HINTERGRUND
Am 23. März dieses Jahres war sie perfekt, die Hammermeldung aus Sicht von Los Angeles Galaxy: Stürmerstar Zlatan Ibrahimovic geht nach Hollywood und schnürt künftig seine Fußballschuhe in der MLS.
Dass es neben diesem Transfercoup in der Folgezeit kein anderes relevantes Thema geben würde, war klar. "In den nächsten Tagen wird rund um den Klub Chaos herrschen", brachte es ein kommender Teamkollege des Schweden auf den Punkt.
Dieser Kollege war Ola Kamara, seines Zeichens ebenfalls Angreifer. Er war erst zwei Monate vorher für eine verhältnismäßig hohe Ablöse von Columbus Crew als Hoffnungsträger verpflichtet worden, nun musste er um seinen Platz im Schatten des Megastars fürchten, auch wenn er sich über Ibras Ankunft freute.
Ola Kamara? Dabei handelt es sich tatsächlich um den 1,84-Meter-Mann aus Norwegen, der sich 2013 nicht bei 1860 München in der 2. Bundesliga durchsetzen konnte. Fünf Jahre später spielt er an der Seite von Ibrahimovic – nicht wie zunächst befürchtet als Ersatz Zlatans – und wurde zuletzt sogar zu einem kleinen Helden in seinem Heimatland.
Matchwinner Kamara: Norwegen feiert Nations-League-Aufstieg
In der Nations League kam es am Montag in Gruppe 3 der Liga C nämlich zum Showdown um den Aufstieg. Norwegen und Bulgarien lagen vor dem abschließenden Spieltag gleichauf an der Spitze. Während die Bulgaren zuhause gegen Slowenien ran mussten, hatten Kamara und Co. ein Auswärtsspiel auf Zypern zu bestreiten.
In seinem 13. Länderspiel avancierte der 29-Jährige mit einer starken Leistung zum Matchwinner, beförderte er die Skandinavier mit einem Doppelpack quasi im Alleingang in Liga B. Hätte man Löwen-Fans, nachdem die Münchner Kamara nach einem halben Jahr bereits wieder abgaben, damals nach dessen Zukunftsperspektive gefragt, wären wohl größtenteils Wörter wie Bedeutungslosigkeit oder Versenkung gefallen.
GettyDoch es kam anders und seither hat sich Kamara zu einem verlässlichen Torjäger entwickelt. Mit 26 Toren in 43 Einsätzen in der höchsten Spielklasse Norwegens machte er mehrere Vereine auf sich aufmerksam. Den Zuschlag bekam letztlich der US-Klub Columbus Crew, das ihn Anfang 2016 verpflichtete. Dort ließ er in seiner Debütsaison mit 18 Torbeteiligungen aufhorchen.
Einige Klubs aus England zeigten Interesse, doch Kamara blieb in den Staaten, wo er eine weitere beeindruckende Spielzeit mit 18 Toren hinlegte.
LA Galaxy machte darum Nägel mit Köpfen und investierte für MLS-Verhältnisse einiges, um den Norweger nach Kalifornien zu holen, wo er einen Vertrag bis Ende 2020 besitzt. Kamara startete mäßig in die Saison, doch das interessierte wenige Wochen nach Saisonstart niemanden.
Ibrahimovic stieß vor dem fünften Spieltag zum Team und zog logischerweise sämtlichen Fokus auf sich. Als dieser bei seinem Debüt das Stadtderby gegen Los Angeles FC als Joker mit einem Doppelpack entschied, wurde Kamara blitzschnell vom Hoffnungsträger zum Handlanger.
Ibrahimovic spielt mit statt für Kamara bei Galaxy
Doch der damalige Trainer Sigi Schmid wurde nicht müde, zu betonen, dass er sich sehr gut eine Doppelspitze bestehend aus den beiden Skandinaviern vorstellen könne. "Ich werde mir verschiedene Formationen auf die Taktiktafel schreiben", sagte er damals. "Dann werden wir sehen, was Sinn ergibt. Ola ist ein wichtiger Spieler für unser Team."
Und genau dieser wichtige Spieler blieb Kamara trotz Ibrahimovic auch – oder vielleicht sogar wegen ihm? Er ist ein komplett anderer Spielertyp als der ehemalige United-Star, kann Abwehrreihen mit seinen schnellen Läufen hinter die Kette auseinanderziehen.
"Zlatan hat mit solchen Spielertypen schon sehr erfolgreich zusammengespielt", merkte auch Trainer Schmid an und machte deutlich, dass Kamara sogar vom Routinier profitieren wird. "Wenn du mit so einem Spieler auf dem Platz stehst, weißt du, dass du den Ball auch serviert bekommst, wenn du läufst."
Galaxy-Sturmduo erzielt 36 Saisontore
Und die Hoffnungen des Trainers bestätigten sich, denn das Sturmduo ergänzte sich perfekt. 36 Tore gingen letztlich auf das Konto der beiden, in der kompletten Vorsaison gelangen Galaxy nur 45 Treffer.
Die Playoffs wurden zwar knapp verpasst, doch mit dem Erfolg in der Nations League hatte das Jahr 2018 für Kamara doch einen positiven Abschluss. Einen Abschluss, den man nach seiner Zeit in Deutschland nicht vorhersehbar war.
Ibrahimovic bezeichnete sich selbst einst "wie einen guten Wein. Je älter, desto besser". Ein Satz, der in gewissem Maße auch auf Kamara übertragen werden kann. Er ist eben doch mehr als Zlatans Sidekick.





