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Deutsches Defensiv-Problem gelöst?

"In der Defensive hatten wir ganz ehrlich gesagt Probleme", drückte sich Bundestrainer Joachim Löw nach dem 1:3 gegen die Slowakei vor knapp vier Wochen noch vorsichtig aus. Echte Sorgen um die defensive Stabilität machte sich auch das deutsche Fußball-Volk nach der "Wasserschlacht" in Augsburg, bei der nach einem schweren Gewitter die Halbzeit um 25 Minuten verlängert werden musste.

Zwar konnte das  Freundschaftsspiel aufgrund der Witterungen und Personalien (u.a. fehlten Neuer, Hummels, Kroos, Özil und Müller) nicht wirklich als Härtetest hergenommen werden, dennoch war die Abwehr zu jener Zeit eine echte Baustelle. In acht Länderspielen in Folge war Deutschland zu jenem Zeitpunkt ohne Weiße Weste geblieben und hatte dabei gegen England (2:3) und eben jene Slowaken drei Gegentore hinnehmen müssen - jeweils zwei resultierten aus gegnerischen Ecken. 

Ohne Gegentor durch die Gruppenphase

Wofür ein Trainingslager nicht alles gut sein kann. Offensichtlich haben sich Löw und seine beiden Co-Trainer Thomas Schneider und Marcus Sorg viel Zeit genommen, diese Baustelle zu schließen. Denn: In den drei Partien der Gruppenphase kassierte Deutschland noch kein Gegentor. Was kein Standard für den Welmeister ist. Seit 1996 hatte die Nationalmannschaft bei keinem großen Turnier eine Vorrunde ohne Gegentreffer überstanden! Welch gutes Omen, dass Deutschland vor 20 Jahren auch zum bisher letzten Mal Europameister wurde...

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Neben Gruppengegner Polen ist Deutschland die einzige Mannschaft ohne Gegentor. Nach dem wackligen Start gegen die Ukraine stand die deutsche Abwehr sehr sicher, gegen Polen musste Manuel Neuer nicht einmal eingreifen. 14 gegnerische Schüsse ließen Löws Schützlinge im Turnierverlauf zu - Bestwert. Mit nur 31 Fouls, ebenfalls die wenigsten im Vergleich, hat die Mannschaft zudem unnötige Freistoßsituationen vermieden. Klar ist: Wenn das Herzstück mit Jerome Boateng und Mats Hummels fit und in Form ist, sind die beiden die potenziell besten Innenverteidiger der EM. Dazu wissen sie in ihrem Rücken mit Manuel Neuer einen Schlussmann, an dessen Weltklasse man - gemessen an den bisherigen Eindrücken - überhaupt keinen Zweifel hat.

Am Sonntag wartet mit der Slowakei (ab 18 Uhr im LIVE-TICKER) kein furchteinflößender Gegner. Wären da nicht die Erinnerungen an den 29. Mai dieses Jahres. Da leitete der Schlüsselspieler in den Reihen der Slowaken, Marek Hamsik, mit einem fulminanten Schuss zum 1:1 (Mario Gomez hatte Deutschland in Führung gebracht) in der 41. Minute die Wende in Augsburg ein. Neben Hamsik gilt es vor allem auf Vladimir Weiss zu achten, der das zweite Tor gegen Deutschland vorbereitete und bei der EM auf der linken Außenbahn bisher viel Alarm machte.  

Der slowakische Trainer Jan Kozak hatte nach dem 3:2-Sieg im Mai zugegeben, dass seine Mannschaft mit "viel Respekt, vielleicht sogar Angst" in die Partie beim amtierenden Weltmeister gegangen sei. Diese dürfte spätestens nach dem überraschenden Sieg bei der Wasserschlacht verflogen sein. Am Sonntag sagt der Wetterbericht für Lille übrigens leichte Regenschauer voraus.

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