GFX DFB StandardsGoal

Die DFB-Elf und die ruhenden Bälle: Wieder Standardprogramm?

Ecke Toni Kroos, Kopfball Mats Hummels: Dies war eine der erfolgreichen Varianten auf dem Weg zum deutschen Weltmeister-Titel 2014. Durch Standards werden Spiele entschieden – diese Lektion lernten Deutschland und auch Trainer Joachim Löw während des Turniers am Zuckerhut. "Wir haben es intensiv trainiert, Trainingszeit dafür geopfert",  verriet Löws damaliger Assistent Hansi Flick über die Vorbereitungsphase. 

Das Ergebnis konnte sich sehen lassen: Sechs Tore resultierten aus ruhenden Bällen, das war genauso Topwert der WM wie die vier Treffer nach Eckstößen. Schaut man sich die Tore im Einzelnen an, waren sie tatsächlich fast immer ein entscheidender Faktor im Spielverlauf. 

- In der Gruppenphase erzielte Miroslav Klose im engen Spiel gegen Ghana den 2:2-Endstand nach einem Eckball.

- Das entscheidende 1:0 gegen die USA durch Thomas Müller fiel ebenfalls nach einer Ecke.

- Im Viertelfinale gegen Frankreich traf Mats Hummels zum 1:0-Endstand gegen Frankreich nach einem Freistoß von Toni Kroos.

- Kroos war auch derjenige, der per Eckstoß (Torschütze Müller) den Torreigen im Halbfinale gegen Brasilien eröffnete.

Trainiert Löw wieder Standards?

Deutschland war also auch ein Weltmeister der Standardsituationen. Trainiert Löw vor dem Turnier in Frankreich nun wieder verstärkt ruhende Bälle oder gehört diese Waffe inzwischen zur Standardausrüstung der DFB-Elf? Eher nicht, wie es scheint. In den 19 Länderspielen nach dem WM-Titel erzielte Deutschland nur noch sechs weitere Tore nach diesen wichtigen Situationen. Drei davon waren Elfmeter, also keine einstudierte Variante. 

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Betrachtet man speziell die deutsche Stärke nach Ecken bei der WM 2014, war diese schlichtweg herausragend. Aus 37 Eckstößen erzielte man vier Treffer. Zumeist trat Toni Kroos die einstudierten Varianten in die Mitte, wo die kopfballstarken Mats Hummels, Jerome Boateng oder Benedikt Höwedes warteten. Doch seither herrschte wieder etwas Flaute in den gegnerischen Strafräumen, denn von 145 Ecken der deutschen Mannschaften in Freundschafts- oder Qualifikationsspielen wurden nur drei im Tor untergebracht. Zuletzt traf Max Kruse vor gut einem Jahr gegen Gibraltar auf Vorlage von Mesut Özil.

Rechtzeitig vor dem Showdown in Frankreich scheint sich das Trainerteam wieder an eine viel zitierte Weisheit erinnern. In einem Spiel zweier Mannschaften, die sich auf Augenhöhe begegnen, sind Standards - und speziell Eckbälle - oftmals der Schlüssel zum Sieg. "Wir haben uns da ein bisschen mehr Zeit genommen", bestätigte Löw das Trainieren von Standardsituationen gegenüber der Süddeutschen Zeitung kurz vor Turnierstart. Wie schon während der WM 2014 gibt es einen Art Wettbewerb zwischen verschiedenen Teams, wer sich die kreativsten Varianten einfallen lässt. 

Ob auch die direkt ausgeführten Freistöße auf dem Trainingsplan stehen? Trotz Schützen wie Mesut Özil, Toni Kroos oder dem nun verletzten Marco Reus erzielte Deutschland seit über neun Jahren (!) kein direkt ausgeführtes Freistoßtor. Im Februar 2007 traf Torsten Frings in einem Freundschaftsspiel gegen die Schweiz zuletzt so ins Schwarze.

Gegnerische Standards bereiten Löw Sorgen

Einen Freistoß-Experten zu finden ist das kleinere Problem, wenn man auf der anderen Seite die Unordnung bei gegnerischen Standardsituationen betrachtet. Sechs der vergangenen 12 Gegentore resultierten aus Eckbällen. Allein bei den Niederlagen in den Freundschaftsspielen gegen die Slowakei (1:3) und England (2:3) in diesem Jahr fing sich die deutsche Mannschaft jeweils zwei Tore auf diese Art und Weise.

Diese Schläfrigkeit wird der Bundestrainer seiner Mannschaft austreiben müssen. Denn in der Vergangenheit entschieden ruhende Bälle oftmals Spiele zu Ungunsten der Deutschen. Zwei Beispiele gefällig: Im EM-Halbfinale 2012 gegen Italien erzielte Mario Balotelli im Anschluss an eine deutsche Ecke das vorentscheidende 2:0, das WM-Halbfinale 2010 gegen Spanien (0:1) wurde durch einen Kopfball von Carles Puyol nach einem Eckball entschieden.

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