Während sich die Schlagzeilen in Bezug auf die AS Monaco derzeit vornehmlich auf die horrenden Summen, welche die Senkrechtstarter aus dem Fürstentum in die Kassen des Klubs spülen, setzt Trainer Leonardo Jardim seine Arbeit mit neuen jungen Talenten fort.
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Auch in der neuen Saison geht die Siegesserie der Monegassen einfach weiter. Nach vier Spieltagen stehen schon wieder vier Siege zu Buche - das ist die Form, die Monaco letztes Jahr zur Meisterschaft geführt hat.
Dass das Team die zahlreichen Abgänge scheinbar locker verkraftet, spricht für die unglaubliche qualitative Breite des Kaders. Einer, der aktuell immer stärker in den Fokus rückt, ist der 21-jährige Jorge. Der brasilianische Verteidiger soll den für 56 Millionen Euro zu Manchester City abgewanderten Benjamin Mendy ersetzen. Eigentlich eine mehr als undankbare Aufgabe, aber Jorge hat bereits gezeigt, dass er die optimalen Voraussetzungen hat, in die großen Fußstapfen zu treten.

Er bietet eine ähnliche Offensivstärke wie Mendy an. In bislang vier Saisonspielen konnte Jorge in zwei seiner vier Einsätze schon Treffer auflegen, zuletzt am Sonntag beim überragenden 6:1-Erfolg von AS über Olympique Marseille. Beim Stand von 5:1 holte der Defensivspezialist den Elfmeter heraus, der zum Endstand führte.
Es war der Moment, wo auch der letzte Fan das Potenzial des Mannes, der seine ersten sechs Monate in Frankreich unterhalb des Radars verbracht hat, erkannt haben dürfte.
Von Flamengo im Januar für 8,5 Millionen Euro verpflichtet, musste er von der Seitenlinie aus zusehen, wie Monaco unaufhaltsam Richtung Titel stürmte. Insgesamt kam er in der vergangenen Rückrunde nur zweimal zum Einsatz. Gesamtspielzeit? 90 Minuten.
Die lange Zeit auf der Bank scheint aber überhaupt kein Problem für ihn zu sein.
Geduld zu haben, das war nie ein Problem für ihn. Nachdem er früh seine Skills beim Futsal erlernte, wechselte er im Alter von 13 Jahren zur Variante auf dem Rasen. Doch in Brasilien hat er nur ganz langsam das Aufsehen der dortigen Profiklubs erregt. Bis zum Jahr 2014 hat es gedauert, dass er auf dem Zettel der Scouts auftauchte und dann sein Debüt bei den Profis gab.
Weil Pablo Armero sich verletzte, bekam Jorge die Chance, sich zu zeigen. Und einmal da, ließ er sich nicht mehr verdrängen, wurde zu einem nicht zu ersetzenden Teil der Mannschaft. Innerhalb von nur zwei Jahren avancierte er zum besten Linksverteidiger in der brasilianischen Liga. Seine Stärken: kraftvolle Läufe nach vorne, eine Schusskraft, die Ihresgleichen sucht. All das weckt am Zuckerhut Erinnerungen an den früheren Selecao-Star Junior.

Jetzt muss er sich - will er auch eine Größe in der brasilianischen Nationalmannschaft werden - muss er sich mit Real Madrid Marcelo messen. Bislang kann Jorge einen Einsatz im traditionellen gelben Trikot vorweisen. Im Freundschaftsspiel gegen Kolumbien durfte er sich versuchen. Marcelo zu verdrängen, dürfte fast ein Ding der Unmöglichkeit werden. Allerdings ist er noch jung und hat die Zeit auf seiner Seite.
Aber bei all den Vorzügen weiß er natürlich auch, dass er sich noch weiter verbessern muss. Dafür ist Monaco der perfekte Ort für ihn. Unter Jardim zu arbeiten, heißt, optimale Bedingungen zu haben, sich zu verbessern.
Jorge hat den Charakter, die Chancen, die sich ihm bieten, auch auszunutzen. Neben dem Platz gibt er sich geradezu bescheiden. Beweise gefällig: Mit seinem ersten Profigehalt bei Flamengo kaufte er den Arbeitern, die gerade den neuen Trainingsplatz bauten, essen, damit sie ihre Familien überraschen konnten.
Seitdem ist viel Zeit vergangen, es war ein weiter Weg, der aber für Jorge noch längst nicht beendet ist. Sollte er der nächste große Star im Stade Louis II werden - überraschen sollte es niemanden.
