*NO GALLERY* Joachim Löw DFB TeamGetty Images

DFB-Team: Vier Wochen als Sprungbrett


HINTERGRUND

So wirklich etwas verraten konnte Joachim Löw noch nicht. Der Bundestrainer geriet schwer ins Grübeln, als er am Montagnachmittag im Bauche des Bröndby Stadions gefragt wurde, welche Details er denn bezüglich seiner Aufstellung preisgeben könne.

Roman Neustädter im Goal-Interview

"Alles, was ich jetzt sage, würden Sie mir nachher vielleicht um die Ohren hauen", entgegnete Löw. Gut 27 Stunden vor dem Testspiel gegen Dänemark (Dienstag, 20.45 Uhr im LIVE-TICKER) hatte er noch keine Ahnung. Sein Tross hatte sich schließlich erst wenige Stunden zuvor in Kopenhagen versammelt, das erste gemeinsame Training fand am Abend nach der Pressekonferenz statt. 

Löw erwartet dementsprechend einen "Kaltstart in interessante Wochen". Seinen Leistungsträgern gönnt er einen ausgiebigen Urlaub, stattdessen tummeln sich Perspektivspieler und Neulinge in seinem Kader. "Für uns wird es eine Überraschung. Nur ein Tag Vorbereitung, ein neues Team. Ich kann nicht sagen, was passieren wird."

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Angesichts des Programms, bestehend aus dem Test gegen Dänemark, dem WM-Qualifikationsspiel gegen San Marino und dem nicht allseits beliebten Confed Cup in Russland, könnte man ja meinen, es sei ohnehin ziemlich unerheblich, wie und mit welchem Personal Löw die deutsche Nationalmannschaft durch diese vier Wochen andauernde Phase manövriert. Das allerdings wäre weit gefehlt. 

"Über allem steht die WM 2018 und der erneute Titelgewinn, das ist die Vision. Eine Mission auf dem Weg dahin ist die Teilnahme am Confed Cup", erklärte Löw in aller Deutlichkeit gegenüber dem SID. Nach der Europameisterschaft und dem Halbfinal-Aus gegen Frankreich hätte er auch seichtere Töne anschlagen können. Tat er aber nicht. Der Weltmeister will Weltmeister bleiben, den Titel verteidigen. 

Podolski und Schweinsteiger als Beispiele

Das klare Ziel sei es also, bis zum Turnierstart am 14. Juni kommenden Jahres "drei oder vier, vielleicht sogar fünf Spieler so weit zu bekommen, über den Confed Cup und die nächste Saison, dass sie in der Lage sind, Druck zu machen auf unsere etablierten Spieler, wenn es 2018 um den Titel geht". Und das sei "natürlich" möglich, erklärte Löw und erinnerte an zwei Nationalspieler, die eine Ära geprägt haben.

Der Confed Cup und die Phase drumherum, das ist Löw wichtig, soll als Sprungbrett dienen. Die Debütanten sollen sich nachhaltig aufdrängen, junge, bereits erfahrene Nationalspieler wie Julian Draxler oder Shkodran Mustafi (noch) mehr Verantwortung übernehmen. So wie es Lukas Podolski und Bastian Schweinsteiger 2005 getan haben. 

Podolski, der 2004 debütiert und in seinen ersten zwölf Länderspielen vier Tore erzielt hatte, traf während des Confed Cups in Deutschland vor zwölf Jahren dreimal in vier Einsätzen. Schweinsteiger, zuvor mit zwei Treffern in 14 Partien, glänzte mit zwei Toren. Beide schafften seinerzeit endgültig ihren Durchbruch, so sieht es zumindest Löw. "Beim Confed Cup lernt man einiges. Poldi und Schweini sind damals unglaublich gewachsen und waren ein Jahr später nicht mehr aus der ersten Elf wegzudenken." Dieses Turnier, betonte er also einmal mehr, könne "ein wichtiger Schritt" sein. 

Für viele seiner Spieler geht es erst einmal darum, sich im Kreise des DFB-Teams zu akklimatisieren. Auf nur 150 Länderspiele kommt das Perspektivteam von Löw, gleich sieben Spieler haben noch gar kein Länderspiel bestritten. Von den 2014er Weltmeistern sind mit Draxler, Mustafi und Matthias Ginter bloß drei Akteure dabei. 

Gesucht: Jung und verantwortungsbewusst

"Wir möchten", sagte Löw, "Spieler auf ein anderes Niveau heben. Das zu schaffen, ist mir wichtig." Gegen Dänemark muss er dabei auf seinen vielleicht vielversprechendsten Schützling verzichten: Timo Werner von RB Leipzig wird fehlen, der Torjäger sagte aufgrund von Magen-Darm-Problemen kurzfristig ab, soll aber in den nächsten Tagen wieder zum Kader stoßen. 

In jedem Fall werde es eine "spannende Geschichte". Man werde, ist sich Löw sicher, "im Laufe der vier Wochen sehen, welcher Spieler die Gabe hat, Verantwortung zu übernehmen." Neben Draxler und Mustafi sind der Gladbacher Kapitän Lars Stindl, Sandro Wagner (1899 Hoffenheim), Joshua Kimmich (FC Bayern), Emre Can (FC Liverpool) sowie Leon Goretzka (Schalke 04) potenzielle Kandidaten. Aber auch all die anderen sollen ihre Chance bekommen. 

"Mein Ziel ist, allen Spielern, die dabei sind, möglichst viele Einsatzzeiten zuzugestehen. Ich möchte nicht jedes Spiel mit der gleichen Mannschaft spielen und nur punktuell wechseln", kündigte Löw an. Jeder wird seine Möglichkeit bekommen, damit ihm bloß kein Weltmeister von morgen durch die Lappen geht. 

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