Aller guten Dinge sind drei. Nach Erfolgen bei der EM 1984 und der WM 1998 peilt Gastgeber Frankreich bei der EURO 2016 den Heim-Hattrick an. Für die fußballbegeisterte Nation zwischen Ärmelkanal und Mittelmeer wäre es der erste Titel seit dem EM-Triumph vor 16 Jahren.
Das blamable Vorrunden-Aus bei der EM 2008 und WM 2010 ist vergessen. Nach einem guten WM-Auftritt in Brasilien, als man sich erst im Viertelfinale dem späteren Weltmeister Deutschland mit 0:1 geschlagen geben musste und einer vielversprechenden Vorbereitung auf das anstehende Heimevent, ist der Optimismus groß. Der unbändige Stolz auf die Equipe Tricolore, die schon seit vielen Jahren soziale und ethnische Gruppen aus dem multikulturellen Land als Schmelztiegel unter einen Hut bringt und seit jeher ein Vorbild für Integration darstellt, ist bei den Fans wieder geweckt.
Kaum Zuschauer in der Ligue 1
Die Titel in den Jahren 1984 und 1998 lösten einen Boom rund um die Nationalmannschaft aus und zementierten die Rolle als Sportart Nummer eins vor dem gerade im Südwesten des Landes populären Rugby und dem jeden Sommer mit der Tour de France allgegenwärtigen Radsport.
Auf Vereinsebene hat der Fußball in der Gunst der Franzosen mehr zu kämpfen. Sind die Länderspiele stets Straßenfeger, finden die Partien der obersten Spielklasse zumeist vor halbleeren Rängen statt. In der abgelaufenen Spielzeit sahen die Partien der Ligue 1 im Schnitt nicht einmal 21.000 Zuschauer – die Spiele der Bundesliga im Vergleich dazu mehr als doppelt so viele. Ins Stadion des ehemaligen Champions-League-Finalisten AS Monaco verirrten sich Woche für Woche nicht einmal 8000 Zuschauer, in das des korsischen Absteigers GFC Ajaccio sogar gerade einmal nur 3719.
Dem Kampf um die französische Meisterschaft fehlte erneut die Spannung. An der Tabellenspitze zog Paris St. Germain, das in den vergangenen Jahren mit weit mehr als 300 Millionen Euro aus der Schatulle des katarischen Investors auf Einkaufstour gegangen war, einsam seine Kreise und machte seinen vierten nationalen Titelgewinn hintereinander mit nur zwei Niederlagen und 31 (!) Punkten Vorsprung perfekt. Schwedens scheidender Pariser Superstar Zlatan Ibrahimovic erzielte dabei mit 38 Treffern 17 mehr als sein schärfster Verfolger Alexandre Lacazette (Olympique Lyon). Eine Zwei-Klassen-Gesellschaft, der französische Fußball stirbt vor Langeweile.
Kevin Trapp auf den Spuren Rudi Völlers
Sind keine Geldscheine aus Paris in Sicht, machen internationale Topstars einen Bogen um die Eliteklasse – aus dem französischen EM-Kader sind nur noch drei Feldspieler in der heimischen Liga aktiv. Deutsche Kicker zieht es ebenfalls nur noch selten ins westliche Nachbarland. Gaben sich in den Achtzigern die Europameister Karl-Heinz Förster und Klaus Allofs sowie in den Neunzigern die Weltmeister Rudi Völler, Jürgen Klinsmann und Andreas Köpke noch die Klinke in die Hand, stehen in Kevin Trapp (Paris) und dem früheren Bayern-Profi Diego Contento (Girondins Bordeaux) aktuell nur zwei deutsche Spieler in der Ligue 1 auf dem Platz.
Die mittlerweile 20 Jahre andauernde Dürre des französischen Fußballs bei internationalen Vereinswettbewerben konnte aber auch das Pariser Starensemble nicht beenden. Wie in den drei Jahren zuvor schied PSG trotz Ibrahimovic in der Königsklasse bereits im Viertelfinale aus. Zuletzt war der Hauptstadtklub in der Saison 1995/96 im früheren Europapokal der Pokalsieger (1:0 gegen Rapid Wien) erfolgreich. Der Anschluss an die Topnationen Spanien, Deutschland oder England ist längst verloren gegangen.
Dies können die französischen Fußballerinnen nicht behaupten. Vor zwei Wochen gewann Lyon mit einem Finalsieg über den VfL Wolfsburg zum dritten Mal die Champions League. Nun sollen es wieder die Männer richten, die Chancen stehen gut.


