Drama um Ex-Milan-Star: Wie eine Videokassette Alexandre Pato vor der Arm-Amputation rettete

"Er muss sofort operiert werden, sonst müssen wir amputieren", teilt Doktor Paulo Roberto Mussi einem schockierten Geraldo Rodrigues da Silva mit. Es geht um dessen Sohn Alexandre, gerade mal zehn Jahre alt, der einen großen Tumor im Arm hat.

22 Jahre später kann jener damals kleine Junge auf eine beeindruckende Fußballerkarriere zurückblicken: Er gewann mit der AC Milan den Scudetto, absolvierte 27 Länderspiele für Brasilien und wurde 2009 mit dem Golden-Boy-Award als bester U21-Spieler Europas ausgezeichnet. Bekannt wurde er unter seinem Künstlernamen: Alexandre Pato.

"Ich war froh, dass ich überhaupt Fußball spielen konnte", erinnert sich der heute 32-Jährige in einem Beitrag bei The Players's Tribune. Denn dass sein Tumor im linken Arm rechtzeitig entdeckt wurde, verdankt der ehemalige Weltklassestürmer eher einem Zufall.

"Ich bin im Parkhaus über eine Kette gestolpert und auf den linken Arm gefallen", verrät Pato. "Sie haben mich so stark verbunden, dass ich halb Mensch, halb Mumie war. Ich habe sogar ein Turnier mit meinem Arm in einer Schlinge gespielt."

Kaum war der Gips wieder runter, setzte er sich in seiner kindlichen Unbekümmertheit beim Toben versehentlich auf seinen gerade genesenen Arm, wobei "die Schmerzen so stark wurden, dass sie bis in die Beine reichten".

Eine Röntgenaufnahme brachte dann Licht ins Dunkel: ein Tumor! Sofort operieren, war der Reflex der Ärzte, doch es gab ein Problem. Die Familie des kleinen Alexandre konnte sich die OP nicht leisten, weil Mama Rosali wegen eines Rückenleidens nicht arbeiten konnte und Vater Geraldo als Straßenbauer eine fünfköpfige Familie alleine ernähren musste.

"Wir haben uns alle gefragt: 'Was sollen wir jetzt tun?'", schildert Pato jene schwere Zeit, wobei schnell eine Lösung gefunden wurde. "Mein Vater musste kreativ werden. Er hat immer meine Spiele gefilmt. Also nahm er die Bänder mit ins Krankenhaus, schickte ein Gebet zum Himmel, ging ins Büro des Arztes und legte ein paar Aufnahmen auf einer Videokassette ein, auf denen dieser kleine, grinsende Junge auf einem Futsal-Platz herumlief."

Arzt operiert Alexandre Pato trotz Geldproblemen

"Mein Vater sagte: 'Doc, das ist mein Sohn. Ich weiß nicht, wie ich das bezahlen soll, aber ich will einfach nicht, dass er aufhört zu spielen'", so Pato weiter. "Ich weiß nicht, was dann passiert ist. Vielleicht dachte der Arzt, ich sei gut. Vielleicht hörte er die Stimme Gottes."

Er willigte jedenfalls in die Operation ein und übernahm die Kosten - eine Geste, die ihm Pato bis heute nicht vergessen hat: "Ich sage euch, es war ein Wunder. Er schenkte mir ein neues Leben!"

Der Heilungsprozess war jedoch langwierig und schmerzhaft, es gab erneut Komplikationen. "Die Knochenbank hatte nicht den Knochen, den mein Arm benötigte, also mussten sie Knochenmasse aus meiner Hüfte nehmen. Außerdem musste ich alle sechs Monate zu Kontrolluntersuchungen ins Krankenhaus gehen", weiß Pato. "Einmal war mein Arm zwischenzeitlich grün geworden. Ich habe geschrien vor Schmerzen", verrät er.

Doch Pato blieb dran und wurde dafür mit einem Platz in der Jugendakademie des SC Internacional in Porto Alegre belohnt, nachdem er wenige Monate zuvor nur Futsal gespielt hatte. Von da an war sein Weg geebnet und er nicht mehr aufzuhalten, 2007 ging es schließlich nach Mailand - und der Rest der großen Karriere ist bekannt.