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Benjamin Hoffmann hatte keinen einfachen Job übernommen. Er folgte im Spätsommer letzten Jahres auf Hannes Wolf als U19-Trainer von Borussia Dortmund, der beim VfB Stuttgart in der 2. Bundesliga zum Chefcoach gemacht wurde. Mitten in der Saison. Doch Hoffmann hatte keine Anlaufschwierigkeiten, kannte er doch einige Spieler schon aus seiner Zeit als U17-Trainer des BVB.
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Trotzdem war die Saison alles andere als einfach. Durch die Teilnahme an der UEFA Youth League hatte seine junge Mannschaft viele englische Wochen und musste einige Spieler aufgrund von schweren Verletzungen ersetzen. Davon ließen sich er uns seine Mannschaft aber nicht unterkriegen. Der Lohn: Die Westdeutsche Meisterschaft am vergangenen Wochenende und die Teilnahme an der Endrunde um die deutsche U19-Meisterschaft.
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Am Dienstag stand das Halbfinal-Hinspiel beim VfL Wolfsburg an. Der BVB gewann mit 3:2 und sicherte sich die perfekte Ausgangssituation für das Rückspiel am kommenden Montag. Goal sprach nach dem Spiel mit einem sichtlich zufriedenen Benjamin Hoffmann über die Endrunde, die Youth League und welchen Vorteil diese nun bringt.
Benjamin Hoffmann, ein 3:2-Sieg beim bis dato ungeschlagenen VfL Wolfsburg im Halbfinal-Hinspiel um die Deutsche Meisterschaft. Ein Ergebnis, das so nicht zu erwarten war, oder?
Benjamin Hoffmann: Man hat am Ende gesehen, dass es eben doch Jugendfußball ist, der hier stattgefunden hat. Die Jungs sind alle sehr nervös ins Spiel gestartet und es sind viele Fehler passiert. Deshalb überrascht mich die Vielzahl der Tore nicht. Aber es steht für uns im Prinzip "nur" 1:0 im Halbfinale. Wir gehen jetzt nicht nach Hause und sagen: 'Yeah, wir haben das erste Spiel gewonnen'. Wir wollen es nicht übertreiben - auch weil es keine Auswärtstorregel gibt wie in der Champions League.
Eine Endrunde um die Meisterschaft ist der Lohn für eine starke Saison. Viele Spieler haben so etwas nicht das erste Mal erlebt.
Hoffmann: Das ist richtig. Die Jungs sind 98er- und 99er-Jahrgänge und kennen die Situation mit der Endrunde. Einige haben die U17-Meisterschaft gewonnen, andere die U19-Meisterschaft im vergangenen Jahr. Ich hoffe, dass wir auf diese Erfahrung bauen können.
Ist das am Ende der ganz große Vorteil im Rennen um die Meisterschaft?
Hoffmann: Das kann sein. Es ist aber zumindest ein Punkt, den man nicht vergessen darf.

In Wolfsburg waren 2.145 Fans vor Ort. Das ist im Jugendfußball nicht alltäglich.
Hoffmann: Die Zahl ist schon eine Ansage. Aber es ist für uns keine ungewohnte Situation. Wir haben in der Youth League vor 10.000 Zuschauern gespielt und diese Fans waren richtige Schlachtenbummler. Da habe ich die Jungs auf dem Feld überhaupt nicht erreicht. Die Spieler aus dem 98er-Jahrgang haben im letzten Jahr auch vor 13.000 Fans im Dortmunder Stadion gespielt. Das war heute etwas anders. Deshalb ist das für uns keine ungewöhnliche Situation. Zudem spielen viele in der Nationalmannschaft und kennen dieses Gefühl sehr gut.
Die BVB-U19 ist am vergangenen Wochenende Westdeutscher Meister geworden, hat in der Youth League gespielt. Es ist schon jetzt eine erfolgreiche Saison.
Hoffmann: Das stimmt - aber wir sind noch nicht am Ende. Wir sind hungrig auf Titel. Das haben wir in den vergangenen Jahren bewiesen. Ich ziehe nach jedem Spiel den Hut vor meinen Spielern. So viele Hüte habe ich eigentlich überhaupt nicht zu Hause (lacht). All die Hürden, die wir nehmen mussten - auch heute - haben wir weggesteckt. Der Dank und das Lob von Michael Zorc und Hans-Joachim Watzke in der Kabine war schon etwas Besonderes heute.
Wie wichtig ist für die Mannschaft die Erfahrung in der Youth League in dieser Saison gewesen?
Hoffmann: Es ist ein Wettbewerb, der in Deutschland viele Fragezeichen aufwirft. Die Jungs sind drei Tage raus aus der Schule, es gibt nur drei anstatt vier Wechsel. Dementsprechend fahren Spieler mit, die einfach nur Zuschauer sind. Durch die vielen englischen Wochen hat uns in der Saison viel Substanz gefehlt. Dass wir es zum Ende dann doch gepackt haben, ist gut. Jetzt profitieren wir von der Erfahrung. Wir spielen englische Wochen vor vielen Zuschauern und im Live-Fernsehen. Das kennen wir. Dementsprechend gibt es einen positiven Effekt.
Einige Spieler werden am Ende der Saison die Jugendkarriere beenden und steigen in den Senioren-Bereich auf. Welchen Spielern trauen Sie den Sprung in den Profibereich zu?
Hoffmann: Mit Felix Passlack und Christian Pulisic haben es ja schon zwei geschafft. Die klammere ich jetzt einmal aus. Mit Jacob Bruun Larsen und Dzenis Burnic haben wir zwei Spieler, die schon Profiluft schnuppern durften. Dzenis hat in Darmstadt und in Lissabon gespielt, Larsen hat im DFB-Pokal gegen Union mit dafür gesorgt, dass die Profis in Berlin das Finale spielen dürfen. Das sind zwei Jungs, die zum Profikader gehören werden. Sicherlich hat man heute auch gesehen, wie wichtig Orel Mangala für uns ist und welches Potenzial der Junge hat. Er wird seinen Weg sicherlich in höheren Regionen im Profifußball gehen.
Im Sommer steht die Europameisterschaft der U19 auf dem Programm. Wie wichtig sind solche Turniere für die Entwicklung der Jugendspieler?
Hoffmann: Sehr wichtig! Die Jungs lieben die Herausforderungen und sie lieben es, sich zu messen. Sie wollten deshalb auch zum Beispiel alle in der Youth League spielen und den Wettbewerb annehmen. Es sind internationale Spiele gegen den FC Barcelona und Real Madrid. Manche werden in ihrer Karriere nie wieder gegen solche Mannschaften spielen. Genau das Gleiche gilt für die Nationalmannschaft. Die Jungs, die dort sind, haben das Talent, um den nächsten Schritt zu gehen. Aber auch das heißt nicht, dass sie in der Bundesliga durchstarten und Millionäre werden. Die Jungs wollen sich dort messen und sind jedes Mal glücklich über eine Nominierung.
