Beim 2:1-Sieg von Borussia Dortmund beim 1. FC Köln kochten nach einem vermeintlich strafbaren Handspiel von BVB-Außenverteidiger Yan Couto in der fünften Minute der Nachspielzeit plötzlich die Emotionen hoch. Effzeh-Coach Lukas Kwasniok war am Spielfeldrand nicht mehr zu halten.
Getty Images Sport"Ich weiß nicht, was er in diesem Moment da im Keller gemacht hat": VAR bringt den 1. FC Köln wegen Handspiel von BVB-Star zur Weißglut
"Eine hellrote Karte für den Kölner Keller!"
Was war passiert? Nach einer Flanke hatte Yan Couto den Ball an seinen leicht ausgestreckten Arm bekommen. Der lauernde Linton Maina hinter dem Außenverteidiger kam zwar noch zum Abschluss, scheiterte aber an Torhüter Gregor Kobel. Schiedsrichter Daniel Siebert winkte dennoch ab, und auch der VAR griff nicht ein.
"Ich verstehe ihn voll und ganz, dass er stocksauer ist", sagte Sky-Experte Lothar Matthäus daraufhin zu Kwasnioks Reaktion und betonte: "Der VAR hätte eingreifen müssen. Eine hellrote Karte für den Kölner Keller!"
Getty Images SportSogar der BVB zeigt Verständnis für Kölns Wut
Der bekennende VAR-Gegner Kwasniok zeigte sich einige Minuten später, sichtlich niedergeschlagen, hingegen gefasst. "Es passt irgendwie in zu den vergangenen Tagen und Wochen", sagte er und erklärte: "Ich weiß nicht, warum er nicht herausgerufen wird. Ich habe keine Erklärung dafür. Ich möchte dem DFB oder DFL nicht den Gefallen tun und jetzt hier losledern. Weil dann muss ich zahlen. Das macht ja keinen Sinn. Trotzdem hinterfrage ich diese VAR-Thematik schon seit Jahren, weil es das Spiel unterm Strich anders macht. Aber aus meiner Sicht nicht gerechter."
Auch Geschäftsführer Thomas Kessler wurde nach Abpfiff deutlich. "Ich versteh es nicht. Ich weiß nicht, was Benjamin Cortus (Videoschiedsrichter; Anm. d. Red.) in diesem Moment da im Keller gemacht hat. Der Ball ist lang unterwegs, geht am Kopf vorbei und er berührt ihn mit der Hand. Deswegen ist Linton Maina, der sich verschätzt, nicht in der Lage, den Ball anzunehmen. Ansonsten wäre es eine hundertprozentige Torchance gewesen", betonte er. "Dass da von außen keiner eingreift, dafür will ich ehrlicherweise überhaupt keine Erklärung hören. Das ist eine klare Vereitelung einer Torchance. Dass man das nicht sieht, dafür habe ich absolut kein Verständnis."
BVB-Boss Lars Ricken gestand: "Man hat ja von der ersten Minute an gemerkt, dass ihnen das Wasser bis zum Hals steht. Wenn du dann so eine Szene kurz vor Schluss hast, die woanders schon gepfiffen wurde, kann ich die Reaktion durchaus verstehen." Auf Nachfrage, ob es denn ein klarer Elfmeter gewesen sei, entgegnete er vielsagend: "Hätte man durchaus pfeifen können."
Wegen Roter Karte: Stadionsprecher des 1. FC Köln rastet aus
Köln hatte sich nach einem 0:2-Rückstand die Dramatik in der Schlussphase erarbeitet. Erst in der 88. Minute erzielte Jakub Kaminski den Anschlusstreffer. Dabei waren die Geißböcke kurz vor der Pause in Unterzahl geraten, nachdem Jahmai Simpson-Pusey für ein grobes Foulspiel die Rot Karte gegen Maximilian Beier gesehen hatte. Eine für Kwasniok übrigens nachvollziehbare Entscheidung. Kölns langjähriger Stadionsprecher Michael Trippel sah das allerdings anders und brüllte in sein Mikro: "Pfui! Widerlich!"
Zuvor hatte Serhou Guirassy den BVB nach Vorlage von Beier in Minute 16 in Führung gebracht, der nach einer Stunde auf 2:0 erhöhte. Köln bleibt durch die Niederlage derweil in der Nähe der Abstiegsränge. Nur zwei Punkte hat der Tabellen-13. Vorsprung auf den Relegationsplatz - und Werder Bremen ist am Sonntag erst noch im Einsatz, wenn Union Berlin wartet. Ebenso St. Pauli, das einen Zähler mehr auf dem Konto als der Nachbar aus dem Norden hat.
Kwasnioks Job scheint aber weiterhin gesichert zu sein, nachdem es zuletzt Gerüchte über eine mögliche Entlassung gegeben hatte. Von einem Ultimatum, wonach er das Ruder in den kommenden drei Partien bis zur Länderspielpause rumreißen müsse, wollte der Effzeh-Coach bereits auf der Pressekonferenz vor dem BVB-Spiel nichts wissen.
Kapitän Marvin Schwäbe stellte nach der Partie außerdem klar, dass die Mannschaft "definitiv" mit Kwasniok weitermachen wolle. "Für uns steht das aktuell überhaupt nicht zur Debatte."
Tabellenkeller der Bundesliga: Der 1. FC Köln im Abstiegskampf
Platz Verein Spiele Tore Punkte 12 Bor. Mönchengladbach 25 28:43 25 13 1. FC Köln 25 34:43 24 14 1. FSV Mainz 05 25 29:41 24 15 FC St. Pauli 24 23:40 23 16 SV Werder Bremen 24 25:44 22 17 VfL Wolfsburg 25 34:55 20 18 1. FC Heidenheim 1846 25 24:57 14



