Vidal FC Bayern Hannover 96 Bundesliga 20171202Getty Images

Thomas Müller vom FC Bayern München: "Ich muss noch ein bisschen an der Eigensinnigkeit arbeiten"


INTERVIEW

Exakt sechs Wochen nach seinem letzten Einsatz feierte Thomas Müller am Samstag beim 3:1-Sieg des FC Bayern München im Bundesligaspiel gegen Hannover 96 sein Comeback. Nach der Partie stand der Weltmeister in der Interviewzone Rede und Antwort.

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Thomas, können Sie heute ganz besonders zufrieden sein? 

Thomas Müller: Ja, ich denke schon. Es war ein gutes Spiel - schön zum Anschauen. Natürlich kann man auch Verbesserungspotenzial erkennen. Wir haben ziemlich oft aufs Tor geschossen und in Anführungszeichen nur drei Tore erzielt. In der ersten Halbzeit hatten wir zudem in der Defensive einige nicht ganz so gute Umschaltmomente. Aber insgesamt hatten wir das Spiel gut im Griff. 

Und wie beurteilen Sie Ihr Comeback? 

Müller: Es ist ganz gut gelaufen. Wir haben gewonnen und ich war ganz gut ins Spiel integriert. Ich muss noch ein bisschen an der Eigensinnigkeit arbeiten, aber ansonsten bin ich nicht unzufrieden. 

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Wenn man so eine lange Phase hat, in der man ausfällt, merkt man dann erst, was einem der Fußball gibt? 

Müller: Das ist jetzt eine philosophische Frage. (lacht) Klar, wenn man die Spiele im Fernsehen sieht, insbesondere die Partien, die wirkliche Erlebnisse sind wie das Pokalspiel in Leipzig oder die besonderen Spiele in Glasgow und in Dortmund, dann ist es einerseits nicht ganz einfach zuhause auf der Couch. Andererseits bin ich kein Typ, der groß hadert oder sich übers Schicksal beschwert. Es ist halt so, und dann muss man das beste daraus machen. 

Schmerzen die Hufen nach den 81 Minuten? 

Müller:  Nein, es geht. Ich habe alles gut überstanden. Ich habe direkt noch höchst professionell eine kleine Pflegeeinheit hingelegt, dementsprechend ist alles im grünen Bereich. 

In der Bundesliga haben Sie jetzt sechs Punkte Vorsprung. RB Leipzig hat bei 1899 Hoffenheim verloren, Borussia Dortmund in Überzahl bei Bayer Leverkusen nicht gewonnen. Wen sehen Sie als größten Konkurrenten?

Müller:  Die Mannschaft, die am nächsten dran ist. Sechs Punkte sind nicht die Welt und vor dem Spiel waren es ja nur drei. Es kann viel passieren. Von daher wollen wir bis Weihnachten unser Ding durchziehen und dann schauen, was dabei herauskommt. Im Optimalfall können wir unseren Vorsprung noch ausbauen. 

Kingsley Coman war heute extrem quirlig. Bahnt sich da eine neue Flügelzange an? 

Müller:  Wir haben viele Spieler, die sehr gute Qualitäten haben. Dass der Kingsley außergewöhnliche Fähigkeiten hat, die nicht an jeder Ecke zu finden sind, das wissen wir. Wenn er die PS - und er hat wirklich ein paar PS - auf den Rasen bringt, dann hat es jeder Gegner schwer. Er persönlich hat intensiv an seinen Flanken mit links gearbeitet, da kamen heute schon ein, zwei Hereingaben sehr gut. Die Flügelläufe hatte er ja schon immer drauf. Und wenn er es jetzt auch noch hinbekommt, dass diese auch zu Torchancen führen, dann ist er für uns Gold wert. 

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Sie führen ihn? 

Müller:  Ja, klar. Wir versuchen alle, uns gegenseitig gute Tipps zu geben und unser Wissen weiterzuvermitteln.

Wie haben Sie die Szene wahrgenommen, in der das Tor von Robert Lewandowski per Videobeweis zurückgenommen wurde und Hannover im Anschluss den Elfmeter bekam? 

Müller:  Das ist schon verrückt. Du machst gefühlt das 2:0, wirst zurückgepfiffen, ein langer Ball und plötzlich kann ein Elfmeter zum Ausgleich führen. Es war ein bisschen seltsam, aber absolut korrekt, denke ich. Es ist ja auch etwas Gutes - es war ja Abseits. Insgesamt hat es der Schiedsrichter also gut gemacht. 

Am Dienstag treffen Sie nun in der Champions League auf Paris Saint-Germain. 

Müller: Wir wissen, dass wir noch ein intensives Programm haben. Spiele zum Ausruhen, die man im Vorbeigehen bestreiten kann, sehe ich nicht. Dementsprechend werden wir den ganzen Kader und richtig gute Leistungen brauchen. 

Um was geht es im Duell mit PSG? Schwirrt der Gruppensieg noch irgendwo im Kopf? 

Müller:  Das kommt ganz drauf an, wie das Spiel verläuft. Grundsätzlich wollen wir als Sieger vom Platz gehen. Wir werden sicher nicht mit sechs Stürmern agieren, nur weil wir wissen, dass wir ein 4:0 brauchen. Es geht darum, das Spiel zu gewinnen. Und je nach Entwicklung des Spielstands bekommt man dann vielleicht nochmal eine dritte Luft - oder eben auch nicht.

Spielt es dabei auch eine Rolle, zu zeigen, dass die Kataris und die Pariser noch nicht die Macht übernehmen in Europa? 

Müller: Das ist kein Thema, das uns beschäftigt. Selbst wenn man davon sprechen will, werden die Preise erst im Mai verteilt. Wir wollen dann schon mal schauen wie es im Achtel- und Viertelfinale ausschaut. Im Fußball kann sich das ja ganz schnell ändern. So viele Wachablösungen wie es in einem Jahr geben kann, kann man gar nicht schreiben. 

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