Lucas Digne FranceGetty

Lucas Digne: "... nur so kann man weit kommen"

Linksverteidiger Lucas Digne wechselte zu Beginn der vergangenen Saison von Paris Saint-Germain auf Leihbasis zum AS Rom und spielte sich direkt in der Mannschaft fest. Als Belohnung ist der zwölfmalige französische Nationalspieler auch bei der EM im eigenen Land dabei.

Im Interview mit Goal blickt der 22-Jährige auf die abgelaufene Spielzeit in Italien zurück, stellt die Unterschiede zwischen Paris und Rom heraus und gibt einen detaillierten Einblick in die Arbeit unter Didier Deschamps mit der Equipe Tricolore.

Herr Digne, wie läuft die Vorbereitung mit Frankreich bislang?

Lucas Digne: Alles wunderbar, die Vorbereitung läuft gut und es macht Spaß, in dieser Gruppe zusammenzuarbeiten. Aber wir lassen es langsam angehen, und regenerieren auch viel nach einer härteren Einheit - das ist sehr wichtig. Im Moment haben wir pro Tag nur eine Trainingseinheit, wohingegen man während einer Saisonvorbereitungsphase auch schon bis zu drei Mal am Tag trainiert.

Sie haben zuletzt in einer Pressekonferenz gesagt, dass Sie es sich nach Ihrer Saison in Rom verdient hätten, dabei zu sein.

Digne: Ich habe mit der Roma eine sehr gute Saison gespielt, wobei ich sogar behaupten würde, dass ich die beste Saison meiner Karriere gespielt habe. Ich bin glücklich, hier dabei zu sein und jene Arbeit mit der Roma hat sich für mich voll ausgezahlt.

Bei der Roma haben Sie letzte Saison 42 Spiele bestritten, bei PSG waren es in zwei Jahren zuvor 44 Partien. Sie haben also die richtige Entscheidung getroffen?

Digne: Absolut, genau deswegen bin ich zur Roma gegangen. Ich bin sehr glücklich, dass ich so viele Spiele wie möglich machen kann. Für einen Spieler in meinem Alter und meine Entwicklung ist das sehr wichtig.

Inwiefern haben Sie sich bei der Roma weiterentwickelt?

Digne: Jede Entscheidung, die ich getroffen habe, hat mich auf eine bestimmte Weise wachsen lassen. Das habe ich vor allem in Rom gemerkt.

Dorthin kamen Sie zusammen mit Rudi Garcia als Trainer. Was hat sich seit seiner Entlassung verändert?

Digne: Zunächst war es nicht einfach. Es hat mich sehr getroffen, denn er war der Trainer, der mir ganz am Anfang bei Lille das Vertrauen geschenkt hat. Ich habe großen Respekt vor ihm. Doch Spalletti hat bei seiner Ankunft nochmals einige Dinge verändert, und ich mach seine Art und Weise zu Arbeiten.

Wenn Sie nun zurückblicken, würden Sie sagen, dass PSG vielleicht eine Nummer zu groß für Sie war?

Digne: Nein, überhaupt nicht. Ich habe mit großartigen Spielern zusammengearbeitet und dort 44 Spiele absolviert, das war sehr wichtig für mich. Ich habe außerdem einige Pokale gewonnen und auch das ist wichtig für einen Fußballer. Das sind alles Dinge, die mir keiner mehr nehmen kann. Ich bereue gar nichts. Ich bin immer noch jung und kann mich verbessern. Kritik gehört zum Fußball dazu, aber ich stehe da drüber und will zeigen, was ich auf dem Platz kann.

Auch der Umgang mit den Fans dürfte in Rom anders sein.

Digne: Das macht wohl das mediterrane Klima aus, das ist hitzig. Aber wenn du gewinnst, ist es umso schöner. Die Fans stehen immer hinter uns, das ist einfach fantastisch. Sie sprechen dich auf der Straße an, umarmen dich oder geben dir einen Kuss. Aber sie bauen auch einen gewissen Druck auf, indem sie uns klar machen, dass wir am Wochenende gewinnen müssen. Die Erwartungshaltung ist sehr hoch. 

Als Frankreich die WM 1998 gewonnen hat, waren Sie gerade fünf Jahre alt. Welche Erinnerungen haben Sie noch an damals?

Digne: Es fühlt sich so an, als würde nun ein Traum wahr werden. Es ist unglaublich, ein solches Turnier in Frankreich zu spielen. Bei der WM 2010 habe ich mir die Spiele mit Freunden zum Beispiel im Kino angeschaut - und jetzt stehe ich selbst auf dem Rasen, das ist überwältigend. Und dann spielen wir auch noch in Frankreich mit unseren enthusiastischen Fans. Das ist einfach nur magisch.

Was bedeutet Ihnen die französische Nationalmannschaft?

Digne: Stolz. Es ist eine Ehre, für sein Land zu spielen. Für mich ist es das Höchste, was man im Fußball erreichen kann. Es gibt kein höheres Niveau, als das internationale. Es ist großartig, dass ich die Gelegenheit habe, dieses Trikot hier zu tragen. Als wir jung waren, hatten wir alle ein blaues Trikot und ich habe alle Jugendauswahlen durchlaufen.

Wie wichtig ist das Image der Mannschaft für die Fans nach all den jüngsten Problemen?

Digne: Sehr wichtig und ich denke, es ist nach den letzten Ergebnissen wieder besser geworden. Uns war klar, dass es nur darüber gehen konnte. Das war sehr wichtig und wir sind sehr zufrieden, wie enthusiastisch die Fans im Moment dabei sind. In erster Hinsicht ist Fußball immer noch ein Spiel und es soll den Leuten Spaß machen. Klar, es gibt auch Druck. Aber das ist positiver Druck.

Inwiefern gibt es Unterschiede in der Vorbereitung auf ein großes Turnier und auf ein Freundschaftsspiel?

Digne: Die Leute erwarten mehr von uns. Wir haben zuletzt gute Ergebnisse erzielt, was auf der anderen Seite die Erwartungshaltung nach oben treibt. Wir wollen einfach alles dafür geben, um ein gutes Turnier zu spielen. Wir sind jeden Tag 24 Stunden zusammen, wir kennen uns als bestens. Wir lachen viel zusammen und es ist wichtig, eine eingeschworene Gruppe zu sein, denn nur so kann man weit kommen.

Wenn man im Team einen kleinen Schwachpunkt ausmachen will, dann könnte es die Defensive sein.

Digne: Die Verletzung von Raphael Varane war natürlich ein Schlag für uns, nachdem er zuletzt am häufigsten gespielt hat. Aber wir haben das nötige Potential, um eine gute Euro zu spielen. Wir verfügen über Spieler mit großer Qualität. Es liegt an uns, diese zu zeigen. Wir arbeiten als Gruppe sehr gut zusammen und legen unseren Fokus ausschließlich darauf, so weit wie möglich zu kommen.

Wie ist Ihre Beziehung zu Patrice Evra?

Digne: Wir kommen gut miteinander zurecht. Er gibt mir viele Tipps und Ratschläge und es ist toll, mit Spielern wie ihm zusammenspielen zu können. Wir profitieren sehr von seiner Erfahrung.

Evra ist auf der linken Seite gesetzt, wie sehen Sie Ihre Rolle bei der Euro?

Digne: Wenn ich die Chance bekomme, will ich so effizient wie möglich sein. Der Trainer trifft am Ende die Entscheidungen, aber ich bin bereit, wann immer ich gebraucht werde.

Wie würden Sie die Arbeit mit Didier Deschamps beschreiben?

Digne: Er steht in sehr engem Kontakt mit den Spielern und das macht auch den Unterschied. Wir sprechen viel zusammen und eine gute Kommunikation ist sehr wichtig. So wissen wir immer, was genau er von uns erwartet.

Werbung