Sebastien Haller von Eintracht Frankfurt im exklusiven Interview: "Niko Kovac kontrolliert alles"

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Im exklusiven Interview spricht Sebastien Haller über das Potenzial der SGE und seine Zukunftspläne. Außerdem: Wer einst seine Vorbilder waren.


EXKLUSIV

Sebastien Haller ist einer der Shootingstars der aktuellen Saison. Gemeinsam mit seinen Sturmpartnern Ante Rebic und Luka Jovic sorgt er bei Eintracht Frankfurt in der Bundesliga und Europa League für mächtig Furore und ist momentan einer der treffsichersten Angreifer in Europa.

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Dabei wäre er, wie er im exklusiven Interview mit Goal und DAZN verrät, beinahe gar kein Angreifer geworden. Zudem spricht der Franzose über seine großen Vorbilder in der Jugend, den Unterschied zwischen Ex-SGE-Coach Niko Kovac und dessen Nachfolger in der Main-Metropole, Adi Hütter sowie über die Chance der Eintracht auf einen Champions-League-Platz.

Herr Haller, Sie sind aktuell einer der treffsichersten Angreifer Europas. Wie fühlt es sich an, in einem Atemzug mit Spielern wie Lionel Messi, Cristiano Ronaldo oder Kylian Mbappe genannt zu werden?

Sebastien Haller: Es ist schön und gut, effizient zu sein. Gerade für einen Stürmer. Deshalb spiele ich Fußball. Ich will aber nicht jetzt, sondern am Ende der Saison dort stehen. Man darf nicht vergessen, dass die Saison noch lang ist. Das ist nur der Anfang.

Trotzdem sprechen gerade viele Leute über Sie. Wie gehen Sie mit dem Hype um?

Haller: Das ist Teil des Jobs. Wichtig ist, dass man sich immer wieder in Erinnerung ruft, dass es auch schlechte Zeiten gab, dass es nicht immer so gut lief. Ganz ehrlich: Ich blende es aus, wenn man über mich spricht. Ich will Fußball spielen und Tore schießen. Alles andere ist nicht wichtig.

Sie haben einmal gesagt, Sie wollen kein Star sein. Warum?

Haller: Weil ich nicht Fußball spiele, um ein Star zu sein. Ich spiele Fußball, weil ich Fußball liebe. Mir ist klar, dass mich manche als Star sehen, wenn ich ein paar Tore schieße. Das ist kein Problem für mich. Aber es ist nicht das, was ich will. Ich will mit meinem Team erfolgreich sein.

Sie kommen als sehr ruhiger und bodenständiger Typ herüber, zeigen kaum Emotionen. Würden Sie sich selbst auch so beschreiben?

Haller: Man muss natürlich immer unterscheiden zwischen dem, was auf dem Platz passiert und dem, was neben dem Platz passiert. Es stimmt schon, dass ich auf dem Platz keine großen Emotionen zeige. So bin ich einfach. Daneben bin ich aber ein ganz normaler Kerl, mache gerne Späße mit meinen Kollegen. Wir haben eine tolle Truppe beisammen, lachen viel. Wir dürfen bei all der harten Arbeit nicht vergessen, dass wir uns glücklich schätzen dürfen, Fußballer zu sein.

Sie sind mit 24 bereits Familienvater. Was machen Sie, wenn Sie nicht Fußball spielen?

Haller: Ich hole meine Tochter gerne vom Kindergarten ab und spiele mit ihr. Ich führe ein ganz normales Leben mit ihr und meiner Frau.  

Sebastien Haller Eintracht Frankfurt SGE

Sprechen wir über Ihre eigene Kindheit. Bevor Sie Fußball spielten, waren Sie beim Judo. Wie kamen Sie zum Fußball?

Haller: Fußball war schon immer meine Nummer eins. Meine Mutter wollte aber, dass ich zum Judo gehe. Es war keine schlechte Erfahrung, aber nach drei Jahren hatte ich einfach keine Lust mehr. Ich hatte immer den Fußball in meiner Nähe, ging vor, während und nach der Schule auf den Bolzplatz. Das war das, was ich wirklich wollte.

Stimmt es eigentlich, dass Sie in der Jugend im Tor standen?

Haller: Ab und zu (lacht). Ich war eigentlich Stürmer, aber wenn es bei Turnieren zu Elfmeterschießen kam, ging ich meistens ins Tor. Ich war schon damals einer der größten Spieler im Team und hatte sehr gute Reflexe. Wir gewannen einige Turniere dank meiner Paraden. Ich war aber immer glücklicher, wenn ich im Feld spielen durfte. Zum Glück schoss ich genug Tore, sonst wäre ich vielleicht öfter ins Tor gegangen.

Ihr Talent als Stürmer machte sich schon früh bemerkbar, sie durchliefen alle französischen Jugendnationalmannschaften und gaben mit 18 Ihr Debüt bei Zweitligist AJ Auxerre. Trotzdem mussten Sie Ihre Heimat verlassen, um den Durchbruch zu schaffen. Warum?

Haller: Es kamen viele Dinge zusammen. Ich war jung und einfach noch nicht so weit, um jedes Wochenende mein Maximum abzurufen. Ich hatte auch ein paar Meinungsverschiedenheiten mit meinem Trainer bei Auxerre. Das Beste war, sich nach etwas anderem umzuschauen. Auxerre wollte mich zu keinem anderen Verein in der zweiten Liga abgeben. Ich wollte aber nicht in die dritte Liga wechseln. Das wäre ein Rückschritt gewesen.

Dann wurde der FC Utrecht auf Sie aufmerksam.

Haller: Richtig. Ich zögerte keine Sekunde, als das Angebot aus der Niederlande kam. Es war die beste Entscheidung, die ich treffen konnte. Der Verein gab mir das Gefühl, wichtig zu sein, weil sich ein anderer Stürmer gerade schwer verletzt hatte und sie vorne jemanden brauchten. Nach zwei, drei Monaten Eingewöhnungszeit lief es sehr gut für mich. Ich hatte einen richtigen Lauf und blieb am Ende zweieinhalb Jahre. Es war eine wunderbare Zeit.

Erik ten Hag, der heutige Coach von Ajax Amsterdam, war damals in Utrecht Ihr Trainer und Förderer. Wie wichtig war er für Ihre Karriere?

Haller: Sehr wichtig. Er wollte mich von Anfang an auf ein anderes, auf ein besseres Level bringen. Er ist ein fantastischer Trainer, der den Fußball liebt und lebt. Er tut alles, um erfolgreich zu sein. Manchmal studiert er seine Gegner bis tief in die Nacht.

Über Utrecht ging es für Sie nach Frankfurt, wo Sie seit dieser Saison Woche für Woche überzeugen. Wurmt es Sie, dass sie noch keinen Anruf vom französischen Nationaltrainer Didier Deschamps erhalten haben?

Haller: Ich kann nur meine Leistung bringen, weiter hart arbeiten, weiter Tore machen. Alles andere liegt nicht in meiner Hand, denn ich bin nicht der Trainer. Ich verspüre aber keinen Druck. Wenn ich eines Tages nominiert werde, perfekt. Wenn nicht, dann mache ich genauso weiter wie bisher.

Sebastien Haller Frankreich U21 2016

Bei Adi Hütter, Ihrem Trainer in Frankfurt, sind sie absolut gesetzt. Was macht er anders als sein Vorgänger Niko Kovac?

Haller: Niko kontrolliert gerne alles. Er ist ein Kämpfer, der viel Wert auf die Physis seiner Mannschaft legt. Das sieht man in jedem Training und in jedem Spiel. Die vergangene Saison war deshalb härter für uns als die aktuelle. Wir spielten zwar weniger als jetzt mit der Europa League, trainierten aber die ganze Woche über auf einem sehr hohen Niveau. Mit Adi ist es anders. Er ist entspannter als Niko. Er spricht mehr mit den Spielern und bevorzugt, den Unterschied mit dem Ball anstatt mit der körperlichen Fitness zu machen. Beide sind aber herausragende Trainer, die ihre Gegner sehr gut analysieren.

Warum funktioniert das Zusammenspiel mit Ihren Sturmpartnern Ante Rebic und Luka Jovic so gut?

Haller: Es ist einfach, mit den beiden zusammenzuspielen. Wir müssen uns nicht groß absprechen, wenn wir auf dem Platz stehen. Es ist eine Sache des Instinkts. Unsere Aufgabe ist es, so viele Tore zu erzielen wie möglich. Wir wollen der Mannschaft helfen und unseren Gegnern Angst machen. Das ist alles.

ONLY GERMANY Sebastien Haller Luka Jovic Ante Rebic Eintracht Frankfurt

Gibt es einen Mittelstürmer, an dem Sie sich orientieren?

Haller: Thierry Henry war in meiner Kindheit eines meiner größten Vorbilder. Als halber Ivorer mochte ich auch Didier Drogba, später dann Zlatan Ibrahimovic. Aber ich will meine eigene Geschichte schreiben und niemanden kopieren.

Was bedeuten Ihnen der Verein und die Stadt nach eineinhalb Jahren?

Haller: Wenn ich etwas gelernt habe, dann, dass ich in einer fußballverrückten Stadt lebe. Die Leute hier lieben und leben Fußball. Das macht auch manchmal den Unterschied bei unseren Spielen. Wenn dich 50.000 Menschen 90 Minuten lang anfeuern, spielst du einfach besser. Ich fühle mich sehr wohl hier, befinde mich in der besten und schönsten Phase meiner bisherigen Karriere. Ich mag die Stadt, die Fans, den Verein.

Im vergangenen Sommer klopften mehrere Vereine aus der Premier League bei Ihnen an. Wie schaffte es die Eintracht, Sie von einem Verbleib zu überzeugen?

Haller: Niemand musste mich überzeugen. Es war für mich ganz normal, hier zu bleiben. Meine erste Saison bei der Eintracht war okay, aber nicht herausragend. Ich wollte bleiben, mit dem Gedanken, mich selbst zu verbessern und weiter Großes mit diesem Klub zu erreichen.

Die Bundesliga wird oft als Ausbildungsliga bezeichnet. Viele junge ausländische Spieler kommen hierher, um sich weiterzuentwickeln und anschließend den großen Schritt zu einem internationalen Top-Klub zu machen. Ist Frankfurt auch für Sie nur ein Zwischenschritt?

Haller: Ich weiß es nicht. Es gibt immer einen Unterschied zwischen dem, was du willst und dem, was du kannst. Ich habe kein Problem damit, in ein neues Land zu ziehen. Aber vielleicht bleibe ich ja auch den Rest meiner Karriere hier in Frankfurt. Es macht großen Spaß mit dieser Mannschaft und man sieht, dass der Klub etwas aufbauen will. Bei Bayern oder Dortmund gibt es auch Topspieler, die schon zehn Jahre dort spielen. Ich denke, das wird in Frankfurt auch so kommen. Daran arbeitet der Klub.

Sie sprechen die ambitionierten Pläne der Eintracht an. Was ist mit dieser Mannschaft noch möglich?

Haller: Wir haben das Potenzial, in der Champions League zu spielen. Jedes Jahr. Da wollen wir hinkommen. Uns ist aber klar, dass das nur mit Taten geht und nicht mit Worten.

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