Robert Pires Paul Scholes Marseilles Manchester United 19101999Getty

Aus der Ligue 1 zum Superstar: Robert Pires

Robert Pires war sich nicht mehr sicher, ob er überhaupt Fußballer werden wollte.

Der 15-Jährige hatte das Gefühl, viel vom Leben zu verpassen. Seine Freunde gingen auf Partys, verliebten sich und wurden langsam erwachsen, während Pires nur lernte, trainierte und schlief. Und das jeden Tag.

Der Fußball war zu der Zeit schon ein großes, ernstes Geschäft geworden. Der talentierte Teenager war der Spielmacher der C-Mannschaft seines Klubs in Reims. Doch er musste schon viele Opfer bringen - und das gefiel ihm gar nicht. Robert Pires war sich nicht sicher, ob das alles es wert sei. Doch dann erinnerte ihn seine Mutter Maribel an seinen großen Traum und an die Dinge, die ihm der Fußball bringen könnte.

Pires war der Sohn einer spanischen Mutter und eines portugiesischen Vaters. Antonio Pires und seine Frau waren als Frischverheiratete neu nach Reims gekommen, denn Antonio hatte Portugal fluchtartig verlassen, um einem Kampfeinsatz als Soldat im Krieg um die Unabhängigkeit von Angola zu entgehen. 

Pires - Metz

Wie der junge Robert morgens aussah, hing davon ab, wer ihn anzog: Wenn es sein Vater war, trug er meist das Dunkelrot von Benfica, wenn es seine Mutter war, das strahlende Weiß von Real Madrid. Zuhause wurde nur wenig französisch gesprochen - und deshalb tat sich Robert in der Schule zu Beginn sehr schwer. Nur auf dem Fußballplatz konnte er glänzen.

Als Spielmacher hatte er großes Talent und er arbeitete sich durch die verschiedenen Jugendteams in Metz, in Nord-Ost-Frankreich nach oben. Mit 19 Jahren unterschrieb er seinen ersten Profivertrag und Philippe Hinschberger, der Trainer der Reservemannschaft, nahm ihn plötzlich aus dem Zentrum heraus und stellte ihn auf den linken Flügel. Es war eine Entscheidung, die seine Karriere prägen sollte.

"Er war der Erste, der es mit mir auf links probiert hat", sagte Pires French Football Weekly."Und es hat funktioniert! Es war der Anfang meiner Geschichte", erinnerte er sich.

Pires feierte sein Debüt in der Ligue 1 im Jahr 1993 gegen Lyon und wurde schnell zum Stammspieler. Der junge Flügelspieler glänzte in der Offensive und Metz setzte zum Höhenflug in der Tabelle an. In der Saison 1995/96 wurde Pires zum besten jungen Spieler der Ligue 1 gewählt - und Metz hatte sich vom 12. Platz über Rang 8 auf Rang 4 emporgearbeitet.

Ganz Fußball-Europa schaute dabei zu und bemerkte natürlich auch Pires. Einer der interessierten Klubs war Benfica, für das Pires schon seit Kindertagen geschwärmt hatte. Robert enttäuschte jedoch seinen Vater, als er sich zum Verbleib in Metz entschied. "Ich wollte nicht zu ihnen, denn ich wollte weiter spielen und mich verbessern", erklärte Pires FourFourTwo.

Und genau das machte er. Am 6. April dieses Jahres hielt er schließlich den ersten Pokal seiner Karriere in den Händen. Beim Elfmeterschießen im Finale gegen Lyon traf Pires und gewann mit seinem Team den Ligapokal.

France Brazil World Cup 1998Gettyimages

In der darauffolgenden Saison traf Pires zum dritten Mal in Folge elfmal und Metz wurde Fünfter. Die Spielzeit 1997/98 sollte dann der große Triumph für Metz werden, doch das Team verpasste am letzten Spieltag den Titel in der Ligue 1.

An diesem Nachmittag war Metz für ein paar Minuten der Titelträger, doch dann traf Yohan Lachor für Lens in Auxerre und krönte seine Mannschaft zum Champion.

"Das war ein sehr, sehr schwerer Moment. Für uns - aber auch für die gesamte Stadt. Es wäre toll gewesen, wenn Metz in der Siegerliste aufgetaucht wäre. Das wäre unglaublich gewesen", sagte Pires.

Der Sommer machte das alles aber wieder für Pires gut. Er war in die französische Nationalmannschaft berufen worden und half dabei, dass Frankreich erstmals die WM gewinnen konnte.

Wieder wurde Metz mit Angeboten für Pires überschüttet, doch der entschied sich erneut dafür, seine Entwicklung in der Ligue 1 fortzusetzen. Er ging zu Marseille, auch wenn der Metz-Präsident gegen seinen Entschluss heftig protestierte.

Robert Pires Paul Scholes Marseilles Manchester United 19101999Getty

Der Wechsel änderte aber nichts daran, dass es wieder kurz vor dem Ziel für Pires schief ging. In seiner ersten Saison in Südfrankreich verpasste OM den Titel, weil Bordeaux einen Punkt in der Endabrechnung besser war. Und im UEFA-Cup-Finale unterlag das Team Hernan Crespo und dem AC Parma mit 0:3. "Schon wieder Zweiter! Das war für mich nur schwer zu verkraften", gab Pires zu.

In der nächsten Saison hatte Pires eine Formkrise und ihm wurde sogar die Kapitänsbinde abgenommen. Im Jahr 2000 war seine Zeit in der Ligue schließlich vorbei. 228 Liga-Spiele hatten ihm 51 Tore, aber keinen Meistertitel gebracht.

Nun verärgerte Pires seine Mutter, denn er lehnte einen Wechsel zu Real Madrid ab und ging stattdessen lieber in die Premier League. Bei Arsenal entdeckte er dann alles, was der Fußball zu bieten hatte und er erfüllte sich all seine Träume.

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