte man ihn beobachtet.

    "Jogad", wie er von Kumpels genannt wird, siedelte mit seiner Mutter und dem siebenjährigen Bruder über. Der Papa, wie die Mama aus der Elfenbeinküste stammend, sowie die drei anderen Geschwister blieben in Nangis, Gadous Heimatgemeinde rund 80 Kilometer südöstlich von Paris. 

  • FBL-WC-CLUB-2025-MATCH15-PACHUCA-SALZBURGAFP

    Unter Thomas Letsch gelang Joane Gadou der Durchbruch

    Gadou erlebte in Salzburg einen schleppenden Start. Unter dem neuen Trainer Pepijn Lijnders lief es für das Team überhaupt nicht, so dass er erst nach und nach zu Einsatzminuten kam. Bereits in seinem dritten Spiel flog Gadou nach 43 Minuten und einem grobem Foulspiel mit Rot vom Platz. Innerhalb der nächsten 16 Monate kassierte er zwei weitere Feldverweise, darunter eine Gelb-Rote-Karte innerhalb von zwei Minuten.

    Laut Unverdorben sind solche Missgeschicke keine Seltenheit gewesen, wenn Gadou für Salzburg auflief: "Sein großes Problem ist, dass es in jedem Spiel eine Situation gab, in der er einen Aussetzer hatte. Das sieht man auch an den drei Platzverweisen. Mal ist er zu ungestüm, mal spielt er einen unbegreiflichen Fehlpass. Das ist seine größte Baustelle. Eine konstante Verlässlichkeit geht ihm noch ab."

    Unter Lijnders' Nachfolger Thomas Letsch, der nach 13 Monaten im Amt im Februar durch Daniel Beichler ersetzt wurde, gelang Gadou dann schnell der Sprung zum unumstrittenen Stammspieler. 25 Einsätze inklusive Klub-WM, davon 21 in der Startelf und 19 über 90 Minuten, sind für einen Spieler, der zuvor noch kein einziges Profispiel absolviert hatte, eine sehr ordentliche Bilanz.

  • SC Freiburg v FC Salzburg - UEFA Europa League 2025/26 League Phase MD6Getty Images Sport

    "Sehr überraschend": Joane Gadou spielt bei Salzburg nicht mehr

    Letsch war großer Fan von ihm und nannte Gadou einen "Rohdiamanten, den wir schleifen müssen - aber dann wird er eine echte Granate sein". Der ehemalige Coach des VfL Bochum führte aus: "Jo beeindruckt durch seine Reife. Er hat ein ausgezeichnetes Stellungsspiel, ist stark im Zweikampf und strahlt viel Gelassenheit aus. Er hat eine große Zukunft vor sich, das ist offensichtlich."

    Salzburg fackelte daher nicht lange. Nur fünf Monate nach seinem Transfer verlängerte man den Vertrag des heute achtfachen U19-Nationalspielers bis 2029. Ein kluger Schachzug, schließlich musste der BVB auch aufgrund der langen Vertragslaufzeit nun so viel Geld für ihn lockermachen.

    Einen Stammspieler werden die Dortmunder aber nicht (mehr) bekommen. Zwar absolvierte Gadou 31 seiner bislang 33 Saisonspiele von Beginn an, doch in den vergangenen fünf Spielen ließ man den Rechtsfuß nicht mehr ran. Dreimal reichte es nicht einmal mehr für einen Platz im Kader. Das sei laut Unverdorben "sehr überraschend" gewesen. 

  • FC Salzburg v Real Madrid CF: Group H - FIFA Club World Cup 2025Getty Images Sport

    Joane Gadou: Dieselbe Ablösesumme wie für Erling Haaland

    Nachdem Salzburg jedoch unter Letsch viel rotiert hat, auch in der Innenverteidigung, soll nun die Maßgabe sein, für Stabilität und Kontinuität zu sorgen. Und da sich Gadous Abgang abgezeichnet hatte, dürfen jetzt andere ran, die auch in der kommenden Saison noch für den Klub spielen. Das aufgekommene Gerücht, wonach Gadous Fehlen auch mit disziplinarischen Gründen zu tun hat, ließ sich nicht verifizieren.

    Wohl aber die Information, dass der BVB seinem Neuzugang bereits mitgeteilt hat, er werde künftig als rechtes Glied der Dreierkette eingeplant. Dort ist auch Platz: Niklas Süle verlässt den Verein und beendet gar seine Karriere im Sommer, Emre Can ist noch Monate verletzt, Luca Reggiani höchstens als Herausforderer eingeplant.

    Der Weg für Gadou, der in Salzburg rechts im Zentrum einer Viererkette verteidigte, in Dortmunds Startelf ist frei. Die Routine an seiner Seite, in Person von Waldemar Anton und Nico Schlotterbeck, die es für ihn in Österreich meist nicht gab, dürfte seinem teils wankelmütigen Spiel guttun.

    Ob und wie Gadou bei der Borussia einschlägt, wird dann in erster Linie von ihm selbst abhängen. Das Talent und die Perspektive sind da und genauso groß wie der Raum für Verbesserung. Mit Deals aus Salzburg hatten sie beim BVB ja gute Erfahrungen gemacht. Vielleicht ist es ein Omen, dass Gadou dieselbe Ablösesumme kostet wie einst Erling Haaland.

  • Joane Gadou: Seine bisherige Karriere im Überblick

    MannschaftPflichtspieleToreVorlagen
    Paris Saint-Germain U193710
    FC Liefering (Farmteam Salzburg)100
    FC Red Bull Salzburg5800
    FC Red Bull Salzburg U19500

Häufig gestellte Fragen

Der Ballspielverein Borussia 09 e. V. Dortmund wurde am 19. Dezember 1909 in Dortmund gegründet. 

Die Lizenzfußballabteilung des BVB ist seit 1999 als Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA aus dem Ballspielverein Borussia 09 e.V. ausgegliedert und börsennotiert. Aktionäre mit höheren Anteilen sind beispielsweise die Sponsoren Evonic, Signal Iduna und Puma. Die Kontrolle über den Verein behält allerdings die Komplementär-GmbH Borussia Dortmund Geschäftsführungs-GmbH, die dem Verein weiterhin zu 100 Prozent gehört.

Das Stadion heißt seit Dezember 2005 offiziell Signal-Iduna-Park, wird allerdings häufig noch Westfalenstadion genannt - der frühere Name.

Der Signal-Iduna-Park ist mit einer Kapazität von 81.365 Fans bei nationalen Spielen eines der größten Fußballstadien Europas. Bei internationalen Partien, wenn Steh- zu Sitzplätzen umgewandelt werden müssen, passen rund 66.000 Menschen in das Stadion. 

Borussia Dortmund hat in der Vereinsgeschichte insgesamt 22 Titel gewonnen, darunter auch einmal die Königsklasse: Im Jahr 1997 schlug der BVB im Finale Juventus Turin mit 3:1.

Die Dortmunder haben neben fünf DFB-Pokalsiegen auch die nationale Meisterschaft häufig gewonnen. Mit acht Titeln sind sie der dritterfolgreichste Klub nach dem 1. FC Nürnberg (9 Meisterschaften) und dem FC Bayern München (34 Meisterschaften).

Die meisten Pflichtspiele im BVB-Trikot hat Michael Zorc absolviert (562 Partien von 1981 bis 1998), gefolgt von Mats Hummels (508 Einsätze zwischen 2008 und 2024).

Toptorschütze der Borussia ist Adi Preißler mit 177 Toren in 278 Einsätzen in den 40er- und 50er-Jahren. Knapp hinter ihm liegt Marco Reus mit 170 Buden.

Der BVB hatte zahlreiche prominente Spieler in seinen Reihen, beispielsweise Matthias Sammer, Michael Zorc, Lars Ricken, Karl-Heinz Riedle, Jürgen Kohler, Stefan Reuter, Dede, Robert Lewandowski, Marco Reus, Jude Bellingham, Erling Haaland oder Mats Hummels.

Auch an der Seitenlinie standen einige prominente Namen. Unter Ottmar Hitzfeld gewann der Klub neben Meisterschaften in 1997 die Champions League, auch unter Jürgen Klopp (u.a. 2x Meisterschaft, 2x DFB-Pokal), Thomas Tuchel (DFB-Pokal) und Matthias Sammer (Meisterschaft) sammelte Dortmund einige Trophäen.

Spitznamen hat Borussia Dortmund einige. Die Abkürzung "BVB" ist die gängigste Bezeichnung, auch "die Schwarz-Gelben" und "die Borussen" fallen oft.