Joachim Löw wirkte entspannt. Er hatte zuletzt mehrfach betont, mit dem Auftaktspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen die Ukraine zufrieden gewesen zu sein. Auch er wird allerdings registriert haben: Um Robert Lewandowski in den Griff zu bekommen, bedarf es mehr defensiver Stabilität. Eine Rückkehr von Mats Hummels käme da gerade recht.
Ob der Bald-Münchner in der Startaufstellung stehen wird, wenn die DFB-Elf am Donnerstag im Stade de France auf Polen trifft (21 Uhr im LIVE-TICKER), wollte oder konnte Löw auf der Pressekonferenz am Mittwochabend jedoch nicht verraten.
Den im DFB-Pokalfinale erlittenen Muskelfaserriss in der Wade hat Hummels auskuriert, zuletzt trainierte er zweimal mit der Mannschaft. "Allerdings waren es keine allzu langen Einheiten, von daher ist es für mich wichtig, jetzt noch das Abschlusstraining zu sehen", gab Löw zu bedenken und kündigte an, nach der Einheit sowohl mit der medizinischen Abteilung als auch mit Hummels selbst zu sprechen und danach über einen Einsatz zu entscheiden.
"Sollte er irgendwelche Probleme haben oder sich nicht hundertprozeitig fit fühlen, werde ich kein Risiko eingehen", so Löw. Goal vermutet: Hummels kann spielen.
Schweinsteiger erneut in der Joker-Rolle
Ganz sicher spielen wird derweil Manuel Neuer. "Er wird wieder Kapitän sein", verriet Löw. Damit ist auch klar, dass auf der Sechs erneut Sami Khedira und Toni Kroos auflaufen. Bastian Schweinsteiger wird indes erneut die Jokerrolle zuteil.
Zwar spüre man bei Schweinsteiger jeden Tag, "dass er kleinere Fortschritte macht, was seine körperliche Verfassung betrifft. Er hat aber noch nicht die Kraft für 90 Minuten", erklärte Löw. Sehrwohl sei der etatmäßige Spielführer sehr wichtig für die deutsche Auswahl. "Seine Rolle neben dem Platz", sagte Löw, "ist in den vergangenen Jahren permanent wichtiger geworden. Er ist ein Führungsspieler, ein emotionaler Leader, der in der Mannschaft viel Gehör findet und Einfluss auf die anderen Spieler hat."
Mit all seiner Erfahrung sei der 31-Jährige "auch für mich ein wichtiger Ansprechpartner, weil er jemand ist, der mitdenkt". Gut möglich, dass sich Löw mit seinem langjährigen Weggefährten auch bezüglich der Position in vorderster Front ausgetauscht hat. Er muss sich schließlich erneut entscheiden zwischen den beiden Marios. Zwischen Götze und Gomez.
"Es hängt manchmal vom Bauchgefühl ab"
"Beide werden Einsatzzeiten bekommen, weil beide in einer guten Form sind", kündigte Löw an. Zudem sprang er Mario Götze zur Seite. Ihn habe er gegen die Ukraine nicht so schlecht gesehen, wie er teilweise bewertet wurde. Götze sei "wahnsinnig viel gelaufen" und habe wichtige Räume geschaffen.
Also: Götze oder Gomez? "Beides würde morgen gegen Polen sehr gut passen", gab sich Löw verschlossen. Aber woran macht er seine Entscheidung schlussendlich überhaupt fest?

"Wir schauen schon auch auf den Gegner: Was hat er für Abwehrspieler, wo ist er verwundbar? Manchmal hat ein Gegner etwa Probleme, wenn unsere Mannschaft mit scharfen Flanken über die Außen kommt. Dann ist ein Spieler wie Mario Gomez jemand, der so etwas liebt und herrvorragend ausnutzen kann", erklärte Löw auf Goal-Nachfrage: "Wenn der Gegner aber vermehrt im Zentrum Probleme hat und wir versuchen, primär durch die Mitte zu spielen, ist Götze als Anspielstation und Ballverteiler wichtig. Gerade wenn der Gegner ganz, ganz tief um den Strafraum herum steht."
Löw schätzt beide Akteure. "Es hängt dann auch manchmal von meinem Bauchgefühl ab", sagte der 56-Jährige bezüglich seiner Entscheidung. Goal meint: Löw setzt vor Thomas Müller, Mesut Özil und Julian Draxler erneut auf Götze.
Polen "eine der stärksten Konter-Mannschaften"
Auch sonst dürfte es keine personellen Veränderungen geben. Jonas Hector, Jerome Boateng und Benedikt Höwedes sind gesetzt. "Wenn eine Mannschaft gut und erfolgreich spielt, gibt es eigentlich keinen Grund, sie zu verändern", stellte Löw klar, schränkte aber ein: "Trotzdem sage ich nicht: Es muss immer die gleiche Mannschaft spielen."
Vor den "weißen Adlern" habe er indes Respekt. "Sie sind sehr gut organisiert und haben hervorragende Individualisten. Die Mannschaft ist darauf ausgelegt, schnell umzuschalten. Das machen sie noch besser als die Ukraine, weil sie noch variablere Spieler haben." Polen zähle zu den "stärksten Konter-Mannschaften, die ich in den letzten zwei Jahren gesehen habe".
Primär aber muss Deutschland Robert Lewandowski in den Griff bekommen. Mit einem Mats Hummels im Vollbesitz seiner Kräfte wäre diese Mammutaufgabe gewiss einfacher zu bewältigen.
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