Man konnte die Last förmlich spüren. Die Last, die Antoine Griezmann nach seinem entscheidenden Doppelpack gegen tapfer kämpfende Iren von den Schultern fiel. Bei seinem Tor zum 1:1-Ausgleich brüllte er seine Erleichterung geradezu heraus und war im Anschluss von Olivier Giroud kaum einzufangen.
Den Treffer zum 2:1-Endstand bejubelte er gar mit einem Tänzchen und zeigte darin eine Leichtigkeit und eine Eleganz, die das gesamte französische Team bei der Europameisterschaft bislang vermissen ließ. Auch in der ersten Halbzeit tat sich das Team von Trainer Didier Deschamps extrem schwer gegen die tiefstehenden Iren.
Klar, das frühe Führungstor spielte den Boys in Green natürlich in die Karten, doch wirkten Pogba und Co. zu ideenlos im Spiel nach vorne und so konnten sie das Abwehrbollwerk in den ersten 45 Minuten nur selten überwinden. "Der Anfang der Partie war extrem schwer. Wir haben in der ersten Halbzeit wirklich nicht gut gespielt", gab der Doppeltorschütze nach der Partie zu.
Doch dank der langersehnten Leistungsexplosion Griezmanns konnte der Gastgeber das drohende Aus nochmals abwenden. Dass ausgerechnet der 25-Jährige zum Matchwinner avancierte, war nur nicht unbedingt so zu erwarten. Zu schwach präsentiere sich der schnelle Außenstürmer in der Gruppenphase.
Griezmann wirkte platt
Griezmann wirkte von der langen und kräftezehrenden Saison ausgelaugt. 54 Pflichtspiele absolvierte er in der abgelaufenen Spielzeit für Atletico und das schien nun seinen Tribut zu zollen. Das Explosionsartige und die Spritzigkeit, die den 1,75-Mann normalerweise so stark machen, brachte er vor allem im Eröffnungsspiel gegen Rumänien nicht auf den Platz. Auch vom Kopf her wirkte er alles andere als frisch. Das verlorene Champions-League-Endspiel gegen Real Madrid schien ihm immer noch deutlich zu beschäftigen.
Das Echo in den Medien folgte prompt. Französische Zeitungen kritisierten die Leistung Griezmanns scharf und so wurde er vom Hoffnungsträger der Equipe Tricolore zum Sinnbild einer schwachen Mannschaftsleistung. Didier Deschamps setzte ihn daraufhin im zweiten Spiel anfangs auf die Bank und brachte ihn gegen Albanien nur als Joker.
GettyDoch der Offensivmann ließ sich davon nicht unterkriegen und stellte sich in den Dienst der Mannschaft. Aber auch im letzten Gruppenspiel gegen die Schweiz gelang Griezmann nicht wirklich viel und so könnte der Doppelpack gegen die Iren sein persönlicher Startschuss in die EURO gewesen sein. Balsam für seine doch geschundene Seele war es allemal.
"Bin sehr glücklich"
"Ich bin sehr glücklich und werde das genießen", sagte er sichtlich erleichtert nach Schlusspfiff. "Das war ein eigenartiges Spiel. Die Kritik vorher gehört zum Fußball - ich hoffe, wir können so weitermachen."
Auch Coach Didier Deschamps war heilfroh über den letztlich verdienten Viertelfinaleinzug. "Der Elfmeter war ein Schock", sagte der 47-Jährige, "die Iren haben gut gespielt, aber wir hatten schon gute Möglichkeiten in der ersten Hälfte. Das ist großartig für alle Franzosen!"
Doch um den anvisierten Pokal am Ende in den Pariser Nachthimmel stemmen zu können, müssen sich Griezmann und Co. noch gewaltig steigern. Gegen qualitativ doch eher durchschnittliche Iren lässt sich kein abschließendes Urteil über das Leistungsvermögen der Equipe Tricolore fällen. Doch mit einem Griezmann in Topform werden die Chancen auf den dritten EM-Titel der Geschichte keinesfalls sinken.


