Stelldichein der Trainer-Elite 100 Tage vor dem Start der EURO 2016 an der Seine: Weltmeister-Macher Joachim Löw und seine 23 Kollegen sowie Delegationen der teilnehmenden Verbände treffen sich am Mittwoch und Donnerstag zum Workshop in Paris. Damit beginnt für Löw und die anderen Trainer der Countdown auf die Europameisterschaft in Frankreich (10. Juni bis 10. Juli).
Allerdings hat der Bundestrainer einige Baustellen vor der Brust, es betrifft vor allem die Stars Bastian Schweinsteiger, Mario Götze und Jerome Boateng. Und zwei Protagonisten des WM-Finales 2014 gegen Argentinien, Siegtorschütze Götze und Vorbereiter Andre Schürrle, sind zurzeit sogar nur noch Ergänzungsspieler.
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Beim 2:0-Erfolg von Rekordmeister Bayern München beim VfL-Wolfsburg saß Götze 90 Minuten auf der Bank, Schürrle musste bis zur 72. Minute auf seine Einwechslung bei den Wölfen warten. 18 Tage vor der Nominierung von Löw für die ersten beiden Länderspiele des Jahres am 26. März in Berlin gegen England in Berlin und drei Tage darauf in München gegen Italien sind die beiden Weltmeister nur noch zweite Wahl.
Doch das sind nicht die einzigen Probleme von Löw, der knapp drei Monate nach den verheerenden Terroranschlägen von Paris diese Woche wieder in die französische Hauptstadt reist. Die Trainer der 24 Teams werden in der Nähe des Eiffelturms auf das Turnier eingestimmt.
"0,00 Prozent" Zweifel
Löw, der ebenso wie sein Stab derzeit in der Bundesliga und in halb Europa seine Kandidaten unter die Lupe nimmt, muss sich auch um seinen Kapitän Schweinsteiger und vor allem um Abwehrchef Boateng sorgen, der wegen einer schweren Muskelverletzung frühestens im April wieder trainieren kann. "Er schafft das", sagt Löw, der Schweinsteiger stützt. "Er ist nach wie vor ein Weltklasse-Spieler und unumstritten unser Kapitän", hatte der 56-Jährige unlängst festgestellt, als sich sein derzeit angeschlagener (Innenbandanriss) emotionaler Leader nach schwachen Leistungen für Manchester United auf der Insel heftig kritisiert wurde. Schweinsteiger selbst hat "0,00 Prozent" Zweifel - er glaubt fest, rechtzeitig seine EM-Form zu finden.
In Schalke-Kapitän Benedikt Höwedes, der auch auf der vom DFB veröffentlichen Liste der 31 EM-Kandidaten steht, ist ein weiterer WM-Champion wegen einer Muskelverletzung noch einige Zeit außen vor. Und Holger Badstuber, dem noch Außenseiterchancen für die EM eingeräumt worden waren, wurde von einer Knöchelfraktur erneut zurückgeworfen.
Löw bleibt (noch) ruhig
Löw bleibt trotz dieser Verletzungen noch ganz ruhig. Schließlich gab es vor der WM in Brasilien in Torwart Manuel Neuer oder auch Schweinsteiger und Sami Khedira drei Sorgenkinder, die dann durch gezielte Arbeit im Trainingslager wieder rechtzeitig fit wurden. Richtig fit werden muss offenbar auch wieder Khedira, der nach seinen schwachen Leistungen für Juventus Turin gegen Bayern München in der Champions Liga und gegen Inter Mailand von der italienischen Presse kritisch beurteilt wurde.
Nicht stabil sind in dieser Saison aus unterschiedlichen Gründen auch die Leistungen von Karim Bellarabi und Christoph Kramer (beide Leverkusen), Schalkes Aufsteiger Leroy Sane, Lukas Podolski (Galatasaray Istanbul) und Schürrles Teamkollegen Julian Draxler und Max Kruse. Löw dürfte sich auch bei diesen Profis Gedanken machen müssen.
Es gibt aber auch positive Nachrichten für Löw. Der vor der WM aussortierte Mario Gomez trifft für Besiktas Istanbul fast nach Belieben. "Ich weiß, wenn ich bei 100 Prozent bin, dann habe ich gute Chancen dabei zu sein - und genau in dieser Situation befinde ich mich jetzt", sagte der 30-Jährige im Interview mit der Bild am Sonntag.
