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Bastian Schweinsteiger

Bastian Schweinsteiger gegen Frankreich: Der tragische Held

23:00 MESZ 07.07.16
Bastian Schweinsteiger Joachim Löw Low Germany Deutschland Frankreich France EC EM 07072016
Bastian Schweinsteiger zeigte 40 Minuten lang seinen wohl besten Fußball seit zwei Jahren. Bis eine Aktion alles veränderte. Und der Kapitän samt seiner Crew unterging.

Ein paar Minuten, einige Wackler und etliche Fehlpässe brauchte die deutsche Nationalmannschaft, um sich ins EM-Halbfinale reinzufuchsen. Dann war die Elf von Joachim Löw da und dominierte Frankreich streckenweise in beeindruckender Manier. Mittendrin: Bastian Schweinsteiger. Kurz vor der Pause folgte die spielentscheidende Aktion. Mittendrin: wieder der Kapitän. 

Nach einer Ecke Antoine Griezmanns hatte er seine Arme da, wo sie nicht hingehören. Und weil auch noch der Ball von Patrice Evra dorthin flog, zeigte Schiedsrichter Nicola Rizzoli auf den Punkt - zu Recht. Dieser so unschuldig dreinblickende Griezmann stellte kurz darauf einmal mehr seine Eiseskälte unter Beweis und netzte zum 1:0 ein.

Vom Bundestrainer kamen im Nachgang keine Vorwürfe: "Das war einfach unglücklich", befand Joachim Löw, während der zutiefst enttäuschte Schweinsteiger in der Mixed Zone meinte, er könne sich nicht erklären, "warum die Hand hochging. Vielleicht geschieht das automatisch, ein Reflex, weil man den Ball irgendwie abwehren will".

Das Gegentor dürfte sich für die Deutschen angefühlt haben wie ein Schlag in die Magengrube, hatten sie Frankreich doch gerade so gut im Griff. Auch Schweinsteiger überzeugte - in spezieller Rolle. Im eigenen Ballbesitz ließ er sich weit zwischen die Innenverteidiger Benedikt Höwedes und Jerome Boateng zurückfallen. So weit, dass er im Spielaufbau oftmals letzter Mann war und von dort aus die Angriffe initiierte. Durch sein Wirken konnten die Außenverteidiger Joshua Kimmich und Jonas Hector enorm offensiv agieren und weit in die gegnerische Hälfte dringen. Schweini, der Libero. 

Im Spiel gegen den Ball stand Schweinsteiger meist Olivier Giroud auf den Füßen und schränkte dessen Wirkungsbereich ein. Mal fiel er durch geschicktes Zweikampfverhalten auf, meistens durch kluges Passspiel. Zudem prüfte er Hugo Lloris aus der Distanz (26.).

Der Leader spielte gut. So gut, wie es ihm wohl nur wenige zugetraut hätten. Welch Diskussionen gab es über sein Alter, seinen Fitnesszustand und über seine Leistung im Spiel gegen Italien. All das schien vergessen - bis zu jener 45. Minute. Dann kam es zum Bruch. Im Spiel Bastian Schweinsteigers und in dem der deutschen Nationalmannschaft. Daran konnte auch die Halbzeitpause nichts ändern.

Löw: "Auf dem Niveau entscheiden einzelne Situationen"

Nach dem Seitenwechsel war vom kontrollierten Ballbesitzfußball, dem cleveren Positionsspiel und der deutschen Dominanz zunächst nicht mehr viel zu sehen. Genauso wenig wie von Schweinsteiger. Der Kapitän tauchte zusammen mit seiner Crew unter. Der Widerstand wurde geringer, das große Aufbäumen blieb aus. Nach 79 Minuten verließ Schweinsteiger mit hängendem Kopf den Rasen, machte Platz für Leroy Sane. 

Zwar erspielte sich die DFB-Elf in der Schlussphase noch gute bis sehr gute Gelegenheiten, die Equipe tricolore, die erneut durch Griezmann aber längst auf 2:0 erhöht hatte (72.), hätte genauso gut den dritten Treffer erzielen können.

So wird sich niemand an die wahrscheinlich besten 40 Minuten der deutschen Nationalmannschaft seit dem 7:1-Sieg gegen Brasilien vor zwei Jahren in Belo Horizonte erinnern. Auch nicht an den Bastian Schweinsteiger, der seine wohl besten 40 Minuten seit dem WM-Finale spielte, sondern an den, der den Strafstoß verursachte.

"In so einem Spiel entscheiden auf dem Niveau manchmal einzelne Aktionen, ein bisschen Glück oder ein bisschen Pech. Wenn man in der 45. Minute einen Elfmeter bekommt, ist das erstmal ein Schock", meinte Löw auf Goal-Nachfrage und mutmaßte: "Ich denke, wenn wir in Führung gehen, haben wir das Spiel so dermaßen im Griff, dass es ganz schwierig für Frankreich wird."

Bloß kam es dazu nicht. Weil eine Szene alles verändert hat - so hart ist Fußball manchmal. Schweini, der tragische Held. Im Meer voller tragischer Helden. 

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