Wie es so ist nach Auslosungen, wird schnell nach der "Todesgruppe" gesucht. Das war im vergangenen Dezember nicht anders. Die Gruppenphase der EM wurde ausgelost und schnell war klar: Die Gruppe E mit den Mitfavoriten Belgien und Italien, Zlatan Ibrahimovics Schweden und Irland ist die am besten besetzte der Vorrunde. Aber wo dürfte es am unterhaltsamsten zugehen?
Goals Begeisterungsindex ist ein auf Opta-Daten basierender Logarithmus, der aus einer Vielzahl von Daten aus der EM-Qualifikation den Unterhaltungsfaktor der Teilnehmer bestimmt. Wenig überraschend wird die Gruppe A viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Hier spielt Gastgeber Frankreich, einer der Top-Kandidaten für den Titel in diesem Sommer.
Die Langweiler der Gruppe A
Die neutralen Zuschauer dürften allerdings noch nicht Feuer und Flamme für die Gruppe A sein, denn mit Albanien und Rumänien sind hier auch zwei der langweiligsten Mannschaften der Qualifikation zu finden. Die Rumänen lieferten zwischenzeitlich drei torlose Remis in Serie und in ihren 10 Partien fielen insgesamt nur 13 Treffer. Albanien erzielte die wenigsten Tore aller EM-Teilnehmer. Es waren nur deren sieben, zieht man den 3:0-Sieg am grünen Tisch gegen Serbien hier noch ab. Ein bisschen Hoffnung macht noch die Schweiz, die sich bei der vergangenen WM in Brasilien einen Sieben-Tore-Kracher mit Frankreich lieferte (Les Bleus siegten 5:2). Dennoch: Die Gruppe A mit zwei designierten Achtelfinalisten, wirkt vorhersehbar und langweilig.
In der Gruppe B ist es ähnlich, wobei hier noch der "Battle of Britain" zwischen England und Wales viel Brisanz garantiert. An Stolz und Leidenschaft sollte es hier nicht mangeln. Wales-Star Gareth Bale zum Beispiel erzählt immer wieder gerne die Geschichte, wie die FA versuchte, ihn für sich zu gewinnen. "Das war im wahrsten Sinne des Wortes ein Gespräch von einer Minute", erklärte er. "Ich sagte: 'Stop! Ich bin aus Wales, ich liebe Wales und jeder weiß, wie gerne ich für Wales spiele.' Das war nie eine Option für mich und wäre niemals passiert."
Auf der Insel wird es am 16. Juni vor dem Nachbarschaftsduell in Lens gewiss kein anderes Thema geben. Aber ist dann auch der Rest Europas elektrisiert? England war das torgefährlichste Team in der Qualifikation. Die Waliser auf der anderen Seite sind trotz Bale eine sehr defensiv-orientierte Mannschaft. Nur elf Treffer erzielten sie auf dem Weg zur EM. Bei Gegner Slowakei war Adam Nemec mit drei Treffern der beste Torschütze, was auch schon eine Menge aussagt. Und die Russen werden nach dem Trainerwechsel von Fabio Capello zu Leonid Slutsky vermutlich auch nicht plötzlich eine gut geölte Offensivmaschine sein.
Was den Begeisterungsindex angeht, rangiert die Gruppe E etwas überraschend nur auf dem vierten Platz. Die hochtalentierten Belgier schafften in zwei Qualifikationsspielen gegen Wales keinen Treffer. Und den Italienern mangelt es weiter an einem Stürmer von Weltklasseformat. Die Iren werden vermutlich wieder eher mit ihren einmaligen Fans die Herzen gewinnen, als mit Torfestivals. Etwas anders sieht es da schon bei den Schweden aus, die Zlatan Ibrahimovic in ihren Reihen haben. Der Angreifer schlug in der Qualifikation elfmal zu.
Überraschen die Tschechen?
Österreich hat eine bärenstarke Qualifikation hinter sich und schickte Ibras Schweden in die Playoffs. Nun trifft die Koller-Elf unter anderem auf Portugal. Dort ist Cristiano Ronaldo der überragende Spieler. Elf Tore erzielte er in der Qualifikation. Allerdings in der vermeintlich am schwächsten besetzten Gruppe. Island begeisterte mit seiner starken Kontertaktik, während die Ungarn mit insgesamt nur elf Treffern das EM-Ticket eintüteten.
Wer Tore sehen will, ist in der Gruppe C bestens aufgehoben. Polen und Deutschland stehen im Begeisterungsindex ganz oben, ihr Duell am 16. Juni auf der großen Bühne des Stade de France wird mit Spannung erwartet. Die Nachbarn trafen bereits in der Qualifikation aufeinander, es siegte jeweils die Heimmannschaft. Vermutlich wird es in jenem Duell in Saint Denis um den Gruppensieg gehen: Nordirland und die Ukraine sollten der Feuerkraft der beiden Favoriten nichts entgegenzusetzen haben.
Die auf dem Papier ausgeglichenste Gruppe ist die Gruppe D, in der Spanien, Tschechien, die Türkei und Kroatien die Klingen kreuzen. Vicente del Bosque, Coach der Furia Roja, erklärte: "Wir wissen, dass wir auf außerordentlich starke Gegner treffen." Titelverteidiger Spanien zählt zu den heißesten Anwärtern auf den Siegerpokal, spielerisch können ihm nur wenige Teams das Wasser reichen. Die Tschechen sind ein Geheimtipp, sie gewannen ihre Qualifikationsgruppe vor Island, der Türkei und den Niederlanden, obwohl sie in nur einer Begegnung zu Null spielten.
Die Türken sorgten ihrerseits dafür, dass der WM-Dritte Niederlande nicht nach Frankreich fährt. Dazu gesellen sich in dieser Gruppe noch die Kroaten, die mit den Spanien-Legionären Ivan Rakitic, Luka Modric und Mateo Kovacic über ein Mittelfeldtrio der Extraklasse verfügen. Ihr Duell mit der Seleccion dürfte heiß werden.
