Ein emotionsgeladener Michael Trippel, Stadionsprecher des 1. FC Köln, hat nach der knappen 1:2-Niederlage des Effzeh gegen Borussia Dortmund für einen Eklat gesorgt. Es droht Ärger vom DFB und möglicherweise sogar aus den eigenen Reihen.
Getty Images Sport"Eindeutig eine Grenze überschritten": Bundesliga-Stadionsprecher wird nach Eklat vom DFB gerügt
"Werde wahrscheinlich richtig Ärger kriegen!" Stadionsprecher rastet aus
"Pfui! Widerlich!", hatte Trippel ins Stadionmikro gebrüllt, nachdem eine VAR-Überprüfung in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit zum Platzverweis für Jahmai Simpson-Pusey geführt hatte, nachdem dieser zuvor Maximilian Beier gefoult hatte.
Nach dem Schlusspfiff der nächste Aufreger, dieses mal ging es um ein Handspiel von BVB-Verteidiger Yan Couto in der 95. Minute, wobei der VAR diesmal nicht eingegriffen hatte und den Kölnern so ein Elfmeter zum möglichen 2:2-Ausgleich verwehrt blieb.
"Ich werde wahrscheinlich richtig Ärger kriegen, aber ich muss es loswerden: In der 95. Minute gab es ein klares Handspiel im Dortmunder Strafraum und das guckt sich noch nicht mal einer an", schimpfte Trippel erneut ins Stadionmikro.
Strafe für Kölner Stadionsprecher? Das besagen die UEFA-Regeln
Der DFB reagierte am Sonntag mit Unverständnis auf die Kommentare von Trippel. "Wir missbilligen die Äußerungen entschieden und halten sie für inakzeptabel", hieß es auf SID-Anfrage in einer Stellungnahme der Sportlichen Leitung der DFB Schiri GmbH am Sonntag: "Unabhängig davon, ob eine Entscheidung des Schiedsrichters richtig, strittig oder falsch ist, kann und darf es nicht sein, dass ein Stadionsprecher sie negativ kommentiert und das Publikum so gegen den Unparteiischen aufbringt. Bei allem Verständnis für Emotionalität wurde hier eindeutig eine Grenze überschritten."
Dem 71-Jährigen könnten nun weitere Konsequenzen drohen, denn zum Thema UEFA-Sicherheitsreglement heißt es in Artikel 43 des Handbuchs für Stadionsprecher und Platzansager: "Über die Lautsprecheranlage dürfen ausschließlich Durchsagen mit neutralem Inhalt gemacht werden. Die Lautsprecheranlage darf nicht verwendet werden für: die Verbreitung politischer Botschaften, die Unterstützung der Heimmannschaft, jegliche Form von Diskriminierung der Gastmannschaft."
Gleichzeitig äußerte sich der DFB auch zu den Szenen. "Zwar war Yan Coutos Orientierung zum Ball dadurch eingeschränkt, dass der unmittelbar vor ihm postierte Kölner Bülter hochsprang und den Ball knapp verpasste. Dennoch war der Ball für den Dortmunder aufgrund der großen Distanz erwartbar, zumal er seine Richtung nicht änderte. Zudem war Yan Coutos Arm vom Körper abgespreizt. Deshalb spricht aus unserer Sicht so deutlich mehr für eine Bewertung des Handspiels als strafbar, dass eine Intervention des VAR angebracht gewesen wäre", hieß es. "Zu Recht" habe der VAR beim Foulspiel von Simpson-Pusey eingegriffen. "Erneut korrekt" war zudem der Eingriff in der 66. Minute, nachdem Siebert auf Foulelfmeter entschieden hatte. Cenk Özkacar hatte den eingewechselten BVB-Stürmer Silva am Fuß getroffen, zuvor aber auch den Ball gespielt.
Auch FC-Sport-Boss Thomas Kessler äußerte sich nach der Partie. "Das ist eine Thematik, die gefällt mir nicht. Wir wollen nicht über den Stadionsprecher den Schiedsrichter bewerten. Dafür gibt es Menschen im Klub, dazu gehört er nicht", erklärte er und kündigte Konsequenzen an: "Bei aller Emotionalität, und die darf Michael Trippel haben, weil er lange in diesem Klub ist, ist es nicht richtig, dass ein Stadionsprecher über das Mikrofon seinen Emotionen freien Lauf lässt. Wir werden im Nachgang darüber sprechen."
Trippel zeigt sich einsichtig: "Es tut mir leid"
Gegenüber der Bild-Zeitung äußerte sich am Sonntag auch Trippel selbst zu seiner Entgleisung. "Die Aussagen waren schon sehr emotional von mir. Aber nach einer Nacht drüber schlafen sehe ich schon ein, dass man das sicher nicht zu oft machen sollte. Für die, die sich angegriffen fühlen, bei denen entschuldige ich mich", sagte er.
Trippel sei "kein Stadionsprecher, der von einer Rundfunkanstalt kommt und mit dem Verein ansonsten nicht viel zu tun hat. Nein, der FC gehört zu meinem Leben, das ist meine 63. Saison als Fan, 42 Jahre bin ich für den FC tätig – da sind eben eine Menge Emotionen dabei." Er betonte außerdem: "Wenn man so viel Liebe und Intensität in den Klub steckt und im Abstiegskampf mitfiebert, kann einem das schon mal rausrutschen. Wie gesagt, es tut mir leid, wenn ich jemandem auf den Schlips getreten bin."
1. FC Köln: Die nächsten Spiele
- 14. Mär, 18.30 Uhr: Hamburger SV (A)
- 21. Mär, 15.30 Uhr: Borussia M'Gladbach (H)
- 5. Apr., 17.30 Uhr: Frankfurt (A)



