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Kyle Lafferty: Prototyp eines Hoffnungsträgers

Als der holländische Schiedsrichter Bas van Dongen die Partie abpfiff, gab es im Windsor Park zu Belfast kein Halten mehr. Zuschauer und Spieler lagen sich in den Armen und der ein oder andere wischte sich Freudentränen aus dem Gesicht. Zur Erklärung: Nordirland hatte an diesem Tag im Oktober vergangenen Jahres mit einem 3:1-Erfolg über Griechenland die erste EM-Teilnahme in der Geschichte des Landes perfekt gemacht.

Letztendlich sicherte man sich als Gruppensieger, noch vor Rumänien und Ungarn, das Ticket nach Frankreich. Dank einer starken Offensive übertraf der Underdog die Erwartungen vieler Experten. Vor allem einer konnte sich während der Quali in den Fokus spielen und schoss die Briten fast im Alleingang zur EURO 2016. Die Rede ist von Stürmer Kyle Lafferty.

Doch wer ist der 28-Jährige, der mit sieben Toren ebenso viele Treffer wie die Top-Stars Wayne Rooney und Gareth Bale aufzuweisen hat? Wo liegen seine Stärken und kann der 1,93-Mann der DFB-Elf ernsthaft gefährlich werden?

Der typische Wandervogel

Lafferty ist der Prototyp des Wandervogels. Der Offensivmann schnürte seine Schuhe bereits für neun verschiedene Vereine und das mit gerade mal 28 Jahren. Doch gehen wir zurück zu den Anfängen seiner Karriere. Der FC Burnley war der erste Verein, der 2004 sein Talent entdeckte und ihn aus der nordirischen Provinz in die Grafschaft Lancashire nach England lockte. Doch dort konnte er sich, auch nach einer Leihe nach Darlington, nicht durchsetzen.

Es zog ihn weiter nach Glasgow, wo er bei den Rangers seine bislang erfolgreichste Zeit verbrachte. Mit 31 Toren in 104 Spielen hinterließ er einen guten Eindruck und stellte sein Talent erstmals unter Beweis. Doch nach dem Zwangsabstieg 2012 in die vierte schottische Liga verließ er den Klub. Mit dem anschließenden Wechsel in die Schweiz begann eine vierjährige Odyssee Laffertys quer durch Europa.

Zwischen 2012 und 2016 spielte er unter anderem für den FC Sion, US Palermo, Norwich City, Caykur Rizespor und zuletzt bei Birmingham City in Englands zweiter Liga. Bei keinem der Vereine konnte er sein zweifelsohne vorhandenes Talent beweisen und fand sich zumeist auf der Bank wieder.

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Auch neben dem Platz sorgte der Stürmer immer wieder für diverse Eskapaden. Während seiner Zeit in Glasgow wurde Lafferty vom schottischen Verband wegen Schauspielerei gesperrt und von seinem eigenen Verein wegen einer Trainingsschlägerei suspendiert. Der Präsident des Serie-A-Klubs Palermo, Maurizio Zamparini, erklärte 2014 nach dem Wechsel Laffertys zu Norwich City, man habe sich von dem Spieler getrennt, weil er ein "Ire ohne Regeln" sei, der einfach für eine Woche nach Mailand fliege, um dort Frauen nachzustellen.

Nun hofft er bei der Europameisterschaft in Frankreich unter Nationaltrainer Michael O'Neill wieder zu alter Stärke zurückzufinden und sich für potenzielle Arbeitgeber zu empfehlen. Lafferty besitzt in Norwich zwar noch einen Vertrag bis 2017, doch ob der Premier-League-Absteiger den Stürmer behalten will, ist noch ungewiss.

Zweitbester Torschütze Nordirlands

Seine Stärken hat der 28-Jährige vor allem vor dem Tor. Er ist ein typischer Strafraumspieler, der mit einer Körpergröße von 1,93 m ungemein kopfballstark ist. Außerdem verfügt Lafferty über einen starken rechten Fuß und sein unbändiger Wille, sowie eine starke Physis zeichnen ihn aus. 17 Tore in 51 Länderspielen machen ihn zum zweitbesten Torschützen der Geschichte Nordirlands. Definitiv keine schlechte Quote.

Seine Vorfreude auf die EM ist derweil riesig. "Was wir erreicht haben, ist wunderbar. Einige der Spieler, die Nordirland repräsentieren, haben nun auch die Chance, ihr Land bei einem tollen Turnier zu vertreten. Wir haben Geschichte geschrieben. Unser Herz und unsere Entschlossenheit haben uns dahin geführt", sagte er einem Interview der UEFA.

Aus der Startelf der Nordiren ist er nicht mehr wegzudenken und nun hofft er sein Tore-Konto bei der EM weiter erhöhen zu können, auch gegen das deutsche Team. Vor allem bei Standards muss die DFB-Defensive um Abwehrchef Jerome Boateng stets wachsam sein und darf den langen Schlacks keinesfalls aus den Augen verlieren. 

Die Nordiren gelten zwar als Underdog in der Gruppe um Weltmeister Deutschland, Polen und der Ukraine. Doch die Truppe von Martin O'Neill kann befreit aufspielen und genau darin liegt ihre Chance. Und vor allem auf Lafferty ruhen die Hoffnungen der Anhänger, denn der Stürmer trifft sowieso am liebsten im Trikot der Nationalmannschaft.

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