Deutschland Polen 04092015Getty Images

Deutschland vor Qualifkation, Bierhoff warnt vor Euphorie

Mit einer gehörigen Portion Selbstvertrauen und jeder Menge Optimismus ist Weltmeister Deutschland am Sonntag nach Glasgow aufgebrochen. Je nach Ausgang der anderen Spiele in der Gruppe D kann die DFB-Auswahl mit einem weiteren Erfolg gegen Schottland am Montag (20.45 Uhr im LIVE-TICKER) bereits das Ticket für die EURO 2016 in Frankreich lösen.  

Kurz vor dem Abflug in Frankfurt/Main warnte Teammanager Oliver Bierhoff aber noch einmal eindringlich vor den Bravehearts, die durch ein überraschendes 0:1 in Georgien gewaltig unter Zugzwang stehen. "Wir wissen, dass es für die Schotten vielleicht schon die letzte Chance ist, wir müssen aufpassen, dass wir nicht zu sehr in Euphorie sind und denken, dass alles ein Selbstläufer ist", sagte der 47-Jährige.

"Nach der WM ist auch keine Sprintlegende zurückgetreten"

Nach dem 3:1 (2:1) am Freitagabend gegen den ärgsten Rivalen Polen und der Eroberung der Tabellenführung gäbe es für Deutschland dennoch nur ein Ziel, wie Bierhoff ergänzte: "Wir wollen auch in Schottland drei Punkte holen, das ist klar."

Gegen Polen hatte der Weltmeister die Verhältnisse wieder geradegerückt und  vor allem erstmals seit langer Zeit wieder weltmeisterlichen Glanz versprüht. An der guten Stimmung konnte anschließen auch der frühere Nationaltorwart Jens Lehmann wenig ändern, der in seiner Funktion als RTL-Experte herummäkelte: "Wir waren als Mannschaft nach hinten sehr langsam. Das war ein anderes Bild als das, was wir bei der Weltmeisterschaft abgegeben haben. Ich habe den Eindruck, dass unsere Geschwindigkeit nicht mehr da ist", sagte der 45-Jährige und legte dann noch nach: "Wenn die Polen mal Gas gegeben haben, waren da große Schwächen in der Rückwärtsbewegung. Das lag vor allem daran, weil wir kaum noch schnelle Spieler haben."

Tipico

Für Thomas Müller war diese Kritik fehl am Platz. "Ich weiß nicht, ob es da jetzt einer Diskussion bedarf. Sagen wir mal so. Nach dem WM-Sieg ist auch keine Sprintlegende zurückgetreten", konterte der Torschütze zum 1:0 (12.) in der Bild am Sonntag.

Auch Bundestrainer Joachim Löw ließ Lehmanns Aussage kalt. "Wir hatten nur ein Ziel. Wir wollten das Spiel gewinnen und die Tabellenführung übernehmen. Das war das Allerwichtigste und das ist uns verdient gelungen. Deshalb bin ich insgesamt sehr zufrieden", sagte der 55-Jährige und versprach den deutschen Fans für das Match in Glasgow ebenfalls einen Sieg: "Wir werden gut vorbereitet sein, werden konzentriert auftreten, ein gutes Spiel machen und in Schottland gewinnen."

Hector und Can vermutlich erneut in der Startelf

Davon sind auch seine Spieler überzeugt, wenngleich es nach der guten Vorstellung auch einige kritische Stimmen gab. "Wir haben Polen teilweise zu Chancen eingeladen. Das müssen wir verbessern", sagte der starke Toni Kroos, der vom schwächelnden Bastian Schweinsteiger auf dem Platz die Chefrolle übernommen hat. "Ich hätte mir gewünscht, dass wir stabiler sind und nicht so viele Fehlpässe spielen", sagte zudem Müller.

Eine Baustelle könnte möglicherweise  schon bald geschlossen werden, denn der Kölner Jonas Hector sammelte nicht nur als zweifacher Vorbereiter auf der linken Außenbahn weitere Pluspunkte. "Er macht seine Sache bei uns immer sehr gut", lobte denn auch Löw, der auch dem anderen Außenverteidiger Emre Can ein gutes Debüt attestierte. Das musste er wohl als Bundestrainer, denn die Wahrheit sah anders aus. In der ungewohnten Rolle unterliefen dem England-Legionär vom FC Liverpool in der Defensive und Offensive gleichermaßen viele Patzer.     

Weitaus mehr Grund zur Freude hatte der zweifache Torschütze Mario Götze (19., 82.), der als wuseliger und technisch versierter Alleinunterhalter im und um den polnischen Strafraum stets für Alarm sorgte. "Er ist sehr wichtig für uns", sagte Löw über seinen WM-Helden, der in der Nationalmannschaft aktuell einen weitaus höheren Stellenwert als bei seinem Klub Bayern München genießt.

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