Diese Aussagen sind durchaus überraschend! BVB-Präsident Hans-Joachim Watzke hat verraten, dass er Thomas Tuchel gerne als Bundestrainer verpflichtet hätte. Allerdings nicht in diesem Sommer, sondern schon vor vier Jahren nach der WM 2022. In der Sky-Sendung "Meine Geschichte" bejahte der Vizepräsident des DFB die Frage von Moderator Riccardo Basile, ob er über eine Installierung Tuchels auf der Trainerbank der deutschen Nationalmannschaft nachgedacht habe.
"Ja, im Sommer nicht. (…). Aber die Idee hätte ich schon gehabt", sagte Watzke und betonte: "Wir sind in Katar ziemlich kläglich ausgeschieden. Und dann? Dann denkst du ja schon mal so in der Nacht oder zwei Nächte lang, was könnte jetzt sein?" Warum er sich nicht für den heutigen Nationaltrainer Englands als Nachfolger von Hansi Flick einsetzte? Der heute 67-Jährige ist zwar seit Januar 2022 für den DFB tätig, war damals aber nicht in die Entscheidungsfindung eingebunden, nachdem Deutschland in Katar zum zweiten Mal in Serie in der Vorrunde einer Weltmeisterschaft gescheitert war.
"Damals war noch Oliver Bierhoff da, jetzt Rudi Völler. Das ist ja nicht meine Entscheidung, wer Bundestrainer wird", sagte Watzke und führte aus: "Aber so die Grundhaltung war einfach: Wir machen mit Hansi Flick weiter. Und Hansi ist ja ein exzellenter Trainer, siehst du ja gerade, was er da bei Barcelona abreißt." Watzke hatte aber schon so ein "Gefühl", dass es nach "so einem Misserfolg schwierig" werden könnte. "Ich habe im Nachhinein wahrscheinlich auch Recht behalten, die Spiele danach waren ja auch ein Desaster!"
Wie kam es zum Zerwürfnis von Thomas Tuchel und Hans-Joachim Watzke ?
Gleichwohl überrascht Watzkes Gedankenspiel über Tuchel. Das Verhältnis zwischen dem langjährigen Boss von Borussia Dortmund und dem ehemaligen BVB-Coach galt lange als zerrüttet. Hintergrund des Disputs ist der Anschlag auf den Mannschaftsbus des Bundesligisten auf dem Hinweg zum Champions-League-Viertelfinale gegen die AS Monaco im April 2017. Tuchel, damals noch im Amt, stellte es anschließend so dar, dass Watzke bestimmt habe, dass seine Mannschaft dennoch spielen müsse. Dabei sollen sich einige Spieler selbst dazu entschlossen, zu spielen.
Die UEFA setzte das Spiel damals für den nächsten Tag um 18.45 Uhr an. Ein Nichtantreten hätte wohl eine automatische Niederlage bedeutet. Andererseits offenbarten im Nachhinein auch einige Akteure wie der damalige Kapitän Marcel Schmelzer oder Nuri Sahin, dass sie nach dem Anschlag keine Gedanken an Fußball verschwenden konnten. Der BVB verlor mit 2:3 und schied nach einem 1:3 im Rückspiel aus der Königsklasse aus.
Auf die Frage, ob Tuchels Darstellung für ihn persönlich die "größte menschliche Enttäuschung" gewesen sei, antwortete Watzke: "Es war jedenfalls eine große. Ja! Ja!" Wie lange er damit zu knabbern hatte, dass er in der Öffentlichkeit mit einem Bild dargestellt wurde, welches nicht der Wahrheit entspricht? "Das ist ja dann ein Riesenproblem, weil wenn du das, wenn du die inneren Vorgänge nicht mehr bei dir behältst, sondern dass das alles nach draußen geht und dann noch verzerrt. Ich habe aber gemerkt, egal was ich sagte oder auch egal was andere sagten. Es gab einfach bestimmte Kreise, die das einfach haben wollten. Dass das einfach gut reinpasst, dass so ein seelenloser Fußball-Funktionär dann den Spielern vorschreibt, was sie zu tun haben. Das passte einfach mal gut ins Bild."
IMAGOWie denkt Hans-Joachim Watzke heute über Thomas Tuchel?
Watzke betonte, dass es ihn jedoch keine Überwindung gekostet habe, Tuchel zu verzeihen. "Es geht auch gar nicht um Verzeihen oder nicht verzeihen. Ich halte Tuchel nach wie vor für einen exzellenten Trainer", sagte er und schob nach: "Wir hatten in dem Moment einen massiven Dissens, das ist schon klar. Aber irgendwann geht es immer weiter. Und wenn wir uns heute sehen: Wir reden miteinander vernünftig, wir sprechen. Und wo die Engländer mich gefragt haben, was ich von Tuchel halte, habe ich nur gesagt: Könnt ihr blind machen. Kriegt einen der besten Trainer. Der Thomas Tuchel stand ja auch unter einem maximalen Druck."
Jenen Druck habe sich Tuchel "selbst auferlegt", erklärte Watzke. "Und wie gesagt, ich habe immer am Ende auch im Nachhinein Respekt davor gehabt, weil ich weiß nicht, ob, wenn du dann in dem Moment im Bus gesessen hast, ob die Dinge sich für dich noch mal anders angefühlt haben, denn das muss man einfach auch respektieren."
Der BVB fand 2017 mit dem Pokalsieg zwar einen versöhnlichen Saisonabschluss, dennoch folgte die Trennung von Tuchel. Nach Stationen bei PSG, Chelsea und dem FC Bayern München übernahm 53-Jährige 2025 die englische Nationalmannschaft. Watzke hatte indes entscheidenden Anteil an der Installation von Jürgen Klopp als Nachfolger von Julian Nagelsmann nach der WM 2026.





