England Wales Fans 14062016Getty Images

England vs. Wales: Stolz, Ehre, Leidenschaft

Die Bilanz ist eindeutig - noch nie hat Wales ein Pflichtspiel gegen England gewonnen, in insgesamt 102 Duellen konnten sich die Three Lions 67 Mal durchsetzen. Dennoch scheint es so, als würden sich die beiden Nationen vor der "Battle of Britain" am Donnerstag (15 Uhr im LIVE-TICKER) auf Augenhöhe begegnen.

"Sie mögen uns nicht - und wir mögen sie nicht", brachte es Englands Jack Wilshere auf den Punkt. Adam Lallana ergänzte: "Während des Spiels werden die Freundschaften ruhen." Die Abneigung beruht also auf Gegenseitigkeit, wobei sich beide Parteien nichts nehmen, was das Sticheln gegen den Anderen angeht.

"Keiner", antwortete Real Madrids Superstar Gareth Bale auf die Frage, wie viele Engländer es in das Team der Waliser schaffen würden. "Ich habe nicht gesagt, dass sie keinen Stolz haben. Ich denke nur, wir haben mehr. Das ist meine Meinung. Es ist mir egal, was sie sagen. Wir wissen, dass wir sie schlagen können."

Der letzte Sieg für Wales im direkten Duell ist mittlerweile gute 32 Jahre, nachdem sich das Drei-Millionen-Einwohner-Land zuletzt im Mai 1984 mit 1:0 durchsetzen konnte. Dennoch ist der Respekt auf Seiten der Engländer groß. "Es wird ein hartes Spiel mit einigen rassigen Zweikämpfen. Es wird wie ein Premier-League-Spiel", so Wilshere.

"Wir wissen, wie viel wir geben müssen und wie wichtig dieses Spiel für uns ist", weiß auch Lallana und schickte gleichzeitig eine Warnung raus. "Wales hat mehr als nur Bale zu bieten. Er war schon immer überragend, wir dürfen aber nicht den Fehler machen, nur auf Gareth zu schauen. Sie haben viele gute Spieler in ihren Reihen, wir kennen sie aus der Liga."

Doch der Fokus richtet sich im Vorfeld der Partie nicht nur auf das Geschehen auf den Platz, sondern auch um das ganze Drumherum. Und so stehen vor allem die beiden Fan-Lager unter Beobachtung, nicht umsonst wurde das Match mit der höchsten Sicherheitsstufe 3 eingestuft und gilt damit als Hochrisiko-Spiel.

Unvergessen die Bilder vor der Partie der Engländer gegen Russland, als sich die beiden Gruppierungen in Marseille wilde Straßenschlachten lieferten. Szenen, die auch in Lens nicht auszuschließen sind, zumal Russland am Mittwoch nur 50 Kilometer entfernt gegen die Slowakei gespielt hat.

"Wir haben die Chance zu demonstrieren, dass bei Auswärtsreisen keine Gewalt involviert sein muss, sondern dass es nur um das Spiel und die Party gehen kann", ließen Wales' und Englands Fangruppierungen in einem gemeinsamen Schreiben verlauten. Gleichzeitig teilt man aber auch erhebliche Bedenken.

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"Wir teilen allerdings Zweifel über die Sicherheit unserer Fans im Lichte der Erfahrungen von Marseille und die Fähigkeit sowie die Bereitschaft der französischen Polizei, ein sicheres Umfeld in der Stadt und im Stadion zu schaffen", hieß es weiter, nachdem die Behörden zunächst völlig überfordert waren.

Die Spieler tragen mit ihren gegenseitigen Anfeindungen und Parolen nicht gerade zur Entspannung der Situation bei, das zeigt auch das Beispiel Wayne Rooney: "Er ist offensichtlich ein stolzer Waliser, was er auch sein sollte", so der Stürmer über Bale. "Aber wir sind aus England und wir sind stolze Engländer. Wir sind stolz, ansonsten wären wir nicht hier."

Wie auch immer das Spiel am Ende ausgehen wird, eines ist sicher: "Sollte Wales gewinnen, wird der Schütze des Siegtores für den Rest seines Lebens ein Held sein", erklärte Ian Rush gegenüber dem SID . "Es wird ein unglaubliches Spiel und es wäre etwas ganz Besonderes, sie zu schlagen."

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