Rooney wird Englands Rekordtorschütze, nicht aber ein Held

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Manchester Uniteds Stürmer steht kurz davor, Bobby Charltons Rekord bei den Three Lions zu knacken. In einem Atemzug mit Englands Legende sollte er dennoch nicht genannt werden.

Wayne Rooney könnte am Wochenende Geschichte schreiben. Beim EM-Qualifikationsspiel am Samstag gegen San Marino könnte er mit Sir Bobby Charlton gleichziehen oder dessen Bestmarke von 49 Toren für die englische Nationalelf gar übertreffen.

Irgendwie wäre es passend, sollte Rooney den Rekord gegen einen Kontrahenten dieses Kalibers brechen. Auf der anderen Seite wäre es auch passend zu seinen Leistungen auf der großen Bühne, sollte er leer ausgehen.

Turnierflaute nach dem Druchbruch 2004

Gelingen ihm die nötigen Treffer, wird er Englands bester Torjäger aller Zeiten. Doch die Ausbeute des 29-Jährigen erzählt nur die halbe Geschichte.

Nachdem er als Teenager die Fußballwelt im Sturm eroberte, bringt es der Angreifer von Manchester United aktuell auf 48 Treffer für die Three Lions. Eine starke Zahl und doch wirkt es, als habe er nie die hohen Erwartungen erfüllt, die er einst selbst geweckt hatte. Bei der EM 2004 galt er als DAS Talent und künftiger Weltstar. Zwölf Jahre später steht wieder eine Europameisterschaft an und die englischen Fans haben noch immer nicht erlebt, wie ihr Kapitän sein Potenzial ausschöpft.

48 Tore in 105 Länderspielen klingen nach einer guten Bilanz. Untersucht man diese Zahlen aber genauer, ergibt sich ein etwas anderes Bild.

Seit jenem Sommer 2004, in dem er Doppelpacks gegen die Schweiz und Kroatien schnürte, ehe er sich im Viertelfinale gegen Gastgeber Portugal eine Fußverletzung zuzog, gelangen Rooney nur zwei magere Tore bei großen Endrunden.

In der Tat ist es so, dass er einen Großteil seiner 48 Länderspieltreffer gegen internationale Nobodys markierte. Gegen die aktuellen elf besten Mannschaften der FIFA-Weltrangliste netzte er nur zweimal ein: 2005 in einem Freundschaftsspiel gegen Argentinien und 2013 in Testspielen gegen Brasilien.

In Duellen mit Italien, Deutschland, Spanien, Portugal, Chile oder Frankreich ging er stets leer aus. Die Durchschnittsposition der Gegner, gegen die Rooney traf, liegt aktuell bei Platz 68,13 des FIFA-Rankings. Um das zu verdeutlichen: Bulgarien, eine Mannschaft, die 1998 letztmals an einer WM teilnahm und die es seitdem nur zu zwei Euros geschafft hat, nimmt aktuell Rang 68 ein.

Owen, Beckham und Lineker trafen, als es drauf ankam

Michael Owen erzielte einst einen Hattrick im entscheidenden Qualifikationsspiel gegen Deutschland und ihm gelangen fünf Treffer bei Endrunden – drei davon in K.-o.-Spielen. David Beckham war zur Stelle, als es drauf ankam und war in wichtigen WM-Duellen mit Griechenland, Argentinien, Ecuador und Rumänien erfolgreich. Und Gary Lineker gelangen zehn seiner 48 Länderspieltore bei WM-Endrunden.

Noch-Rekordhalter Charlton war darüber hinaus auch wichtiger Bestandteil der einzigen englischen Elf, die je eine Weltmeisterschaft gewann. Große Fußstapfen für Rooney - schwierig, von ihm zu erwarten, dass er England zum Titel führt. Dass Rooneys Bilanz aber hinter denen von Owen, Beckham und Lineker zurückliegt, ist überraschend.

Geoff Hurst, ebenfalls Weltmeister von 1966, meinte kürzlich zum Vergleich zwischen Rooney und Charlton: "Rooney ist eine echte Größe, aber Vergleiche zwischen Spielern bringen nicht viel. Was die Zahlen angeht wäre es natürlich eine tolle Leistung, wenn er Charlton überholte, keine Frage! Aber Rooney ist ein Stürmer, Charlton erzielte seine 49 Tore als Mittelfeldspieler."

Rooneys Bilanz ist gepolstert von vier Toren gegen San Marino, deren drei gegen Kasachstan und jeweils zwei gegen Andorra, Weißrussland, Bulgarien, Estland und Montenegro. Zugegeben, viele Stürmer haben dieser Tage starke Leistungsnachweise wegen ihrer exzellenten Ausbeute gegen kleine Gegner. "Wazza" ist zudem aber den Nachweis schuldig geblieben, ein "Big-Game-Player" zu sein.


Wayne Rooney war 2003 der jüngste Debütant Englands aller Zeiten

Sven-Göran Eriksson, der ihm 2003 gegen Australien im Alter von 17 Jahren zum Debüt in der Nationalmannschaft verhalf, warnte bereits im Jahr 2006: "Wayne Rooney ist der goldene Junge des englischen Fußballs. Killt ihn nicht, ihr werdet ihn brauchen. Er ist ein fantastischer Spieler, der großes Temperament in sich hat. Haltet das nicht gegen ihn."

Seit seinem Platzverweis in Erikssons letztem Spiel – der Niederlage im Elfmeterschießen gegen Portugal bei der WM in Deutschland – sah Rooney nur noch eine Rote Karte. Es war nicht sein Temperament, das ihn bremste, sondern sein Abtauchen in wichtigen Begegnungen.

England ist auf dem Weg, sich souverän für die EM in Frankreich zu qualifizieren. Enttäuscht Rooney auch dort, dürfte es der Anfang vom Ende für ihn bei den Three Lions sein. Sein Name mag ewig in den Geschichtsbüchern stehen, dennoch braucht niemand auf der Insel mehr ein starkes Turnier, als der Angreifer.

In Frankreich muss Rooney sich beweisen, sonst wird er nicht als englischer Superstar und Rekordtorjäger in Erinnerung bleiben, sondern als der Stürmer, der es nur gegen die Schwachen konnte.

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