Wales Fans 16062016Getty

EM: Brexit? Nein! England und Co sind weiter

Brexit? Nicht bei der EM! "Gut gemacht, Nordirland, Wales und England. Fantastisch, dass drei Home Nations weiter dabei sind", gratulierte Großbritanniens Premier David Cameron nach dem historischen Einzug des Trios ins Achtelfinale - und meinte ausdrücklich den Fußball, nicht die EU.

Als am Mittwoch auch noch Nachbar Irland hinzukam, war das unverhoffte Hoch über den britischen Inseln perfekt. "Alle weiter, wunderbar. Ich liebe es", freute sich Englands Fußball-Ikone Gary Lineker und bezog auch das irische Team in seinen Jubel mit ein. Kaum zu glauben: Noch 2008 hatten alle fünf Mannschaften von den Inseln bei der EM gefehlt, jetzt stehen vier in der K.o.-Runde.

Neue Helden und Freunde

"Home Nations", das meint seit jeher die vier Landesteile England, Wales, Nordirland und Schottland. Während die Schotten als einziges Team fehlen, sorgt der Rest in Frankreich für Furore. Das gilt für die Fans, die mit Songs wie "Will Grigg's on fire" (Nordirland), "Fields of Athenry" (Irland) oder schlicht "God save the queen" (England) für Gänsehaut sorgen, aber auch für Fußballer wie den Waliser Gareth Bale oder Irlands neuen Helden Robbie Brady.

Gerade Irland mag zwar politisch mit den Nachbarn wenig gemein haben, im Fußball haben sich die Beziehungen aber längst entspannt. Das gilt besonders für das Verhältnis zu Nordirland. Wo einst der Hass zwischen Katholiken und Protestanten für Spannungen sorgte, wird heute gemeinsam gejubelt. "Wir haben tolle Szenen gesehen. Es ist schön, dass Fans von beiden Seiten der Grenze dabei waren", sagte Nordirlands Teammanager Michael O'Neill.

Michael O'Neill ist Katholik, das ist zumindest bemerkenswert, wenn auch längst normal. Irland wiederum wird vom Nordiren Martin O'Neill trainiert, auch das wäre noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen. Immerhin haben beide Mannschaften aufgrund des jahrzehntelangen Konflikts bis heute erst zehn Länderspiele gegeneinander bestritten. Die kuriose Namensgleichheit der Trainer ist purer Zufall.

Schottland schmollend im Abseits

Auch zu den Fans aus Wales gibt es inzwischen gute Beziehungen. In Frankreich wird gemeinsam getrunken und gesungen, oft gegen den großen Rivalen England, doch auch dieses Feindbild ist längst nicht mehr so groß, wie es einmal war. Fast schon schade, dass es Samstag (18.00 Uhr) in Paris zwischen Wales und Nordirland nur einen Sieger geben kann. Gepfiffen wird die Partie von Martin Atkinson - einem Engländer.

Und Schottland? Steht im Abseits und schmollt. "Der Erfolg, den unsere Nachbarn bei der EM genießen, hat die Verzweiflung rund um unseren Fußball noch einmal größer werden lassen", schrieb die in Glasgow erscheinende Zeitung The Herald. Nationaltrainer Gordon Strachan konterte trotzig, er sei überzeugt, dass sein Team "besser als so mancher EM-Teilnehmer" sei. Auf Glückwünsche von David Cameron werden die Bravehearts trotzdem noch ein wenig warten müssen.

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