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Hat der Ukraine-Krieg Auswirkungen auf die WM-Playoffs von Russland?

Wegen Russlands Invasion in der Ukraine hält die Welt den Atem an - das ist auch beim Sport nicht anders. GOAL wirft einen Blick auf die möglichen Konsequenzen auf Länderspiele mit russischer Beteiligung.

Nach dem Beginn des Kriegs am 24. Februar steht auch die Sportwelt unter Schock, zahlreiche Spieler:innen und Teams aus aller Welt wollen ein Zeichen für mehr Frieden setzen. Gerade ukrainische und russische Sportler:innen positionieren sich aktuell besonders deutlich, wie zum Beispiel der russische Nationalspieler Fjodor Smolow, der ukrainische Mittelfeld-Star Aleksandr Zinchenko oder die Sturm-Legende Andrey Schevchenko, die in Sozialen Medien Botschaften verbreiten.

Was sind die Auswirkungen des Einmarschierens der russischen Truppen in die Ukraine auf den Fußball? GOAL erklärt die Umstände mit Blick auf die aktuelle Lage.

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WM-Playoffs 2022 in Russland: Das ist die sportliche Ausgangssituation

Über die umstrittene WM 2022 in Katar wurde schon viel geschrieben, die Berichte von zahlreichen Toten und menschenunwürdigen Bedingungen lassen die internationalen Fußballverbände aber noch kalt. Bisher hat noch keine Nationalmannschaft einen Boykott angekündigt - 32 Teams werden bei der Endrunde im europäischen Winter dabei sein.

Diese 32 Verbände sind auf alle Kontinentalverbände der Welt aufgeteilt, mit folgendem Schlüssel: 5,5 Teams aus Asien/Australien, 4,5 Teams aus Südamerika, 3,5 Teams aus Nordamerika, 5 Teams aus Afrika, 0,5 Teams aus Ozeanien und 13 europäische Mannschaften.

WM 2022 in Katar: Ist Deutschland schon qualifiziert?

"3,5" Teams - das mag zwar komisch klingen, ist aber einleuchtend: Hier kann sich der letzte Teilnehmer über interkontinentale Entscheidungsspielen für die WM qualifizieren, oder eben nicht. Dabei ist klar zu sehen, dass UEFA und Europa den größten spielerischen Einfluss auf die WM-Gestaltung haben.

Als Gruppenerster der WM-Qualifikation ist Deutschland bereits für die WM qualifiziert - für zwölf Teams ist das Zittern aber noch nicht vorbei: Nur noch drei der 13 europäischen Startplätze sind offen, diese zwölf Teams spielen in einem Playoff-Format gegeneinander.

Russland will zur WM 2022 in Katar: Darum kommt es zu den Playoffs

Unter diesen Verbänden befinden sich übrigens große Namen, mit Portugal und Italien sind die beiden letzten Europameister (2016 und 2021) ebenfalls noch im Rennen, nur einer der beiden kann, wenn überhaupt, nach Katar fahren.

Der Grund, weshalb so viele prominente Mannschaften Probleme mit der Qualifikation haben? Bei der WM-Qualifikation kamen nur die zehn Gruppenersten weiter, alle Gruppenzweiten bekommen eine zweite Chance durch die Playoffs. Aufgefüllt wird das Feld durch die besten zwei Nations-League-Gruppensieger, welche sich über keinen anderen Weg für die WM oder die Playoffs qualifiziert haben. In diesem Jahr sind das Österreich und Tschechien. Klingt kompliziert? Ist es auch.

Fußball: So qualifizieren sich die Teams für die WM in Katar

Dabei sind diese zwölf Teams in jeweils drei KO-Bäumen à vier Mannschaften eingeteilt: Team A und B spielen gegeneinander, Team C und D treffen aufeinander, und die Gewinner von A/B und C/D spielen im Finale dieser Mini-Playoffs um den direkten Einzug in die Weltmeisterschaft in Katar.

An dieser Stelle kommen wir nun zum großen Problem: Im zweiten Playoff-Baum empfängt Russland im Halbfinale Polen. Sollte Russland das Duell gegen Robert Lewandowski und Co. am 24. März gewinnen, wäre Russland auch der Gastgeber für das Finale, also für das Spiel gegen Schweden oder Tschechien.

Portugal, Türkei, Italien, Russland, Österreich: Diese Länder wollen noch über die Playoffs zur WM!

Weg A

Weg B

Weg C

  • Wales
  • Österreich
  • Schottland
  • Ukraine
  • Russland
  • Polen
  • Schweden
  • Tschechien
  • Portugal
  • Türkei
  • Italien
  • Nordmazedonien
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Ukraine-Krieg: Was sind die Auswirkungen auf die WM-Playoffs von Russland?

Die Ausgangssituation wurde in den vorherigen Abschnitten ausführlich erklärt, Russland trägt also mindestens einmal ein Heimspiel aus: Am 24. März steigt auf russischem Gebiet das Spiel gegen Polen, bei einem russischen Sieg soll nach Plan auch das zweite Heimspiel am 29. März folgen, entweder gegen Schweden oder gegen Tschechien.

Folge des Ukraine-Kriegs: Schweden, Tschechien und Polen wollen nicht nach Russland

Das alles ist zwar "noch" einen Monat entfernt - allerdings beantragen bestimmte Verbände jetzt eine Verlegung der Spiele. Am 24. März, also an dem Tag, an dem die russischen Truppen erstmals Angriffe auf ukrainischem Gebiet vollzogen, veröffentlichten die Verbände von Schweden, Polen und Tschechien ein gemeinsames Schreiben.

"Aufgrund der alarmierenden Situation im Konflikt zwischen Russland und der Ukraine, in der keine Sicherheit gewährleistet werden kann, dürfen die Playoffs für die Fußballweltmeisterschaft 2022 in Katar, die vom 24. bis 29. März stattfinden sollen, nicht auf russischem Hoheitsgebiet ausgetragen werden. Die Unterzeichner dieser Beschwerde haben nicht die Absicht, nach Russland zu reisen", so lautet der übersetzte Wortlaut in dem Schreiben.

Spielabsage in der WM-Qualifikation? So sollen Russland und Polen gegeneinander spielen

Eine Spielabsage wird also nicht gefordert, stattdessen wollen die drei Verbände, die im gleichen Playoff-Baum wie Russland sind, eine Verlegung des Austragungsorts erreichen. Nur zwei Stunden nach der Veröffentlichung des Schreibens kam schon die erste Antwort von Fifa-Präsident Gianni Infantino, welcher zuvor mit dem FIFA-Council tagte.

"Wir sind in Kontakt mit den Verbänden, die diese Qualifikationsspiele noch austragen müssen, mit dem russischen Verband und den anderen", sagte Infantino: "Wir sind dabei, die Lage zu analysieren. Im Moment ist es so, dass wir die Lage weiter beobachten.“

Vettel, CL-Finale, Klitschko: Die Folgen der Ukraine-Krise auf den Sport

Entscheidungen und Planungssicherheit gibt es für die Spiele der Nationalmannschaft noch nicht, allerdings wird gemeinsam nach einer Lösung gesucht. Die Länderspiele Ende März sind übrigens bei weitem nicht das einzige Sportereignis, welches die Militäraktionen in der gesamten Ukraine zu spüren bekommen hat: So wurden die EuroLeague-Spiele des FC Bayern Münchens Basketball gegen ZSKA Moskau, Zenit St. Petersburg gegen den FC Barcelona und Baskonia Vitoria gegen Unics Kasan kurzfristig abgesagt.

Auch in der Formel1, rund um das Finale der Champions League in Sankt Petersburg (Russland), beim Boxen, beim Skispringen etc. gibt es immer wieder neue Meldungen als Folge der Entwicklungen in der Ukraine - SPOX sammelt dazu alles in diesem Ticker.

GFX Shakhtar, conflito Ucrania x RussiaGetty/GOAL
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