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Sead Kolasinac von Schalke 04: Der Prototyp eines Derby-Helden

09:00 MESZ 01.04.17
Sead Kolasinac FC Schalke 04 16032017
Keiner verkörpert die Tugenden des Revier-Derbys so gut wie das bosnische Muskelpaket. Doch was macht ihn im Team von Markus Weinzierl so wichtig?

Egal ob in Essen, Bottrop, Recklinghausen, Gelsenkirchen oder Dortmund – hört man sich dieser Tage in den Fußgängerzonen des Ruhrgebiets um, gibt es nur ein Thema: Das Revier-Derby. Spricht man die Passanten auf das Duell zwischen dem FC Schalke und Borussia Dortmund an, fallen immer wieder die Namen von Derby-Helden vergangener Tage. An Spieler wie Ebbe Sand oder Gerald Asamoah erinnern sich alle Schalker noch gern zurück, wohingegen Fans des BVB noch heute mit Inbrunst von Ebi Smolarek erzählen, der 2007 mit seinem Treffer alle Hoffnungen auf eine Meisterschaft von Königsblau zerplatzen ließ.  

Fünf Top-Talente von Schalke 04

Neben den vielen legendären Partien und den Helden, die das Derby hervorbrachte, sprechen die Leute im Vorfeld des 150. Pflichtspielduells zwischen schwarz-gelb und blau-weiß allerdings in erster Linie von Kampf – oder Maloche wie man im Ruhrpott zu sagen pflegt – der die Begegnung so einzigartig macht.

"Ich glaube, dass Wille, Leidenschaft und Kampf die Basis sind. Über diese Attribute kannst du das Spielerische hinzufügen. In den letzten Wochen versucht die Mannschaft, immer hundert Prozent auf den Platz zu bringen, und damit hat sie auch solche Siege wie den in Mainz erreicht. Wir werden um jeden Zentimeter kämpfen", stellt auch S04-Trainer Markus Weinzierl vor seinem ersten Heim-Derby klar: "Das Derby wird über die Emotionen gestaltet, so wird es auch am Samstag sein."

Der Albtraum eines Offensivspielers

Jemand der diese Emotionalität auf Seiten der Schalker verkörpert wie kein zweiter ist Sead Kolasinac. "Er ist ein Spielertyp, für den Derbys wie gemacht sind", lobt Manager Christian Heidel seinen Schützling. Mit einem breiten Kreuz und einem Körper, der eher an einen Türsteher einer Gelsenkirchener Disco erinnert als an einen Fußballprofi, wirft sich der Linksverteidiger mit 100 Prozent in jeden Zweikampf und nimmt dabei keine Rücksicht auf Verluste.

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"Ich kann mir gut vorstellen, dass es für einen Offensivspieler total ekelhaft ist, gegen mich zu spielen", sprach der 23-Jährige im Goal-Interview im Dezember 2013 wohl vielen seiner Gegenspieler aus der Seele. Einer, der diese Aussage wohl sofort unterschreiben würde, ist BVB-Shootingstar Christian Pulisic, der im Hinspiel bereits seine Erfahrungen mit Kolasinac machen durfte.

Keine fünf Minuten waren im Oktober gespielt, da grätschte das Muskelpaket (stemmt 110 Kilo auf der Hantelbank) den 63-Kilo-Floh rüde an der Seitenlinie ab und machte somit von Beginn an klar, was es heißt, ein Derby zu spielen. Doch damit nicht genug, denn kurz vor Schluss setzte Kolasinac mit einem weiteren Tackling noch einen drauf. Seinen ersten Derby-Treffer vor Augen, stand Pulisic einschussbereit wenige Meter vor dem leeren Schalker Tor, als der Bosnier mit einer perfekten Grätsche den fast sicheren Rückstand doch noch verhinderte. Sein anschließender Jubel glich der Freude über einen Last-Minute-Siegtreffer.

"Seo ist ein Paradebeispiel für positive Entwicklung"

Schließlich endete das Spiel mit einem 0:0; und obwohl er kein Tor schoss, wurde Kolasinac im Anschluss als Derby-Held gefeiert. Geht es nach den Schalkern, darf es am Samstag (15.30 Uhr im LIVE-TICKER) gern ähnlich ablaufen. Ob der Linksfuß allerdings auf dem Feld stehen kann, steht noch in den Sternen, denn seit Wochen plagen ihn muskuläre Probleme. "Wir werden ihn nur einsetzen, wenn er hundertprozentig fit ist, denn wir haben nicht nur dieses eine Spiel" betonte Weinzierl.

Da mit Baba (Kreuzbandverletzung) und Dennis Aogo (Knieprobleme) allerdings die beiden anderen Linksverteidiger der Knappen nicht zur Verfügung stehen, ist es für die Knappen doppelt wichtig, dass Kolasinac doch noch rechtzeitig fit wird. Denn neben seiner tadellosen Einstellung ist Kolasinac auch offensiv und fußballerisch längst eine der prägenden Figuren bei S04. "Seo ist ein Paradebeispiel für die positive Entwicklung, die ein Spieler nehmen kann. Er hatte am Anfang der Saison gute Konkurrenz mit Baba, aber er hat seine Chance genutzt und sich durchgebissen. Er ist eine Säule für uns, ein Energiespieler, der auch die anderen mitreißt" lobte ihn der Coach zuletzt.

Im letzten Moment gestoppt: Sead Kolasinac (l.) grätscht BVB-Angreifer Christian Pulisic ab

Dass Kolasinac die Schalke auch in den nächsten Jahren mit Derby-Grätschen begeistert, ist allerdings längst nicht selbstverständlich, denn der Vertrag des Eigengewächses läuft zum Saisonende aus. Zwar betont Heidel immer wieder, den Spieler unbedingt halten zu wollen, doch aufgrund der teilweise überragenden Leitungen des Bosniers gestaltet sich die Verlängerung als schwierig. Gerüchten zufolge buhlen auch die Top-Klubs aus England um die Dienste des Linksverteidigers und locken ihn mit der Aussicht auf Champions League und einem Top-Gehalt.

Vertragsverlängerung nicht ausgeschlossen

Dinge, die man ihm im Ruhrgebiet derzeit nicht bieten kann, doch aussichtslos ist der Kampf um Kolasinac trotzdem nicht, schließlich fühlt er sich auf Schalke pudelwohl und genießt inzwischen hohe Wertschätzung von Trainer, Management und den Fans. Seit 2011 bei Königsblau unter Vertrag wohnt der Nationalspieler zudem auch nur rund einen Kilometer vom Vereinsgelände entfernt und lebt den Klub wie kaum ein zweiter.

Bevor jedoch über seine Zukunft entschieden wird, wird Kolasinac alles daran setzen beim Derby auf dem Platz zu stehen um seiner Mannschaft womöglich zum Sieg gegen den großen Rivalen zu verhelfen. Verlängert er anschließend womöglich seinen Vertrag, spricht nichts dagegen, dass er in ein paar Jahren in einem Atemzug mit Derby-Größen wie Sand oder Asamoah genannt wird. Ein erster Schritt in Richtung Legendenstatus wäre mit Sicherheit sein erster Derby-Treffer.

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