Mats Hummels FC Bayern München Carlo AncelottiGetty Images

Mats Hummels: "Vielleicht wird da wieder richtig was vorangetrieben"


MIXED-ZONE-INTERVIEW

Er hätte der Mann des Abends werden können, letztendlich aber trat Mats Hummels bitter enttäuscht vor die Kameras, Mikrofone und Diktiergeräte. Der Abwehrspieler hatte den FC Bayern München im Halbfinale des DFB-Pokals zwischenzeitlich in Führung gebracht, musste nach seiner Auswechslung aber mit ansehen, wie seine Kollegen die Partie gegen Borussia Dortmund noch aus der Hand gaben.

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Nach der 2:3-Niederlage sprach Hummels ausführlich in der Mixed Zone der Allianz Arena über das Ausscheiden und die Folgen. 

Mats, wie bitter ist die Pleite gegen Borussia Dortmund, wenn man das Spiel eigentlich schon im Sack hatte?

Mats Hummels: Wir hatten es eben nicht im Sack, aber wir hätten zumindest schon einen leichten Knoten in den Sack machen können. Wir hatten vier, fünf hundertprozentige Torchancen. Die haben wir nicht genutzt und so haben wir den BVB wieder zurück ins Spiel kommen lassen. Es ist eine große Enttäuschung. Die Tatsache, dass wir ausgeschieden sind, aber auch die Art und Weise, wie wir das Spiel abgegeben haben. Das einzig Gute ist, dass wir wissen, dass es heute an niemandem lag außer an uns selbst. Das wird uns noch ein bisschen beschäftigen und wie das Real-Aus in den nächsten Tagen wehtun – vielleicht auch in den nächsten Wochen.

Vor zwei Wochen haben Sie gegen den BVB auch 2:1 zur Halbzeit geführt und am Ende 4:1 gewonnen.

Hummels: Na gut, wenn wir das 3:1 machen, dann wäre der Sack wohl zu gewesen. Das ist schwierig zu vergleichen. Vor zwei Wochen gab es eine Szene, in der Auba fast das 2:3 macht und wir im Gegenzug zum 4:1 treffen. So schnell können sich Partien drehen. Vor zwei Wochen lief es in der Hinsicht ganz gut, heute war es negativ für uns. Das kommt leider vor. 

Kann man das Ergebnis auch auf die Nachwirkungen des Ausscheidens in der Champions League zurückführen?

Hummels: Nein, das sind zwei völlig voneinander losgelöste Spiele. Gegen Real waren wir sehr effektiv, da haben wir aus nicht so vielen Chancen drei Tore gemacht. Heute hatten wir viele hochkarätige Chancen und haben eben nur zwei gemacht. 

Welchen Hintergrund hatte Ihre Auswechslung?

Hummels: Heute war der Akku schon zur Halbzeit leer. Es war wie schon im Mainz-Spiel. Meine rechte Seite musste wegen der Verletzung einiges kompensieren. Es war irgendwann einfach nichts mehr drin. Ich konnte nicht mehr zum Sprint anziehen. Ich hatte Hüfte, Adduktoren, Oberschenkel, Wade - das komplette Programm. Ich habe zur Halbzeit schon gesagt, dass es schwierig wird, dass ich es aber nochmal versuche, sodass es sich vielleicht rausläuft. Aber es ging einfach nicht mehr.

Brauchen Sie eine richtige Pause?

Hummels: Wir werden sehen, wie es sich bis Freitag entwickelt. Zumindest ein Thema wird es aber sicherlich sein. Ich habe gemerkt, dass man eine Zeitlang etwas kompensieren kann, aber irgendwann muss man sich vollständig auskurieren.

Haben Sie es auch so empfunden, dass mit Ihrer Auswechslung ein Bruch ins Spiel kam?

Hummels: Naja, wir hatten danach auch noch eine große Chance. Ich glaube, das war die Szene, in der sich das Spiel gedreht hat. Als wir da das Tor nicht gemacht haben, gab es auf der Gegenseite direkt eine gute Chance für den BVB. Da hat man richtig gemerkt, dass bei ihnen der Glaube wieder aufkommt. Aber es war ja dennoch nicht klar, dass wir uns noch Tore einfangen. Dann haben wir zwei herausragende Tore kassiert. Das ist der Klassiker: Wenn Du vorne die Tore nicht schießt, dann fängst Du Dir irgendwann einen ein und dann kommt so ein Spiel zustande.

Sind Sie besonders frustriert, weil Sie selbst eine gute Leistung gezeigt und ein Tor erzielt haben, die Mannschaft das Spiel nach Ihrer Auswechslung aber noch aus Hand gegeben hat?

Hummels: Das ist mir völlig egal. Heute ging es ausschließlich darum, ins Finale einzuziehen. Nur das ist der enttäuschende Teil.

Besonders bitter ist das Ausscheiden sicher für Philipp Lahm.

Hummels: Klar hätte er sehr gerne in Berlin seine Karriere beendet, am besten mit dem Pokal in der Hand. Für uns ist es schade, für ihn natürlich auch. Es wäre ein sehr würdiges Ende für seine Karriere gewesen.

Nun ist es wichtig, die Meisterschaft dingfest zu machen. Wie bekommen Sie jetzt die Köpfe wieder hoch für die Partie gegen Wolfsburg?

Hummels: Es ist auf jeden Fall wichtig. Nachdem wir heute die Chance auf einen möglichen Pokalsieg verspielt haben, wollen wir da mit einem Sieg die Vorentscheidung in der Meisterschaft herbeiführen. Es wird vom Kopf her natürlich ein schwieriges Spiel, aber ich bin mir sicher, dass wir alles daran setzen werden, in der Liga nicht noch ein Fünkchen Spannung aufkommen zu lassen.

Welche Konsequenzen könnte diese Saison für die Zukunft des FC Bayern haben?

Hummels: Das ist nicht mein Themengebiet, soweit ich meinen Vertrag richtig kenne. Da müssen Sie andere fragen.

Es wird immer viel davon geredet, dass dem FC Bayern ein Titel in einer Saison nicht reicht. Ist das Ihrem Eindruck nach so?

Hummels: Die Meisterschaft wollen wir holen und die wäre, wenn wir es schaffen, auch ein sehr wichtiger Titel für uns. Aber angesichts dessen, dass wir heute nach einem schwierigen Beginn sehr viele Chancen hatten, ins Finale einzuziehen, muss man das so formulieren. Wir haben das Finale heute ein bisschen fahrlässig sausen lassen und logischerweise ist das für uns eine große Enttäuschung.

Dabei ist es normalerweise der Killerinstinkt, der die Bayern auszeichnet.

Hummels: Das ist tatsächlich so. Das eine Sache, die uns diese Saison ausgezeichnet hat und die Bayern fast immer in den vergangenen Jahren ausgezeichnet hat. Immer wieder kommt es aber mal vor, dass es nicht klappt. Heute haben wir uns dafür nicht das allerbeste Timing ausgesucht.

Vor acht Tagen hätten Sie noch drei Titel holen können, nun wird es voraussichtlich nur einer. Gehört es da einfach zum Business dazu, dass sehr viel in Frage gestellt wird?

Hummels: Ich bin in der ersten Saison hier, habe es aber von außen mitbekommen. Ich weiß zwar nicht genau, welche Rädchen da anfangen, sich zu drehen, man kann aber auch sagen, dass das vielleicht dafür sorgen wird, dass da wieder richtig was vorangetrieben wird, wie es 2012 der Fall war, als wir das mit dem Double hier ausgelöst haben.

Ist die Situation also ähnlich gravierend wie 2012?

Hummels: Das müssen die beurteilen, die da waren.

Aber Sie wissen, dass die kommenden Tage etwas turbulenter werden.

Hummels: Ja, auf jeden Fall. Das ist klar.

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