In der Grande Nation ist die EM-Vorfreude durch einen Berg von Problemen getrübt, da will zumindest die französische Nationalmannschaft positive Eigenwerbung betreiben. Knapp eine Woche vor dem Eröffnungsspiel der EURO am 10. Juni unterziehen sich Les Bleus am Samstag in Metz gegen Schottland (21.00 Uhr) ihrem letzten Härtetest - und die Fans erwarten vor allem Lösungen für die anhaltende Defensivschwäche.
Beim Team von Trainer Didier Deschamps gibt es insbesondere im Abwehrbereich so einige Baustellen. Der Verlust von Mittelfeldspieler Lassana Diarra etwa, der gerade für die Balance der offensivgeprägten "Équipe tricolore" von Bedeutung gewesen wäre. "Natürlich ist das ärgerlich, aber ich habe Vertrauen in meine 23 Spieler", sagte Deschamps dazu.
Diarra ist allerdings nach Raphaël Varane (Real Madrid) oder Jérémy Mathieu (FC Barcelona) bereits der insgesamt fünfte Ausfall eines eher defensiv orientierten Spielers. "La France sans défense" (Frankreich ohne Abwehr), titelten Zeitungen schon.
Benzema sorgt für Unruhe, Griezmann angekommen
Zudem sorgen die Rassismus-Vorwürfe des ausgebooteten Stürmers Karim Benzema für unnötige Störgeräusche, die Wellen in höchste politische Kreise schlugen. Deschamps hat keine Lust, sich an der Debatte zu beteiligen, obwohl Benzema ihn direkt angegriffen hatte. Der Coach ist vielmehr darauf fokussiert, der Abwehr irgendwie Stabilität einzuimpfen, die zuletzt beim 3:2 gegen Kamerun noch einmal Defizite offengelegt hatte.
"Vor einem halben Jahr, vor einem Jahr hat sich darüber schon jeder Sorgen gemacht. Wir haben nicht allzu viel Zeit", räumte Deschamps ein, dem am 10. Juni (Freitag) gegen Rumänien der erste EURO-Ernstfall bevorsteht. Denn die Erwartungen an Les Bleus sind gigantisch, wie bei der EM 1984 oder der WM 1998 soll der Heimtriumph gelingen.
Die ohnehin starke Offensive ist nun hingegen komplett, nachdem Antoine Griezmann (Atletico Madrid) nach dem verlorenen Champions-League-Endspiel zur Mannschaft gestoßen ist. Gegen die Schotten soll Griezmann auflaufen.
Österreich im Härtestest
In Wien (20.30 Uhr) wollen die Österreicher gegen die Niederländer ihre EM-Reife nachweisen. Das Team um Bayern Münchens Profi David Alaba könnte in Frankreich zu einer der großen Übrraschungen aufsteigen. Nach einer starken Qualifkation traut Alaba der Mannschaft "einiges zu. Wenn wir unsere Leistung bringen, dann ist viel möglich".
Die für die EURO nicht qualifizierten Niederländer werden aber ein echter Prüfstein. "Wir haben noch Luft nach oben", sagte Alaba nach dem sehr dürftigen Test gegen Malta (2:1), in dem er durch ein wahres Slapstick-Eigentor aufgefallen war. Trainer Marcel Koller war trotzdem "noch nicht nervös. Wir sind auf einem guten Weg". Von diesem könnten sie die Oranjes aber zumindest ein wenig abbringen.
Ebenfalls eine letzte EM-Standortbestimmung vor Augen haben am Samstag die Kroaten (gegen San Marino) und Deutschland-Bezwinger Slowakei im Duell mit dem deutschen Gruppengegner Nordirland sowie am Sonntag die hoch eingeschätzen Belgier (gegen Norwegen), Tschechien (gegen Südkorea), Russland (in Serbien), die Türkei (in Slowenien) und Schweden gegen Wales im direkten Duell zweier EM-Starter.
