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Ligue 1

Nizzas Jean Michael Seri: Kreativer als Lionel Messi

13:00 MESZ 04.04.17
Jean Michael Seri Nice
Er liegt bei den Assists, erfolgreichen Pässen und vorbereiteten Chancen jeweils unter den Top drei. Der Ivorer ist das große Geheimnis der Ligue 1.

Seitdem Jean Michael Seri im Sommer 2015 nach Frankreich gekommen ist, hat sich der Nationalspieler der Elfenbeinküste dort einen Namen als einer der dynamischsten Mittelfeldspieler der Liga gemacht.

Nizza spielt immer noch um den Titel in der Ligue 1 mit - und dem kleinen Spieler in der Zentrale hat das Team dabei eine wichtige Aufgabe übertragen. Schlüsselspieler wie Wylian Cyprien und Alassane Plea fehlen den Südfranzosen momentan mit Knieverletzungen, sodass der 25-Jährige nun der Denker und Lenker seiner Mannschaft ist.

Inzwischen hat er sich derart in den Vordergrund gearbeitet, dass er schon als Nizzas N'Golo Kante bezeichnet wird, der zu dem Zeitpunkt, als Seri von Pacos de Ferreira nach Frankreich ging, aus der Ligue 1 in die Premier League wechselte. Genau wie Kante ist auch Seri eines der bestgehüteten Geheimnisse der Liga.

Vom Spielstil her sind sie jedoch unterschiedlich. Auch Seri spielt mit viel Energie und hat denselben Körperbau wie der französische Nationalspieler, wobei Seri sogar noch einen Tick kleiner als Kante ist. Doch auf dem Feld ist der Nizza-Spieler deutlich offensiver ausgerichtet und hat mehr Qualitäten im Passspiel als der Chelsea-Star.

Trainer Lucien Favre verlangt von seinen Spielern viel in der Arbeit nach hinten, aber das hat nicht dazu geführt, dass Seri etwas von seinen Stärken im Offensivspiel eingebüßt hat.

Bislang verzeichnete er neun Assists in dieser Saison - und damit können nur wenige Spieler in Europas Top-Ligen behaupten, dass sie kreativer als Seri sind: Es sind Neymar, Christian Eriksen und Kevin De Bruyne.

Seri hat in dieser Saison mehr Chancen als Lionel Messi vorbereitet - und auch mehr entscheidende Pässe gespielt als der Argentinier.

"Das ist ein seltsames Ranking, denn man ist ja von den anderen abhängig", gab er gegenüber L'Equipe zu. "Ich schau mal, wie ich in Europa im Vergleich dastehe", fügte er hinzu.

Für Seri war es ein langer Weg in die Ligue 1: Als Kind begann er mit acht Jahren in der Elfenbeinküste im Cyril Domoraud Centre im Jahr 1999 mit dem Fußballspielen.

"Fußballer in Afrika zu trainieren, ist etwas Besonderes", sagte er Le Point. "Bis zu einem gewissen Niveau spielen wir alle barfuß. Deshalb ist der Kontakt mit dem Ball ein ganz anderer und wir haben eine gute Basis für die Ballkontrolle. Wenn wir dann Schuhe anziehen, bedeutet das, dass man ein bestimmtes Niveau schon erreicht hat", ergänzte er.

Zweifellos ist Seri ein Spieler, der sich mit der Kugel am Fuß sehr wohl fühlt, doch das ist auch keine Überraschung, wenn man bedenkt, wen sich der kleine Mittelfeldmann zum Vorbild genommen hat.

"Mich hat Marcelo Gallardo inspiriert, der zu Beginn des Jahrtausends bei Monaco gespielt hat. Gallardo war in der Elfenbeinküste auch mein Spitzname", sagte Seri.

Claude Puel, der aktuell Southampton trainiert, gefiel die Spielweise des Ivorers und er holte ihn für nur zwei Millionen Euro. Bei der Vorstellung sprach Puel über Seris Fähigkeit, "versteckte Pässe" anzubringen - etwas, das er mit einem ganz Großen gemeinsam hat.

"Xavi hat das die ganze Zeit bei Barcelona gemacht und ich habe versucht, das zu kopieren. Das sind Tricks, an denen ich hart gearbeitet habe, damit sie mir gelingen", gestand Seri.

MIt seinen Leistungen hat er sich bei größeren Teams auf den Zettel gespielt: Sein Name wird nun mit Marseille, Dortmund und Southampton in Verbindung gebracht, wo er erneut mit Claude Puel zusammenarbeiten könnte. Aber das heißt für ihn noch lange nicht, dass er auch wechseln möchte. Und besonders nicht in ein Land, in dem das Wetter nicht gut ist.

"Ich habe eingewachsene Fußnägel. Wenn es kalt ist, muss ich deswegen besonders behandelt werden", gab er zu. "Ich kann mir nicht vorstellen, in einem Land zu spielen, in dem es kalt ist. Dann tut mir alles weh und ich kann kaum trainieren", ergänzte er.

"Hier fühle ich mich gut, meine Familie auch. Warum sollte ich woanders hin? Der Klub verbessert sich und es gibt viele positive Dinge hier. Warum also weg?", fragte er.

Seine Hartnäckigkeit - und mit Sicherheit auch die von Nizza - könnte allerdings auf die Probe gestellt werden, wenn sich die großen Namen im Sommer für ihn melden sollten. Und ein Marktwert von 40 Millionen Euro scheint gar nicht einmal so übertrieben für ihn zu sein.