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DFB-Team: Wenn alles anders kommt

Um 11.45 Uhr traf Jonathan Tah in Evian-Les-Bains ein. Komplett in weiß gekleidet erschien der als Ersatz für den verletzt abgereisten Antonio Rüdiger nachnominierte Innenverteidiger am Donnerstag im Mannschaftshotel der deutschen Nationalmannschaft. Wenig später sagte Teammanager Oliver Bierhoff auf der Pressekonferenz: "Er übernimmt alles von Rüdiger - Rückennummer, Hotelzimmer und so weiter."

Was Tah hingegen nicht übernehmen wird, ist der mindestens im ersten EM-Gruppenspiel gegen die Ukraine am Sonntag (21.00 Uhr im LIVE-TICKER) vakante Platz neben Jerome Boateng in der Abwehrzentrale. Weil Mats Hummels noch kein Thema für die Startelf ist, hatte Bundestrainer Joachim Löw in den vergangenen Tagen einen temporären Stellvertreter gesucht und schien gerade in Rüdiger fündig geworden zu sein, da riss der sich bei der ersten Trainingseinheit im Gastgeberland Frankreich das Kreuzband. Der erste Tag, die erste Hiobsbotschaft.

Kurzzeitig war die Stimmung getrübt, am Donnerstag forcierten die Verantwortlichen dann eine Rückkehr zur Normalität. Einerseits, stellte Löw klar, sei das Abschneiden bei der EM nicht von Einzelschicksalen abhängig. "Wir schrauben unsere Ansprüche nicht nach unten - auch, wenn einige Spieler ausfallen, die in meinen Planungen noch vor Wochen eine wichtige Rolle gespielt haben", sagte der Bundestrainer und spielte damit auf Ilkay Gündogan, Marco Reus und eben Rüdiger an. Andererseits sei man von Nachrücker Tah überzeugt. 

Löw wollte "Eins-zu-Eins"-Ersatz für Rüdiger

Anders als vor zwei Jahren, als Löw Offensivspieler Marco Reus durch Defensivspezialist Shkodran Mustafi ersetzte, wollte er diesmal "bewusst eine Situation schaffen, Toni Eins-zu-Eins ersetzen. Wir haben daher einen Spieler nachnominiert, der nominell auf dieser Position spielen kann".

Tah habe schon vor der EM zum engeren Kreis gezählt. "Wir hatten Jonathan ohnehin auf dem Radar. Er zählte zum erweiterten Kreis. Bei ihm weiß ich, dass er sehr professionell arbeitet. Deshalb mache ich mir keine Gedanken, dass etwas nicht passen könnte. Ich bin überzeugt, dass wir ihn in wenigen Tagen im Mannschaftstraining voll integrieren können."

Tah selbst hatte zwar auf eine EM-Nominierung gehofft, sich inzwischen aber längst damit abgefunden, den Juni nicht im Umfeld des DFB-Teams, sondern als Urlauber in Miami zu verbringen. "Im Endeffekt ist es okay für mich", sagte Tah noch Ende Mai im exklusiven Goal-Interview, nachdem er keine Berücksichtigung in Löws 27er-Kader gefunden hatte: "Ich muss das so akzeptieren und weiß, dass ich einfach noch mehr an mir arbeiten muss, damit Joachim Löw irgendwann sagt, den muss ich mitnehmen, weil er sich so verbessert hat. Das ist mein Ziel." Und dann kam alles anders, plötzlich ist er doch noch dabei. 

Höwedes oder Mustafi?

Löw muss nun erneut umplanen. Neben Boateng ist Jonas Hector die einzige Konstante in der deutschen Defensive. Erste Optionen für die ursprünglich Rüdiger zugedachte Rolle sind nun der eigentlich für die Rechtsverteidiger-Position eingeplante Benedikt Höwedes sowie Shkodran Mustafi. Klar scheint dagegen, dass Löw auf eine Viererkette setzen wird.

Entscheidet sich Löw für Höwedes, hätte Joshua Kimmich gute Karten, als Rechtsverteidiger den Zuschlag zu bekommen. Bringt er Mustafi im Abwehrzentrum, hätte dies den Vorteil, dass er seine geplante Abwehr-Formation nur auf einer Position ändern müsste. 

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"Ich habe immer gesagt, dass wir nicht jammern werden. Wir werden versuchen, aus den uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten das Beste zu machen", machte Löw deutlich. Die Situation sei schließlich nichts Neues. "Ich kenne das aus vielen Turnieren der letzten Jahre. Es ist immer wieder mal etwas passiert, auf das wir reagieren mussten. Für mich ist es am wichtigsten, dass wir immer Lösungen dafür finden." Jetzt muss er sich nur noch für eine entscheiden. 

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