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Mousa Dembele von Tottenham Hotspur: Der unterbewertetste Spieler der Welt


HINTERGRUND

Dele Alli, Christian Eriksen und Harry Kane sind endgültig eines der besten Trios Europas. Hier der technisch brillante und vor Kreativität strotzende Jungspund Alli, da der eiskalte und sich im Raum weltklasse bewegende Kane und als letztes Puzzleteil der Däne Eriksen, ausgestattet mit chirurgischer Präzision. Alle können den Unterschied ausmachen, alle sind absolute Ausnahmekönner. Fragt man ihre Mannschaftskameraden bei Tottenham nach dem besten Spieler im Spurs-Kader, ist die Antwort also mehr als naheliegend. Zumindest ließe sie sich auf diese drei Spieler eingrenzen.

Und doch kamen Victor Wanyama, Danny Rose, Eric Dier, Harry Winks und auch Alli selbst zu einem anderen Ergebnis: Sie alle nannten Mousa Dembele als ihren besten Mitspieler. Auf den ersten Blick eine überraschende Antwort. Auf den zweiten weniger. Denn der Belgier ist seit Jahren unterbewertet, ist der vielleicht kompletteste Spieler der Premier League und zentraler Bestandteil des Erfolgs, der Tottenham seit Jahren unter Mauricio Pochettino in beängstigender Konstanz treu bleibt.

Und die Liste der Bewunderer lässt sich beliebig fortsetzen. Ross Barkley, James McArthur, Bobby Zamora und auch Dimitar Berbatov sind sich alle einig: Dembele ist einer der besten Spieler, den sie jemals gesehen haben. Was sie denken, bringt Mitspieler und Landsmann Jan Vertonghen auf den Punkt: "Ich denke nicht, dass die Leute wissen, wie gut er wirklich ist." Was also macht den 30-Jährigen, der so krass unter dem Radar fliegt, so besonders? Und woran liegt es überhaupt, dass er – wenn man von Scoutingberichten einmal absieht - auf diesem Radar so selten auftaucht?

Einen Wandel wie bei Dembele "noch nie erlebt"

Der im belgischen Antwerpen geborene zentrale Mittelfeldspieler begann seine Karriere als Stürmer. "Er startete bei Willem II als Stürmer, war dann bei AZ Alkmaar Flügelspieler", erinnert sich der ehemalige HSV-Trainer Martin Jol, der Dembele einst zu Fulham holte, im Gespräch mit der englischen Tageszeitung The Telegraph .

Jol hatte Fulham übernommen, Dembele war neu im Kader. Immerhin sechs Millionen Euro Ablöse hatten die Cottagers für den damals 22-Jährigen bezahlt, der bei Alkmaar gute Leistungen erbracht hatte. "Als ich ihn im Training sah, konnten sie ihm den Ball nicht abnehmen. Er war einfach körperlich überlegen", so Jol über den Moment, in dem er Dembele zum Sechser machte. "Von diesem Moment an war er unser bester Spieler. Ich habe so einen Wandel noch nie erlebt."

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Kindheit in Antwerpen: Kaputte Tore und Durchsetzungsvermögen

Ein Grund für die herausragende Stabilität ist sicherlich seine Kindheit und Jugend. In Antwerpen wuchs er in rauen Verhältnissen auf, die Größeren dominierten den Bolzplatz des Viertels, nicht selten wurden Konflikte mit Fäusten gelöst. "Ich musste auf schmerzhafte Weise lernen, mich durchzusetzen", erinnert sich Dembele im Telegraph . Der einfachste Weg, nicht auf der Nase zu landen, war also, es den anderen unmöglich zu machen, an den Ball zu kommen. Wenn Dembele also heute in den Stadien der besten Liga der Welt aufläuft, dann ist er immer auch ein bisschen der Junge, der seinen Körper auf einem Antwerpener Fußballkäfig gegen den der Gegenspieler stemmt.

Dass er sich trotz der von allen gepriesenen Physis so behände bewegt, Körpertäuschungen von Weltklasse-Gegenspielern flink parieren kann und auch selbst technisch feine Sololäufe hinlegen kann, liegt ebenfalls am stundenlangen Spielen auf jenem Hartplatz, der ihn Demut und Technik lehrte. Denn irgendwann waren die Tore kaputt. Um den Ball nicht immer ewig holen zu müssen, stoppten die Kids ihn auf der Torlinie. Vielleicht auch ein Grund für seine fehlende Torgefahr.

Dembele ist so gut, dass die Tottenham-Mitspieler lachen

In zwei Spielzeiten bei Fulham entwickelt er sich zum Kopf des Teams. Er macht insgesamt 75 Spiele, in denen ihm 15 Scorerpunkte gelingen. Meist spielt er dabei als Zehner, durchaus offensiv, aber eben dennoch eine Wucht im Gegenpressing, mit seinen 1,85 Meter ein physischer X-Faktor. Nach der Saison 2012/13, in der er Fulham auf Platz neun geführt hat, wollen einige Klubs Dembele. Tottenham, unter Andre Villas-Boas gerade Fünfter geworden, macht das Rennen – und bei den Spurs staunen sie nicht schlecht.

Der damalige Co-Trainer Tim Sherwood erzählt: "Als Trainer fühlte ich mich sicher, sobald er am Ball war. Bei anderen stockte mir der Atem, sobald sie in der eigenen Hälfte an den Ball kamen." Sherwood erinnert sich, dass man Dembele so schwer vom Ball trennen konnte, dass es im Training mitunter sogar ungläubiges Gelächter gab.

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Nur Hazard dribbelt noch erfolgreicher als Dembele

"Wir wollten einen Spieler, der den Ball aus der Defensive nach vorne tragen kann", so Sherwood. Und den bekam Tottenham. Seit Tag eins ist er Stammspieler. Seine vielen Verletzungen verhinderten allerdings oft, dass er noch mehr Aufmerksamkeit bekommt. An die 40 Spiele verpasste er wegen der in intensiven Zweikämpfen zugezogenen Blessuren. So auch in dieser Saison, in der er wegen einer Prellung einige Spiele verpasste. Ist er aber fit, spielt er meistens auch. In den Top-Spielen gegen Manchester United, den FC Liverpool, den FC Arsenal, Manchester City, den FC Chelsea und auch gegen Juve und den BVB stand er, wenn fit stets in der Startelf.

Seine Statistiken belegen nicht nur, dass er einer der besten Spieler der Premier League ist, sondern untermauern die Lobeshymnen von Mit- und Gegenspielern auch eindrucksvoll. In den letzten zehn Spielzeiten steht bei den meisten erfolgreichen Dribblings auf Platz zwei hinter Eden Hazard – Überraschung! – Mousa Dembele. 504 an der Zahl hat der Belgier aufgelegt. Blickt man auf diese Saison ist Dembele bei vielen Statistiken weit oben dabei. Platz neun bei der Passquote (92,57 Prozent), Platz zwei bei der Dribblingerfolgsquote aller Spieler mit mindestens 40 Versuchen (78 Prozent).

Tottenham-Coach Pochettino: "Dembele wie Maradona und Ronaldinho"

Hinzu kommt sein taktisches Gespür. Als Louis van Gaal sein Trainer bei Alkmaar war, injizierte er Dembele Verständnis von Raum. Raumdeckung, Angriffsdrittel, Zonen. Noch heute profitiert er von der akribischen Schulung des Tulpengenerals. Alles in allem ist er eine "Naturgewalt", wie Mitspieler Dier bewundernd kundtut. Diese wird er auch im Champions-League-Rückspiel auf den Platz bringen, wenn es nach dem 2:2 gegen Juventus im Rückspiel an der White Hart Lane um seinen Traum geht. Denn einmal die Champions League zu gewinnen, ist das ganz große Ziel des Mousa Dembele, wie er bereits mehrfach betonte.

Geht es nach Trainer Pochettino, hat er mehr als nur die Klasse für den größten Vereinstitel der Welt. Denn der argentinische Erfolgscoach sagte jüngst: "Ich stelle ihn auf eine Stufe mit Ronaldinho, Maradona und Okocha", sagte er der Argentinier. "Für mich ist er eines der unglaublichsten Talente der Fußball-Geschichte!"

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