Bayer Leverkusen 16-12-2020Getty Images

Erkenntnisse des 12. Bundesliga-Spieltags: Warum eigentlich nicht mal Bayer Leverkusen?

Die Talking Points des 12. Spieltags: Mit einem neuen Titelanwärter, Moukokoks Startproblemen, Unions Max-Kruse-Verschnitt und noch vielem mehr.

Borussia Mönchengladbach: Die Null steht fast nie

Ein bisschen paradox ist das ja schon: Borussia Mönchengladbach hat in dieser Saison genau einmal eine Partie ohne Gegentreffer beendet: Gegen die aktuell beste deutsche Mannschaft RB Leipzig. Das 1:0 vor wenigen Wochen bleibt aber die karge Ausnahme in einer ansonsten eher durchwachsenen Bilanz.

Nach zwölf Spieltagen stehen schon 20 Gegentreffer zu Buche, definitiv zu viel für ein Team von Spitzenformat und schon sieben Tore mehr als zum selben Zeitpunkt der Vor-Saison. Damals stellte die Borussia die zweitbeste Defensive der Liga, aktuell gibt es gleich mehrere Problemzonen, die letztlich immer wieder wichtige Punkte kosten.

Gegen Frankfurt dauerte es nach der eigenen Führung keine zehn Minuten, bis der Borussia das Spiel aus den Fingern glitt und der Gegner die Partie drehen konnte. In Freiburg wenige Tage zuvor verspielte Gladbach ebenfalls recht flugs eine Führung, gegen Hertha zu Hause kam der Gegentreffer früher, gegen den FCA in letzter Sekunde und trotz einem Spieler mehr auf dem Platz. Vier Spiele, vier unnötige Punktverluste: Macht Platz acht im Zwischenklassement. Ein bisschen dünn für die Gladbacher, die eigentlich deutlich besser sind als ihr Tabellenplatz.

BVB: Youssoufa Moukoko hat noch Startprobleme

Es war ja nur ein einziger Wechsel, der erschien aber wie eine kleine Revolution: Dortmunds neuer Trainer Edin Terzic verhalf in seinem ersten Spiel als Chef dem Jungspund Youssoufa Moukoko zu seinem ersten Bundesligaeinsatz von Beginn an überhaupt. Zwei Premieren standen also an beim Gastspiel des BVB in Bremen und auch ein Schritt zurück: Durch die Hereinnahme von Moukoko stellte Terzic auch wieder auf jene 4-2-3-1-Grundordnung um, mit dem die Mannschaft unter Vorgänger Lucien Favre am besten zurecht kam - dem aber in Abwesenheit von Erling Haaland eine ganz entscheidende Zutat fehlte.

Die sollte nun Moukoko als klassischer Mittelstürmer liefern.So ganz ging der schöne Plan aber nicht auf. Die Rolle rückwärts in der Spielausrichtung war eine Ansage, Moukokos Debüt aber eher nicht. Nun darf man von einem Teenager einfach auch keine Wunderdinge erwarten und zweimal hätte Moukoko den Ball sogar fast ins gegnerische Tor gegrätscht. Dann würde auch an dieser Stelle ganz anders berichtet werden, so ehrlich muss man sein.

Aber: Das ist dann eben auch ein Unterschied zwischen Jugendfußball und der Bundesliga der Erwachsenen. Die Arbeit orientiert sich zu einem großen Teil am Resultat. Abseits der Beinahe-Abschlüsse des 16-Jährigen blieb aber auch hängen, dass auch der hochtalentierte Angreifer nicht einfach so in die Liga spazieren und sofort auf diesem Niveau mithalten kann - oder sogar besser ist als gestandene Mit- und Gegenspieler.

Moukoko hatte einige Probleme mit dem technischen Niveau und auch dem Spieltempo, traf ein paar unglückliche Entscheidungen in durchaus aussichtsreichen Momenten. Kein Grund zur Schelte, aber eine Einordnung, die dem Spieler am Ende vielleicht sogar eher helfen wird.

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Union Berlin: Kein Kruse? Kein großes Problem!

Sie haben es schon wieder getan: Marvin Friedrich hat einen Freistoß ins Tor geköpft, abgefeuert hatte die Vorlage Christopher Trimmel. Es war die fünfte Friedrich-Trimmel-Kombination in der Bundesliga, die zum Torerfolg führte. Und immer ging ein so genannter Standard voraus: Eine Ecke oder ein Freistoß. Christopher Trimmel ist unter den vielen guten Schützen in der Liga der beste. Schon in der letzten Saison gingen elf Torvorbereitungen auf sein Konto. Mittlerweile steht seine Bilanz schon wieder bei sechs Torvorlagen, der Österreicher legt also im Schnitt in jedem zweiten einen Treffer auf.

Damit steht Trimmel derzeit gemeinsam mit den Offensivspielern Robert Lewandowski, Kingsley Coman und Daichi Kamada auf Platz eins der Topvorbereiter der Liga. Und ist der einzige "echte" Verteidiger, der es in dem Ranking unter die Top 50 schafft. Trimmel hat nun auch den bisher besten Berliner Vorbereiter Max Kruse überholt.

Überhaupt hatten viele ja befürchtet, dass ohne Kruse bald nicht mehr viel gehen wird bei Union. Und dann: Ein Remis gegen die Bayern und eins beim anderen Überraschungsteam aus Stuttgart. Trotz acht verletzter Spieler. Aber Union hat offenbar auch noch ein paar andere, die ganz gut Fußball spielen können. Und in Christopher Trimmel zudem noch einen hellen Kopf, der mit seiner Art auch außerhalb des Platzes punkten kann - was man vom einen oder anderen Verantwortlichen der Berliner in den letzten Wochen ja nicht immer behaupten konnte.

Warum eigentlich nicht mal Bayer Leverkusen?

Der Running Gag der Bundesliga macht wieder die Runde: Ist Bayer Leverkusen gut genug, um Deutscher Meister zu werden? Die Werkself hat sich nach einem durchwachsenen Start mittlerweile an die Spitze des Tableaus gesetzt, ist als einzige Mannschaft noch ungeschlagen. Vor allem aber beeindruckt Leverkusen derzeit mit einer Mischung aus Leichtigkeit und Robustheit, steckt auch die Ausfälle mehrerer wichtiger Leistungsträger scheinbar spielend weg und hat einen Weg gefunden, Ballbesitz mit Überfallfußball so zu kombinieren, dass die Mannschaft für den Gegner kaum ausrechenbar ist.

Leverkusen spielt den Fußball, den man eigentlich den Bayern oder Borussia Dortmund zugeschrieben hätte und fährt die entsprechenden Resultate ein. Während sich die anderen jede Woche noch mehr mühen, spaziert Bayer von Sieg zu Sieg und überzeugt dabei fast jedes Mal.

Es scheint so, als habe Peter Bosz das Team nach einiger Anlaufzeit so sauber austariert, dass Leverkusen ein ernsthafter Titelkandidat werden könnte. Mit der Betonung auf "könnte".

Natürlich will bei Bayer niemand etwas davon hören, die Champions League bleibt das Saisonziel. Aber einige der Konkurrenten schwächeln derzeit, es bieten sich größere Chancen als in anderen Spielzeiten. Jetzt steht der ultimative Test an, wenn am Wochenende die Bayern kommen. Bisher war der Rekordmeister stets Leverkusens Kryptonit, wenn um höchste Weihen ging. Aber die Gemengelage war für Bayer schon lange nicht mehr so gut.

Bayer Leverkusen 16-12-2020Getty ImagesBild: Getty Images

Am anderen Ende der Tabelle wird's finster

Der nächste Spieltag wird aber nicht nur wegen des Titelrennens interessant, es spielen auch Mainz gegen Werder und vor allen Dingen Schalke und Bielefeld gegeneinander. Der "Kracher" im Keller, wenn man das so nennen darf. Denn so richtig spektakulär mag man sich diese Partie gar nicht vorstellen nach den Leistungen beider Teams an diesem Spieltag. Bielefeld mühte sich gegen ein ekliges Augsburg 90 Minuten lang mittellos ab und verlor wichtige Punkte auf einen direkten Konkurrenten. Und Schalke? Legte nach einem zuvor doch sehr ordentlichen Vortrag in Augsburg in seinem "Sechs-Punkte-Spiel" gegen Freiburg eine unsagbar enttäuschende Vorstellung hin.

Die Lage im Keller spitzt sich insofern zu, dass das Trio aus Bielefeld, Mainz und Schalke langsam den Anschluss zu verlieren droht Und genau daraus speist sich die Spannung am kommenden Wochenende: Für Schalke geht es um viel mehr als "nur" diesen elenden Tasmania-Rekord, den nun wirklich gar keiner haben will.

Die schiere Verzweiflung nach dem Freiburg-Spiel konnte und wollte Trainer Manuel Baum gar nicht mehr verbergen, Schalke MUSS am Samstag einfach gewinnen. Sonst droht auch der Letzte der wenigen verbliebenen Optimisten die Hoffnung zu verlieren. Und der Trainer womöglich früher als ihm lieb sein kann seinen Job.

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