Terrier erkannte blitzschnell die Lücke, die sich ihm bot, fasste sich ein Herz, schmiss den Turbo an und marschierte. Unaufhaltsam lief er durch die Hälfte der Girondins, schüttelte sich in den Weg stellende Verteidiger ab wie lästige Fliegen und behielt schließlich vor Keeper Benoit Costil die Nerven: Eiskalt verwandelte Terrier zum 3:0-Endstand für den Aufsteiger, der in der Woche zuvor sensationell Paris Saint-Germain besiegt hatte.
Racing Straßburg auch dank Terrier im Höhenflug
Terriers Tor war das schönste in der Ligue 1 am vergangenen Spieltag und für den kleinen Klub bedeutete es den vorläufigen Höhepunkt eines geradezu märchenhaften Aufstiegs. Noch vor sechs Jahren kickte Racing in der fünften französischen Liga, finanzielle Schwierigkeiten hatten den Verein geplagt. Nun liegt er auf dem zwölften Rang der Ligue 1 und hat gute Karten, den Klassenerhalt im Oberhaus zu schaffen.
Aber nicht nur Straßburg freut sich über den tollen Lauf, auch für Terrier läuft es rund. Der französische U21-Nationalspieler ist von OSC Lille für ein Jahr ausgeliehen und kam in dieser Saison zunächst nur schwer in die Gänge. Er musste regelmäßig mit einem Platz auf der Ersatzbank Vorlieb nehmen, ehe ein Jokertor gegen Dijon im September ihm den Weg in die Stammformation von Trainer Thierry Laurey ebnete. Seitdem hat Straßburg nur noch eine Partie verloren.
GettyTerriers Vater Frederic, einst selbst ein passabler Kicker, der als Stürmer für den Drittligisten Hazebrouck auf Torejagd ging, sagte L'Equipe: "Es hat sich viel geändert seit September. Er hatte auch zuvor schon Vertrauen in seine Fähigkeiten, aber er hat es nicht gezeigt."
Mittlerweile strotzt Terrier vor Selbstvertrauen und fünf Scorerpunkte in neun Begegnungen unterstreichen das. "Ich habe großes Selbstbewusstsein. Das kann auch gefährlich sein", sagte der Flügelflitzer. "Aber ich hebe nicht ab. Ich weiß nur, zu was ich in der Lage bin und das ist in diesem Geschäft sehr wichtig."
Kritik von Ex-Coach Antonetti
Bei seinem Stammverein Lille deutete Terrier zu selten an, was er kann. Ex-Trainer Frederic Antonetti erzählte bei Canal+ von der frustrierenden Integration der Nachwuchshoffnung: "Er kam nach und nach in die erste Mannschaft und ich bin nicht sicher, dass er sein gesamtes Potenzial kannte. Nach einigen Trainingseinheiten ging ich zu ihm und sagte: 'Ich habe keine Ahnung, ob du gut oder schlecht bist – ich sehe dich ja nie.'"
GettyTerriers anonymer Start bei den Lille-Profis verwundert, schließlich gilt er seit geraumer Zeit als eines der größten Talente Frankreichs. Diverse Auswahlmannschaften hatte er bereits durchlaufen, als er Ende letzter Saison schließlich sein Profidebüt feierte und gegen Montpellier auch seinen ersten Treffer in der Ligue 1 erzielte.
Im Sommer soll der FC Everton großes Interesse an Terrier gezeigt haben. Auch, weil dieser mit sieben Treffern in nur fünf Partien die Torjägerliste der U21-EM-Qualifikation anführt.
GettyBei Racing sind sie nun froh, dass der Linksaußen, der auch im Sturmzentrum einsetzbar ist, diese Form regelmäßig abruft. Kapitän Kader Mangane sagte bei RMC: "Er ist ein Spieler, den wir noch immer entdecken. Seine Reife ist beeindruckend. Er arbeitet hart im Training. Er verleiht unserem Spiel Tiefe und kann Bälle festmachen. Unermüdlich rackert er und wenn er so weitermacht, liegt eine große Zukunft vor ihm."
Selbstverständlichkeit statt Schüchternheit
Es sieht also schwer danach aus, als hätte es bei Terrier Klick gemacht. Als sei die Schüchternheit zum Start in das Profi-Business der Selbstverständlichkeit gewichen, mit der er seit Jahren die Gegner vor große Probleme stellt.
Bei Racing werden sie hoffen, dass es für den Hochbegabten in dieser Taktung weitergeht. Damit das großartige Tor vom Wochenende nicht das letzte seiner Art bleibt.
