Michael Reschke, technischer Direktor des FC Schalke 04, ist den Kritikern, denen zufolge die Königsblauen in der kommenden Bundesliga-Saison ein Abstiegskandidat sein könnten, entschieden entgegen getreten. Das sei "eine komplette Fehldiagnose", wird Reschke von der Süddeutschen Zeitung zitiert.
"Wir haben ein spannendes Team aus gestandenen Bundesligacracks und hochinteressanten jungen Spielern", führte der seit dem vergangenen Sommer für S04 als Kaderplaner tätige 62-Jährige weiter aus. "Wir können definitiv eine sehr vernünftige Rolle in der Bundesliga spielen."
Selbiges hatte besonders Trainer David Wagner zuletzt eher angezweifelt und mahnte zur Vorsicht bei den Erwartungen an die Schalker Mannschaft, die in Weston McKennie (Juventus Turin), Jonjoe Kenny (Rückkehr zu Everton), Alexander Nübel (FC Bayern München) und Daniel Caligiuri (FC Augsburg) gleich vier Stammspieler verloren, mit Vedad Ibisevic (Hertha BSC) jedoch aufgrund der finanziell prekären Lage bislang nur einen Neuzugang präsentierte.
"Die Wahrnehmung über Schalkes Vergangenheit im Vergleich zur Gegenwart, das passt nicht zusammen", sagte Wagner gegenüber der Sport Bild: "Es gibt Menschen, die sind heute 30 oder noch älter, die können gar nicht verstehen, dass wir mit Bayern München und den Klubs an der Spitze derzeit rein gar nichts mehr zu tun haben." Es gehe "ausschließlich darum, dass wir da wieder rauskommen".
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Auf eine desaströse Hinrunde mit 16 Spielen in Folge ohne Sieg, den Turbulenzen in der Vereinsstruktur mit dem Rücktritt von Clemens Tönnies und der immer deutlich werdenden finanziellen Misere des Klubs, folgte eine Vorbereitung mit Pleiten gegen Drittliga-Klubs, schwachen Leistungen und einem für Aufsehen sorgenden positiven Corona-Test. Wie dünn die Personaldecke ist, äußerte sich auch durch eine Testspielabsage der Schalker gegen Viktoria Köln aus Personalmangel.
Schalke 04: Reschke setzt auf Rückkehrer Rudy, Bentaleb und Uth
Während Wagner über den ihm zur Verfügung stehenden Kader klagte, dass dieser "nicht ausbalanciert" sei, gab Reschke, der Wagner intern bereits scharf kritisiert haben soll, zu bedenken, dass neben den Abgängen auch ein halbes Dutzend an Leihspielern zu den Königsblauen zurückgekehrt ist. Der an Norwich und Brann Bergen verliehene Torhüter Ralf Fährmann, der als Nummer eins in die Saison gehen wird, ist ebenso wieder da wie Sebastian Rudy, Mark Uth und Nabil Bentaleb.
Besonders Uth und Rudy wären gerne in Köln und Hoffenheim geblieben, wollen nun aus der Not jedoch eine Tugend machen. Rudy sprach erst kürzlich im kicker davon, auf Schalke "eine neue Chance bekommen" und auf die ihm von Wagner zugeteilte neue Rolle als Rechtsverteidiger "Bock" zu haben.
Die Rückkehr von Rudy, Uth und Bentaleb sieht Reschke daher als Hoffnungsschimmer. "Die Erfahrungen der vergangenen Monate haben beiden das Bewusstsein geschärft. Mark hat die Klasse zum sehr guten Bundesligaspieler und Nabil hätte wechseln können, hat aber entschieden, das Thema Schalke noch einmal neu anzugehen", sagte Reschke.
Ob Schalke trotz der finanziellen Schieflage nochmal auf dem Transfermarkt tätig werden kann, ließ Reschke offen. Unter anderem war zuletzt über eine mögliche Rückkehr von Sead Kolasinac vom FC Arsenal auf Leihbasis berichtet worden. Allerdings müsste dieser dafür auf mehrere Millionen Euro an Gehalt verzichten.
Reschke versicherte dennoch, dass man auf Schalke "intensiv an Optimierung" arbeite: "Ob Athletik, Standards oder taktischer Feinschliff - alles ist wichtig und wird angepackt." Am Sonntag starten die Schalker mit der Erstrundenbegegnung im DFB-Pokal gegen den 1. FC Schweinfurt (ab 15.30 Uhr im LIVE-TICKER) in die neue Saison. Am Freitag danach gastieren die Knappen zum Bundesliga-Auftakt beim frisch gebackenen Triple-Sieger und Titelverteidiger Bayern München (18.9., ab 20.30 Uhr live auf DAZN).


