Suat Serdar: Vom Binger Asphalt zum DFB-Musterschüler

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Suat Serdar ist mit nur 21 Jahren Leistungsträger bei Mainz. Goal sprach mit ihm über den Traum, Profi-Fußballer zu werden, und Verzicht. Ein Porträt.


EXKLUSIV

"Brillant", schwärmte Eurosport-Kommentator Marco Hagemann vor rund einem Jahr, als er Suat Serdars herrlichen Treffer im Achtelfinal-Spiel der U20-Weltmeisterschaft in Südkorea noch einmal in der Wiederholung betrachtete.

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Mit herausragender technischer Finesse hatte der Youngster von Mainz 05 in der Schlussphase eine scharfe Hereingabe von Matthias Bader via Hacke zum zwischenzeitlichen 2:3 aus Sicht der DFB-Auswahl veredelt. Obwohl dem deutschen Nachwuchs gegen Sambia in der Nachspielzeit noch der Ausgleich gelang, schied die Mannschaft von Guido Streichsbier am Ende im Duell mit den Afrikanern nach 120 Minuten aus.

"Das Turnier hat sich nicht so entwickelt, wie wir das wollten", räumt Serdar im Gespräch mit Goal mit Blick auf ebenjene WM ein, erklärt aber mit dem nötigen Abstand und somit schwindender Enttäuschung: "Letztlich ist man trotzdem glücklich, so etwas mitzuerleben." Dass der Weg vom ambitionierten Kicker zum Jugendnationalspieler mit harter Arbeit und bisweilen auch Verzicht auf für Heranwachsende ganz selbstverständliche Dinge verbunden ist, weiß der 21-Jährige nur allzu gut.

Goal beleuchtet die Laufbahn Serdars, die auf den Straßen Bingens ihren Anfang nahm und in den größten Stadien der Republik vorerst gipfelte.

FSV Mainz 05 sichtete Serdar auf einem Turnier

"Die Leidenschaft habe ich damals schon in der Schule entwickelt, mit meinen Freunden und meinem großen Bruder habe ich immer auf der Straße Fußball gespielt. Irgendwann hat mein Vater mich dann bei Hassia Bingen angemeldet. Auch, weil mein Bruder schon dort gespielt hat", erinnert sich der Mittelfeldmann an seine ersten Gehversuche als Fußballer. Mit überdurchschnittlichem Talent gesegnet, zog es Serdar im Alter von elf Jahren zum FSV ins benachbarte Mainz.

"Ich wurde auf einem Turnier gesichtet, tatsächlich war der Unterschied zunächst gar nicht so groß, weil wir mit Hassia Erfahrung damit hatten, gegen Nachwuchsmannschaften von Mainz oder beispielsweise Kaiserslautern zu spielen. Wir konnten eigentlich immer gut mithalten, haben manchmal sogar gegen die größeren Teams gewonnen", sagt Serdar und ergänzt: "Während das Ganze mit elf, zwölf oder 13 Jahren also noch recht nah beieinander lag, hat sich ab der U16 abgezeichnet, dass der FSV ein großer Verein ist. B- oder A-Jugend-Bundesliga zu spielen, ist natürlich schon etwas Anderes."

Suat Serdar Mainz 05 GFX

Nun gilt es, sofern man seinen Traum, Profi-Fußballer zu werden, akribisch verfolgt, auch gewisse Kompromisse einzugehen. Besonders in der Pubertät, der Zeit des Lebens, in der Ausgehen, Freunde treffen und generell Erfahrungen auf dem Weg in die Adoleszenz sammeln an der Tagesordnung liegen, müssen aufstrebende Spieler diesbezüglich Abstriche machen. Natürlich sei es "schade, wenn man weniger Zeit hat, mit den Kollegen etwas zu unternehmen", gibt Serdar zu und führt aus: "Wenn die anderen sich nach der Schule getroffen haben, um beispielsweise Play Station zu spielen, musste ich zum Training fahren." Ein Verzicht, den er allerdings "immer gerne in Kauf genommen" habe und der "glücklicherweise nicht umsonst" war.

Bundesliga-Debüt bereits 2015 gegen Hoffenheim

Denn: Serdar entwickelte sich bei den Rheinhessen großartig, durfte letztlich regelmäßig bei der ersten Mannschaft reinschnuppern, die zu jenem Zeitpunkt noch von Martin Schmidt trainiert wurde. Doch wann realisiert man als junger Spieler, dass die Verwirklichung des großen Traums im Bereich des Möglichen liegt? "Als ich zum ersten Mal mit ins Trainingslager fahren durfte, habe ich erkannt, dass es etwas werden kann und jetzt möglicherweise ganz schnell geht. Das war ein sehr schöner Moment, den ich niemals vergessen werde", blickt Serdar zurück.

Sein Bundesliga-Debüt feierte das Rheinhessen-Juwel schon mit 18 Jahren, als er beim 3:1-Erfolg der Nullfünfer gegen die TSG 1899 Hoffenheim in der 88. Minute für Yunus Malli, an diesem Tag für alle drei Treffer verantwortlich, in die Partie kam. "Das war unheimlich aufregend, es geht viel härter zur Sache, in der Bundesliga ist alles intensiver", so Serdar, der eigenen Angaben zufolge trotz der Erfahrung aus mittlerweile 44 Einsätzen in Deutschlands Beletage vor Spielen "immer noch nervös" ist.

Anmerken lässt sich der zweimalige U21-Nationalspieler seine Nervosität auf dem Platz indes nicht, versprüht Serdar doch für sein Alter bereits eine beeindruckende Reife in der Schaltzentrale. Wohl auch, weil er in Mainz das Umfeld vorfindet, das eine ideale Entwicklung gewährleistet: "Der Verein ist wie eine große Familie. Auch, wenn es mal nicht so läuft, erhält man hier die Unterstützung, die man benötigt. Ich bin froh, dass ich damals den Schritt nach Mainz gemacht habe – und freue mich auf weitere Jahre hier."

Suat Serdar: "Es ist immer eine Option, für die Türkei zu spielen"

Weitergehen darf es nach Serdars Gutdünken auch in der deutschen Nationalmannschaft, obwohl er sich die Möglichkeit, eines Tages für das Heimatland seiner Eltern aufzulaufen, weiterhin offenhält: "Es ist immer eine Option, für die Türkei zu spielen. Allerdings spiele ich seit der U16 für Deutschland und bin sehr glücklich, dass ich das geschafft habe. Sollte sich nichts ändern, werde ich auch in Zukunft für den DFB spielen."

Suat Serdar Mainz 05 Bayer LeverkusenSuat Serdar bejubelt sein erstes Bundesliga-Tor im September 2017

In der aktuellen Saison hat sich das Mainzer Eigengewächs in der Bundesliga jedenfalls endgültig etabliert, kam in 24 von 30 möglichen Partien in der höchsten deutschen Spielklasse zum Einsatz und erzielte sogar seine ersten beiden Tore. "Davon träumt wohl jeder Spieler in der Jugend. Wenn das dann tatsächlich gelingt, kommt einem das etwas surreal vor. Das Gefühl kann ich auch nach wie vor nicht in Worte fassen." Ein Gefühl, das Serdar in Zukunft sicherlich noch viele weitere Male erleben dürfte, vor allem, sollte sich seine stringente Entwicklung ansatzweise so fortsetzen wie bisher.  

Und wer weiß: Vielleicht lässt der nächste Treffer der Kategorie "brillant" gar nicht mehr so lange auf sich warten.

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